Review

„Aber wenn sich Lust und Fantasie verselbständigen, entsteht das, was wir Perversität nennen. (…) Dieser Film will versuchen sexuelles Fehlverhalten zu zeigen, behilflich zu sein, es zu heilen, und unser Verständnis für die Fehler der Anderen wachzurufen.“

Der italienische Regisseur Bruno Mattei – verantwortlich für filmische Schwerverbrechen wie MONDO CANNIBALE, SNUFF TRAP, SS GIRL, HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN und ZOMBIE 3 – mit seinem Beitrag zum in den 1970ern grassierenden Mondo- / Fake-Snuff-Trend, welcher mit MONDO CANE auflebte, mit GESICHTER DES TODES-Reihe sogar bei Grundschülern von sich reden machte, und in JACKASS und BUMFIGHTS in massentauglicher Form seinen populären Höhepunkt fand (freie Behauptung meinerseits).
Mondo – das sind im Stile einer Dokumentation gedrehte Filme, die dem Zuschauer Authentizität vorgaukeln. Oftmals werden dabei gefakte Szenen mit Originalaufnahmen vermischt.

„Der Lustmord ist der traurigste und schaurigste Höhepunkt der sexuellen Perversität. Seit der Drogensucht hat seine Häufigkeit zugenommen.“

Befassen sich viele Mondos mit dem zufällig auf Zelluloid gebannten Ableben des Menschen, nimmt sich LIBIDO MANIA dessen Entstehung bzw. den Sexualakt in jeder erdenklichen Form zum Thema. Der Zusatztitel „Alle Abarten dieser Welt“ lässt schon erahnen, was hier auf uns zukommt. Ein Journalist führt uns durch die Welt der sexuellen Perversionen. Geschildert und erklärt werden Fußfetischisten, Hermaphroditen, Zwitterwesen, Geschlechtsumwandlung in Tokio, Kleiderfetischismus, Pustel- und Pickelfetisch, Sex mit Greisen, mit Behinderten, mit Amputierten, geistig Zurückgebliebenen und Buckeligen, Sadismus und Masochismus, Masturbation, krankhafter Narzismus, Voyeurismus, Marionettismus, Liebe zu dritt oder viert. Immer wieder entführt uns der Film zu den Ritualen und Zeremonien von afrikanischen Eingeborenenstämmen in Papua Neu-Guinea (oder sonst wo), wo schon mal ein Schniedelwutz abgeschnibbelt wird. Dies scheinen die einzigen nicht gestellten Aufnahmen zu sein, obwohl man sich – insbesondere bei der Kastrationsszene – auch nicht so ganz sicher sein kann.

Vor der Kamera stehen„echte Psychologen“ mit schlauen Antworten parat. Oftmals wird der im 19. Jahrhundert aktive Psychologe Richard von Krafft-Ebing zitiert, ebenso Marquis De Sade:
„Hört nicht auf die Moralisten! Eure Leidenschaften sind das einzige, was euch zu eurem wahren Glück führen wird.“
Das Beste hebt sich LIBIDO MANIA freilich bis zum Schluss auf. Somit steigert sich die Fake-Doku nach und nach an Geschmacklosigkeiten, bis man bei Natursekt, Fäkalerotik (hier kommt echte Fake-Kacke ins Spiel – mmm, schlabber!), Sex mit Tieren, Sexualmord und einem nekrophilen Priester angelangt ist.
Der Film liefert hanebüchene historische Verweise auf Leichensex im alten Ägypten und Statistiken, denen man nun glauben mag oder nicht – alles sehr fraglich, ob tatsächlich wahr.
Die dargestellten Perversionen sind oftmals so obskur, dass man unweigerlich lachen muss. Siehe z.B. ein Mann, der gerne eine Badematte wäre und benutztes Badewasser schlürft. Getoppt nur von einem Kerl, der sein Appartment wie ein Krankenhauszimmer einrichtet, ein Pärchen engagiert, das er an Gummiseilen an gegenüberliegende Wände geschnallt, und sich beim Anblick der Beiden mit Nivea-Creme einschmiert. What the Fuck…

Geilheits-Faktor: (-)(-)(-)(-)(-)
Perverso-Meter: (+)(+)(+)(+)(-)
Rest: (?)(?)(?)(?)(?) – …welcher Rest!?

„B. ist 27 Jahre alt und Mutter von acht Kindern. Ihr Mann verlangt ständig von ihr, sich mit einem Schäferhund zu paaren.“

Fazit:
GESICHTER DES TODES goes SCHULMÄDCHEN REPORT – Kranker, pseudo-moralischer, zu mehr Toleranz aufrufender Mondo-Schweinkram, einzig und allein auf der Zurschaustellung sexueller Perversion aufgebaut. Mehr Fake als Cake und gespickt von unfreiwilliger Komik. Dennoch auf perverse Weise unterhaltsam und für alle Hobby-Psychologen unter den Mondo-Glotzern eine reichhaltige und illustere Enzyklopädie der Paraphilien. Im Grunde also echt ganz nett.

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