Staubig aber stark?
Als zweite Jack Ryan-Kinoverfilmung geht „Patriot Games“ hinter dem hervorragenden „Hunt For Red October“ immer etwas baden, ist jedoch immerhin noch klar besser als die meisten anderen Tom Clancy-Thriller, die da noch folgen sollten. Vor allem durch die routinierte Regie und einen damals noch unter voller Energie laufenden Harrison Ford. Hier gerät er als Jack Ryan in einen Rachekomplott von IRA-Terroristen, von denen er zufällig während eines vereitelten Attentats in London einen erschiesst und dessen Bruder Rache schwört…
Terroristen gegen unfreiwilligen Helden
Wenn man mit den oft unübersichtlichen und seelenlosen CGI-Actiongewittern von heute unzufrieden ist, dann gibt’s viel an „Patriot Games“ zu schätzen. Sehr handfest und bodenständig, sehr handgemacht und unaufgeregt alles. Mit sehr wenig Action über die vollen zwei Stunden, das muss man zugeben. Aber in Sachen Starpower, Figurenzeichnung und sogar in seiner grau-braunen Farbpalette (gerade auf der neuen 4K-Disc) auch irgendwie in seiner Optik schon stilsicherer Politthriller. Die Bösewichte können was, Ford hat noch Charisma und Kraft, erinnert hier durchaus phasenweise an eine bürokratischere Version von Indy. Wenn es dann mal kracht, dann spürt man das. Trotz seiner vielen Klischees verkommt die Chose nicht zur Karikatur. Das ist alles noch weit entfernt von Comics und Superhelden. Was heute fast wieder frisch wirkt. Aber es ist irgendwie auch sehr trocken und eintönig, das muss ich gestehen. Ganz gefesselt war ich nicht durchgehend. Aber ich schätze „Patriot Games“ als ausgestorbenen Dinosaurier aus dem Niemandsland zwischen 80er und 90er, dem selbst Blockbuster wie „Captain America: Winter Soldier“ durchaus nacheifern. Und dann wäre da noch Horners herausstechender, aber zu selten benutzter Score und ein dann doch bombastisches Finale, das fast schon gegen den sonstigen Strich dieses „Männer in grauen Anzügen, die wahrscheinlich Fahrenheit tragen“-Films geht. Ansonsten wäre es aber wohl eine selbst für damalige Verhältnisse zu ruhige und gleichförmige Affäre geworden. Die Highlights fehlen. Einzelne Momente bleiben kaum im Gedächtnis. Für mich zumindest. Bis auf das Finale eben mit den „bösen Männern mit den Nachtsichtgeräten“.
Fazit: grau, nicht mau, kein GAU, aber sicher auch keine wirkliche Schau - „Patriot Games“ ist professionelles, aber in kaum einem Aspekt wirklich tolles Politkrimikino. Nur Bean sticht als Bösewicht hervor. Und Horners sphärischer Score eventuell auch noch. Insgesamt wohl eher für die älteren Semester.