Review

Mal ehrlich: Für 2 Euro vom Grabbeltisch, da darf man nichts erwarten. Doch der schlecht gezeichnete, hässliche Alienverschnitt auf dem Cover lachte mich so dermaßen an, dass ich nicht anders konnte...zumal der Klappentext Trash pur versprach. Ab und zu muss so etwas mal sein. Doch dann gammelte die Scheibe in meiner Sammlung so daher...irgendwie konnte ich nie überwinden, mir den Schund reinzuziehen. Ich hatte so eine üble Vorahnung...Doch dann hatte "Targoor" doch seinen großen Auftritt in meinem DVD-Player.

Achtung, Spoiler!

Dabei beginnt der Streifen doch ganz amüsant. Eine Bohrinsel unter dem Kommando eines jungen Wissenschaftlers, der rein vom Äußerlichen noch gar nicht seinen Doktortitel in der Tasche haben dürfte, ist auf geheimer Mission vor Alaska. Das weiß aber noch kein Mitarbeiter von der Crew, nur ein verpennter Tunichtgut hat eine üble Vorahnung - so wie ich, der sich wochenlang nicht traute, den Film anzuschmeißen. "Wir werden alle Sterben", schießt es aus ihm heraus. Wie er darauf wohl kommt? Doch noch wiegelt der Vorarbeiter - der Quoten-Afroamerikaner, wie er klischéebehaftet immer in Trashfilmen vor der Kamera rumwuselt -ab: "Wir werden irgendwann alle sterben!" Zugegeben, für einen kurzen Schmunzler ist der Spruch gut, auch wenn die miese Synchronisation ihren Teil beiträgt.

Auch der stoische Bohrinselcheffe Jake wird stutzig.Schließlich hat er in den Akten geblättert und herausgefunden, dass seine Bohrinsel eigentlich zwecks Wartungsarbeiten vor Chile liegen müsste. Warum eine amerikanische Bohrinsel gerade in Chile gewartet werden müsste, ist nur ein Mysterium am Rande. Fakt ist jedoch: Das ominöse Vorhaben ist aufgeflogen - oder sollte es zumindest sein. Denn trotzdem bohrt die Crew, bestehend aus den üblichen, idiotischen Trashfilm-Verdächtigen, immer weiter und immer tiefer. Irgendwann wird das schwarze Gold schon sprudeln. Doch es ist kein Öl, was sie finden
werden. Ausgerechnet unser Amateur-Nostradamus wird von einem kleinen Plastikmonster angegriffen (eine gewisse Ähnlichkeit mit den Viehchern, mit denen sich Miss Weaver zwei Jahre zuvor auf einer Raumstation herumschlagen musste, ist nicht zu verachten) und ist so mir nichts, dir nichts tot. Auch das Mini-Monster wird mit einer Leuchtrakete über den Haufen geschossen. Damit ist alles in bester Ordnung. "War bestimmt ein gifter Rochen", so das lapidare Fazit des Schmalspurwissenschaftlers...

Dabei hat die Bohrung doch kleine Eier zu Tage gebracht. Der Doktor für Ekel-Organismen hat aber nichts besseres zu tun, als diesen Umstand zu verschwiegen und brütet die Dinger einfach aus...Um das Ganze etwas abzukürzen - nicht zuletzt, weil es offensichtlich ist, was jetzt passiert: Immer wieder werden unschuldige Crewmitglieder von dem fremden Organismus infiziert, rennen mit debiler Grimasse über die Bohrinsel, schänden und vergewaltigen (ohne, dass der Betrachter etwas sieht, nur so als Vorwarnung für Gore-Fetischisten) und gehen schließlich Hopps - vorzugsweise über Bord.

Nachdem die ersten 20 Minuten doch ganz flott erzählt wurden, wird nun eine Stunde lang Schema X abgespult. Die Panik unter den Arbeitern nimmt zu, alle Beteiligten werden sentimentaler und werfen sich stumpfsinnige Dialogfetzen an den Kopf. Ein Beispiel gefällig? Gut, hier ist eines (sinngemäß wiedergeben):
Die unnahbare, neue Mitarbeiterin, ein Multitalent am Funk, auf dem Kran und auch sonst überall, und der stoische Jake mit seinem imposanten Schnauzbart kommen sich - wie überraschend - näher und erzählen ein bisschen von sich.

Bohrinsel-Amazone: "Ist ihnen eine Frau ins Netz gegangen? Haben sie überhaupt eine Frau?"
Schnauzbart-Jake: "Ja, eine. Es hat zumindest für eine Zeit lang funktioniert. Es ist der Job, man ist nie zu Hause. Sie hat mich während meiner Arbeit betrogen."
Sie: "Kinder?"
Er: "Einen Sohn und eine Tochter. Mein Sohn war mein ganzer Stolz. Dann kam der Vietnam." (Nur so am Rande: müsste es nicht das Vietnam heißen? Oder der Vietnam-Krieg? Oder der Vietcong? Oder vom mir aus auch die Vietcong?)
Sie: "Er ist nicht zurückgekehrt?"
Er: "Hmh."
Sie: "Und die Tochter?"
Er: "Meine große Freude...als sie klein war. Jetzt ist sie in Indien bei einem Guru und sucht die Erleuchtung. Und Sie, haben Sie einen Mann?"
Sie: "Ich hatte einen - für 15 Minuten. Aber er hat mich zu oft geschlagen."
Er: "Sie haben ihn verlassen?"
Sie: "Nein, ich habe ihn erschossen. Aber ich war 16, habe mildernde Umstände bekommen. Ich musste nur die Stadt verlassen."

Während dieses tiefschürfde Gespräch stattfindet, mampfen die beiden ein "delikates" Omelette. Also bitte...wer schneidet sich denn einen solchen hahnebüchenen Bockmist von Dialog aus den Rippen? Von dieser Sorte Gespräch folgt noch das eine oder andere, dann ist es aber Zeit für den großen Showdown und die verblüffende Auflösung. Während Charles Darwin uns erklärte, dass wir Menschen vom Affen abstammen, will uns nun dieser Rotzlöffel von Wissenschaftler weißmachen, dass unsere Vorfahren von einer bitterbösen Kreatur vernichtet wurden, dann aber die große Sintflut folgte, ein ganzer Kontinent versank und die bitterböse Kreatur mit sich in den Ozean zog, wo es sage und schreibe 14 Millionen Jahre schlummerte. Woher er das wissen will? Das vermag er nicht zu sagen. Er entkommt diesem Erklärungsnotstand, da er von Targoor unter einem Regal begraben wird.

Targoor tritt nun endlich, in den letzten 5 Minuten, in Erscheinung. Warum die Filmemacher ihn so lange in der Mottenkiste versteckt hielten, liegt auf der Hand: Das Monster ist eine billige Kopie aus dem oben bereits erwähnten Meilenstein des Sci-Fi-Horrors. Was aber vor zwei Jahren noch gelang, geht hier vollends in die Hose. Targoor sieht aus, wie aus der Muppet-Show enntlaufen und zu allem Überfluß steckt unter Maske noch ein Kerl, der nun völlig unmotiviert über die Bohrinsel stolpern muss. Denn wie dieses unbewegliche Ding, das nun wie ein betrunkener Hooligan am Hauptbahnhof umhertorkelt und den ein und den selben Gröl-Laut von sich gibt, die gesamte Mannschaft dahinraffen konnte, bleibt ein weiteres Rätsel. Gut, dass Targor dann schnell in die Luft gesprengt wird, bevor es seine tumben Kameraden freibohren kann. Die Explosion kann dann doch sogar mit den Effekten bei der Police Academy-Show im Bottroper Warner Bros. Movie Park mithalten. Und auch das Ende behält einen Schocker parat...denn es ist noch nicht vorbei, verrät eine Luftblase im Bohrmatsch. Zum Glück ist daraus kein Cliffhanger geworden.

Nochmal gucke ich mir den Streifen nur noch in geselliger Runde und geistiger Umnachtung an! (2/10)

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