Review

<!--StartFragment -->Ein Porträt individueller und wechselnder Beziehungen und Charaktere weist bereits der Vorspann auf; in einer Zusammenfassung noch kommender action pieces, in der verschiedene, in ihrer Bedeutung aufeinander bezogene Szenen zugleich präsent gemacht und die Figuren automatisch mit vorgestellt werden. Was dort im Widerschein einer Summarischen Wiederholung in rascher Folge aufgezeigt wird, stellt sich im Film selber als der synchron ablaufende Bericht dar, ohne darin allzu viel Zeit, Mühe und Verstand zu erfordern. Von den vier extra mit Schriftzug und Standbild festgehaltenen Stamm- und Starschauspieler der credits treffen sich jeweils nur immer zwei miteinander in ein und demselben Bild und stellen sich die als eigentlich zuerst in den Vordergrund gesetzten und auch als Attraktion verkauften Lo Lieh und Bruce Leung und ihre gemeinsame finale Autoverfolgungsjagd nur als ergänzende Funktion mit Sonderbonus heraus.

Genauso, wie das personelle Zentrum mit dem im Vergleich dazu eher unbekannten und auch weit weniger charismatischen und so niemals allein über die schiere Präsenz punkten könnenden Larry Lee fixiert ist, genauso ist auch die Geschichte selber als eine Charade aufgebaut, in mehrfacher Hinsicht sogar und von der Produktion her unfreiwillig zudem im Marketing. Während sich die Handlung mit seinem doch recht regelmäßigen Durchgang von Aktion und Reaktion und der entsprechend schlichten Auffächerung der Perspektiven und ihrer eisernen Verhaltenskodices als grundsolider Actionkrimi verkleidet, in der verschiedene Personen entweder nur als Mysterium existieren oder [scheinbar] vielfältige Identitäten annehmen, so wird auch der Film zumindest im Ausland zu einer vorgespielten Situation. Vertrieben in den Vereinigten Staaten als Lee Lives Within, in Frankreich als Bruce Lee fait la java à Bornéo, liegt die Vortäuschung und entsprechende Annahme im Bereich der damals noch gefragten, zu Vielen beabsichtigen und noch mehr Unbeabsichtigten Bruceploitation; Gegenstände von einerlei Farben, deren Bezüge hier von Autor und Regisseur Gwan Jing-leung, einstmals geschätzter Choreograph bei der in den Sechzigern äußerst aktiven Sin Hok Gong Luen Company, weder materiell noch formell mit Beweisen oder direkten Indizien herausgefordert werden. Punch and block auf der anderen Seite des Globus:

Restaurantbesitzer Chin Chung [ Yiu Ping ] wird mitsamt seiner Tochter Wan [ Nora Miao ] von den Schergen Wang [ Chow Siu-loi ] und Chao [ Tong Tin-hei ] im Auftrag der auch als Schutzgelderpresser tätigen Konkurrenz um Hong Gwei [ Fung Ngai ] belästigt. Geld oder Zerstörung der Gastronomie lautet die Drohung, wie als Vorgeschmack wird nach dem ersten Weigern der Essenssaal in Schutt und Asche gelegt und auch nachdrücklich vor der Einmischung der Polizei gewarnt. Doch diese lauert bereits anonym im Hintergrund; nicht nur, der bisher insgeheim in Hongs Bande eingeschleuste und gerade enttarnte Lee Cheung [ Bruce Leung ] wartet auf die Chance zum Zuschlagen der Ordonanz, auch der sich als Helfer in der Not bei Chin Chung verdienend machende Yu Wing-yeung [ Larry Lee, der im selben Jahr noch eh an Ort und Stelle befindlich Bruce Li in New Guinea besuchen sollte ] ist als Undercover tätig. Die Ziele sind allerdings unweit größer, möchte man doch an den Mann im Abseits heran, einen mit Diamanten und Goldbarren dealenden Schmuggler Steven [ Lo Lieh ].

Titelgebender Schauplatz der sich steigernden Feindseligkeiten ist der Indonesische Archipel, was allerdings eher wenig und dann nur mit einigen Ausflugs- und Bummeltouren meist in Begleitung des Fräuleins Wan an der Seite aus Ausrede für touristische Sehenswürdigkeiten genutzt wird; sowieso wird auch hier die Dame theoretisch über ihr weibliches Subjektbegehren und/oder dem Beschützerinstinkt in das Spiel gebracht und darf die schon amtlich anerkannte Nora Miao außer ihrem schmucken Aussehen, der schieren Anwesenheit und einem knappen Nunchaku-Einsatz keinerlei weitere Bewandtnis einbringen. Die eigentlichen Großtaten, in denen archaische Sitten und Gebräuche vom Recht des [maskulin] Stärkeren fröhlich miteinander einhergehen, spielen sich entweder in stetig denselben beengten, scheinbar schlecht gelüfteten und auch vom Tageslicht abgeschiedenen Räumlichkeiten ab. So halten entsprechend dessen die beiden grundverschiedenen Restaurants als die erste Anlaufstelle für Faktenermittlung und der speziellen Schlussfolgerung in Form von Zank und Prügel her, wobei das permanente Auseinandernehmen all der kunstlos geschnitzten Holztische und Klappstühle vor der riesigen Dekoration einer blaßgelben Decke nicht gleich automatisch für Lichtblicke, überraschende Wendungen und größere Lebhaftigkeit sorgen.

Abgewechselt wird die Schlägerorgie im zuversichtlichsten Ton einer vom Machismo geprägten Gesellschaft mit der Dresche an allerlei genauso lieblichen Orten wie der gern genutzte Hinterhof oder auch der Schrottabladeplatz; dort, wo die Verwegenheit das sicherste Hilfsmittel ist und es nicht ganz so auffällt, wenn als Verunsicherungsfaktor das Rüschenhemd spannt, die Schlaghose reißt und die Inszenierung eher diffus anmutet. Die gesamte Aufführung ist auch wegen seiner landläufigen, relativ passiven und an den Belangen uninteressiert erscheinenden Ästhetik eher bequem und billig zu konsumieren als wahrhaft reizvoll; immerhin ist für die Verwendung der durchaus zahlreich gebotenen Kampfszenen die geeignete Belegschaft an Bord, wird sich zwar auch dort weniger formschön, aber dafür barsch und ohne zu sehr in das Pöbelhafte zu fallen bekriegt. Und sorgt man sich um [einsame] knüppeldicke standouts mit dem Willen zur Selbstbehauptung, speziell ein recht wüstes Handgemenge in verdrießlicher Laune vom sonst oft nur verbal agierenden und somit gleichfalls unterforderten, wenn auch trotzdem jederzeit gern gesehenen Bruce Leung.

Die Waffen sprechen im Hader um die Vorherrschaft und dem Diktat der Männerrituale wenig bis kaum; auch die offiziellen Razzien halten sich bis auf zwei Ausnahmen mitten im öffentlichen Publikumsverkehr zögerlich zurück, auch wenn das modern day setting und die Narrenfreiheit einer fremden Stadt mehr Spielraum als nur für das gewohnte, so aber auch instinktiv verständigende Gerangel mit Fäusten und Füßen geboten hätte.

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