Der Münchner Produzent Theo Maria Werner (Parnass?Film) versuchte sich hier an einer Frischzellenkur seiner frühen Kommissar X– Serie. Testi anstatt Tony Kendall ist eine enorme Verbesserung. Als sein Partner agiert der Israeli Assi (als Assaf) Dayan. Und das ist im Vergleich zu Brad Harris keine Verschlechterung. Eine Verbesserung ist es allerdings auch nicht, es ist eigentlich gar nichts. Dayan war 1999 Jurymitglied bei den Berliner Filmfestspielen (ich erzähl jetzt einfach mal was). Unser Siegfried Rauch, der auch schon in zwei Kommissar X Filmen dabei war, darf den beiden hinterher jagen. Meist durfte er jedoch (in eine Wehrmachtsuniform gesteckt) Offiziere spielen und musste so posthum noch einmal Hitlers Ideen frönen. Wie z.B. in der Ami-Kriegsmaterial-Schlacht The Big Red One oder in dem wie ein Abenteuerfilm funktionierenden Flucht nach Athena von George P. Cosmatos. Wo man ihn einige Sekunden, wild Parolen zum besten gebend, erleben kann. Heutzutage hat Thomas Kretschmann Rauch beerbt und ist der einzige Nazi den wir (Deutsche) in Hollywood noch haben. Der Charakter, den Rauch hier zu spielen hat, ist kaum facettenreicher als der eines reinen Stichwortgebers. Sein „Partner in Crime“ ist der im April 2007 leider verstorbene Herbert Fux. Auf Seiten derer, die auch menschlicher Regungen fähig sein dürfen, haben wir neben Fabio Testi Janet Agren. Und das ist auch schon das einzig wirklich positive, was man über diesen Film sagen kann. Janet Agren sieht hier richtig klasse aus. Besonders in den Szenen, wo sie von Fux durch Amsterdam gejagt wird. Mich wundert allerdings, dass Fux nicht damals schon tot umgefallen ist, so wir er hinter Janet Agren herhechelt. Produziert haben neben Italien und Deutschland die bekannten israelischen Filmemacher und späteren Gründer der Cannon?Film (Missing in Action) Menahem Golan und Yoram Globus. Golan (Eis am Stiel) teilte sich hier angeblich mit Gianfranco Baldanello (Der Sohn des Zorro) die Regie. Das erklärt dann einiges, zumindest warum der Film aussieht wie er aussieht. Die Geschichte ist aus dem Handbuch für „wie lerne ich Drehbuchschreiben in zwei Tagen“ und hat mit einem Gangster-Streifen fast überhaupt nichts mehr gemein. Viel mehr geht es um international operierende Verbrechersyndikate im Stile der alten Agenten? Abenteuer der 60er. Aktuell wird die Geschichte, durch den Schmuggel eines hochgefährlichen und sehr aktiven Bestandteiles, welcher zum Bau von Atomwaffen vonnöten ist: Uran. Oder wie im Film so herrlich spektakulär unspektakulär „Yellowcake“. Der Baron (Rauch) und seine Gefolgschaft (Rolf Eden) sind es, die unlegale Geschäfte mit Staaten tätigen, denen die internationale Gemeinschaft die Produktion von Massenvernichtungswaffen verbietet. Testi spielt den schlitzohrigen und politisch unabhängigen Tausendsassa Enzo, der seinen Kopf für Geld in die Machenschaften der Geheimdienste steckt. Und wie sollte es anders sein, steckt er noch etwas ganz anderes rein. Janet Agren pflegt als Helga („…ich bin Schwedin“) eine Liaison mit Fabio Testi. Dabei zeigt sie diesmal wenigstens ein wenig ihrer textilfreien Physiognomie. Zum Ende hin wird das Ganze dann eher ein Werbefilm für den israelischen Geheimdienst und bekommt dadurch schon einen fast dokumentarischen Erzählstil. Nur gut, das man einige bekannte Gesichter in winzigen Nebenrollen wieder findet. Z.B. Romano Puppo und einen meiner absoluten Lieblinge, den grandiosen Gianni Rizzo (SABATA). Deshalb sind es auch die unbekannten Namen, die diesem Film einen leichten Unterhaltungswert verleihen. Sowie eine spannend und aufwendig in Szene gesetzte Motorbootverfolgung durch die Grachten Amsterdams. Solange der Film sich in Holland aufhält, ein unterm Strich passabler kleiner B-Film. Dann geht es auf hohe See und dort ist es nun mal eher am Schaukeln. Als Lehrfilm für deutsche Filmhochschüler aber immer noch Hilfreich. Sergio-Garrone