Gemeinhin für ihre Ausschussware auf dem B-Movie-Sektor bekannt, bleibt das berüchtigte Studio Royal Oaks natürlich auch mit „Black Thunder“ seinem schlechten Ruf treu und liefert einen weiteren B-Actioner vollgestopft mit Stock Footage ab, den ausgerechnet Roger Corman produzierte.
Ich wage sogar zu behaupten, dass sich mit mehr fremden Material nie eine Produktion unter dieser Flagge in die Videotheken gewagt hat. Gleichzeitig schafft Rick Jacobson („Blackbelt“, „Lion Strike“), der unter anderem Don „The Dragon“ Wilson seine besseren Filmauftritte bescherte, ungewöhnlich viel Kurzweiligkeit aus diesem Sammelsurium zusammengeklauter Szenen herauszuholen.
Dabei gibt es inhaltlich mal wieder nur Altbewährtes, beziehungsweise ehrlich ausgedrückt Ausgelutschtes. Das U.S. Militär hat mal wieder einen megageheimen Kampfjet mit modernster Stealth-Technologie der Marke „Predator“ entwickelt, die Royal Oaks – Regular Michael Cavanaugh („Militia“, „Ablaze“) in hinreißend mit Fachjargon um sich werfenden Sätzen auch später vorstellen soll.
Nun ist man aber so dämlich sich das gute Stück stehlen zu lassen und so wird Vince (Michael Dudikoff, „American Ninja“, „Avenging Force“), der gerade seinem Sohnemann Flugstunden gibt, flugs auf die Basis beordert und in eine SR-71 gesetzt, damit er den Prototypen um die halbe Welt jagt, bis er bei libyschen Terroristen landet. Ehrensache, dass Vince da auch landet und am Boden weiter munter mitmischt.
Was hier an Stock Footage verbraten wurde, ist unbeschreiblich, denn so ziemlich jede Szene hat Rick Jacobson nicht selbst gedreht, sondern später im Schneideraum nur mit seinen wenigen selbstgedrehten Zelluloidschnipseln zusammenkitten müssen.
Symptomatisch für die unglaubwürdigen Machwerke aus dem Hause sind währenddessen die irrwitzigsten Vermutungen auch stets die richtigen und glaubt auch jeder die unwahrscheinlichsten Theorien sofort. Damit sind unfreiwillige Lacher schon einmal garantiert.
Das Interieur, vor allem in der Mission Control - Zentrale (Bitte die dicke Aufschrift im Hintergrund beachten!), sieht mal wieder aus wie ein Relikt aus dem Kalten Krieg, der von Gary Hudson („Bridge of Dragons“, „Operation Delta Force 4: Deep Fault“) gegebene Sidekick, der dem coolen, aber hier auch schon leicht übergewichtigen und deswegen immer in einer massigen Bomberjacke durch das Bild schwankenden Dudikoff auf die Nüsse geht, nervt und Richard Norton („China O'Brien“, „Rage and Honor“) wird als Vaterlandsverräter gar völlig verheizt.
Sobald die Fliegerei um die Erde ihr zwischenzeitliches Ende in Libyen erlebt, wo ein ausgemachter Terrorist und Amerika-Hasser, den ich übrigens ganz putzig fand, mithilfe des Jets und zweier Bomben gleich ganz Amerika wegsprengen will, geht der Film auch gänzlich dem Bach runter.
Denn Vince landet ganz in der Nähe und rettet den Tag, in dem er sich auf offenem Feld ohne Deckung durch Horden von Gegnern prügelt und schießt, dass selbst Rambo in seinen besten Tagen vor Neid erblassen würde. Sogar unverwundbar scheint er zu sein, was man von seinem Co-Piloten nicht behaupten kann, der den blassen aber effektvollen Heldentod stirbt.
Sein Angriff gegen eine gefühlte Hundertschaft aggressiver Turbanträger, die ihm alle ans Leder wollen aber sich viel zu blöd anstellen, bildet dann den lächerlichen Höhepunkt der Schose, weil die lokalen Rebellen, deren Anführerin (Catherine Bell mal wieder) Vince zwischenzeitlich auch noch kennen lernt und mobilisiert, quasi erst zum Schluss eingreifen als alles schon vorbei ist und Dudikoff wieder in den Wolken schwebt um einen letzten Luftkampf mit seinem Mentor Richard Norton auszufechten.
Schon einmal vorsorglich angeordnete Flächenbombardements des amerikanischen Militärs, unfreiwillig komische Dialoge und der zugegeben ganz witzige Obstverkäufer, der selbst Kane Hodder in seinem Cameo eine Kante ans Bein labern kann, sind die weiteren positiven wie negativen Highlights bevor Jacobson seinen Film gen Endcredits scheucht.
Dabei kann „Black Thunder“ wohl oder übel als ein gutes Beispiel herangezogen werden, wie unterhaltsam solche Stock Footage – Paraden sein können. Denn Rick Jacobson bekommt das allemal besser hin als ein Jim Wynorski und bequemt sich sogar ein paar wenige eigene Actionszenen wie eine Verfolgungsjagd zu drehen.
Obwohl eigentlich klar ist, dass vor allem die Luftkämpfe, aber auch wirklich spektakuläre Szenen am Hangar (u.a. die in Slowmotion nach einer Explosion über die Sandsäcke fliegenden Stuntman) samt und sonders aus anderen Filmen oder Archiven stammen beziehungsweise Dokumentationsmaterial darstellen, hält „Black Thunder“ ungewöhnlich unproblematisch bei Laune, was nicht an Dudikoff liegt, dem die Verzweiflung in so einem Mist mitspielen zu müssen förmlich ins Gesicht geschrieben steht.
Genrefans werden es vielleicht amüsant finden, dass Andrew Stevens hier Stock Footage eingekauft hat, das er fast 10 Jahre später erneut in Filmen wie „The Detonator“ verbrät und vielleicht schon wissen, dass der kommende Seagal-Streifen „Enemy of the Unseen“ auf dem Drehbuch von „Black Thunder“ beruhen wird. Man kann sich unschwer ausmalen, wie das enden wird.
Fazit:
Der massive Einsatz von Stock Footage versaut natürlich auch hier das wirkliche Filmvergnügen. Rick Jacobson macht seinen Job im Schneideraum allerdings ganz ordentlich und darf auch noch etwas Geld für eigene Actionszenen zusammenkratzen. Wirklich aufwerten kann der Umstand „Black Thunder“ natürlich nicht, weil eigentlich fast jede halbwegs gelungene Aufnahme recycelt wurde und auch dieser Film an den bekannten Mankos (Dialoge, Story, Schauspieler, Logik, Spannung... überhaupt ein Drehbuch) einer jeden Royal Oaks – Produktion krankt. Demzufolge wieder nur etwas für die unverbesserlichen Anhänger dieser Klitsche. Achja, die bekannten Musikstücke (Müsste ungefähr ein Dutzend sein) des Wurst-Gespanns werden auch hier wieder völlig unmotiviert auf die Bilder geklatscht, auch wenn sie gerade nicht passen.