Wenn man als junger Regisseur seinen ersten Kinofilm dreht, dann kann und darf man noch einiges falsch machen. Wenn man dazu auch noch das Drehbuch liefert, auch. Doch wenn man so eine unterirdische Filmgurke wie „Video Kings" abliefert, so ist die häufig gebrauchte Floskel, dass sich der Inszenateur, deren es bei diesem Film zwei gibt (Daniel Acht und Ali Eckert), mit ihrem Projekt „verhoben" haben mehr als angebracht. Denn das Ergebnis liegt irgendwo zwischen „Ballermann 6" und „The Big Lebowski" in der Videothek, was wahrlich keine gute Mischung ist.
Die Story dreht sich um den ständig untergebutterten Flo (Fabian Busch), der in einer versifften Videothek arbeitet und - seit er zuhause wegen Schulden rausgeflogen ist - wohnt. Der Laden brummt nicht gerade und so denkt sein Chef Dieter (Dendrik Arnst) darüber nach, ihn und den dumpfbackigen Schwarzarbeiter Horst (Wotan Wilke Möhring, „Antikörper") zu entlassen. Doch als dann eines Tages die neue Nachbarin Ramona (Monica Nancy Wick) den Laden betritt, ist es um Flo geschehen und er hat trotz Schulden wieder ein Ziel: ihr Herz zu erobern...
Dass das Ganze natürlich mit Stolpersteinen wie einer temperamentvollen spanischen Freundin, die schwanger ist (aber nicht von Flo) und zahlreichen Wendungen wie vertauschte Videokassetten gespickt ist, ist doch klar. Doch leider sind die meist weder originell noch witzig und so kommen dem Zuschauer dieser monotonen Menschen-gammeln-in-der-Videothek-rum-Parade die 90 Filmminuten sehr lang vor. Ja, entfernt fühlt man sich an „Clerks" erinnert und einige Filmzitate sowie schrullige Diskussionen über den Film „Memento" lassen ein in Ansätzen pointiertes Drehbuch erkennen. Doch leider werden selbige Referenzen dermaßen dumpf vorgetragen, dass sich der Zuschauer wie ein Kind behandelt fühlt - was in etwa dem Gemüt von Bedienung Horst entspricht. Da kommen wir zum nächsten Schwachpunkt dieses zu 90% der Filmlaufzeit in einer Videothek spielenden Films: die klischeehaften Charaktere. Bela B. Felsenheimer von der Punk-Band „Die Ärzte" war sich nicht zu schade, immer wieder als klauender Punk durchs Bild zu laufen und „Goldene Zeiten"-Regisseur Peter Thorwarth geht nahezu auf in seiner Rolle als prolliger Videothekar-Konkurrent in Lederjacke. Da können auch ein Auftritt der Komiker-Combo „Badesalz" als Engel (!) und Til Schweiger, der als Frauen-Checker „Captain Red" Anmach-Tipps verteilt und somit sein eigenes Image als Frauenheld süffisant ironisiert nichts mehr retten. „Video Kings" bleibt als unlustige und langweilende Komödie ohne wirkliche Storyline ein Flop, mit dem man sich nicht die Zeit verschwenden sollte. Wahrscheinlich wurde deswegen versucht, mit nahezu aufdringlich eingesetztem Product Placement zumindest die Werbeindustrie zu befriedigen. Und mal am Rande: seit wann verleiht eine moderne Videothek noch Videos?
Fazit: Miese Verlierer-meets-Prollkomödie, die kaum treffende Pointen aufweist und angesichts ihrer trantütigen Inszenierung ohne eine sinnvolle Story nur langweilt. Wenn Quentin Tarantinos Leben als Videothekar ebenso von Gammeln und Dumm-Rumlabern geprägt war, fragt man sich, wie aus ihm der zur Zeit wohl bedeutendste Retro-Filmemacher werden konnte. „Video Kings" ist nicht königlich, sondern allenfalls auf dem Niveau einer C-Movie DVD-Premiere mit „Goldene Himbeere"-Ambitionen..