Man kann es sich ja denken: wir nähern uns hier einem Ritterfilm aus dem Gefolge der Tafelrunde und Miles O'Keeffe spielt die Hauptrolle. Ich meine, O'Keeffe...das heißt, Ator, der glorreiche Trashbarbar. Oder der unnachahmliche Tarzan, der mit Bo Dereks Hupen in den Griffeln durch den Urwald flog.
Und der spielt jetzt...Sir Gawain! In einer arthurischen Legende namens "Sir Gawain and the Green Knight" (die, das sei mal vermeldet, tatsächlich existiert.
Und die traurige Story geht so: es gab mal einen Regisseur namens Stephen Weeks, der diese Legende (bzw. diesen historischen Gesang) so enorm knorke fand, daß er daraus unbedingt einen Film machen wollte. Also nutzte er die guten Kritiken seines Langfilmdebüts, einer Variante des Dr.Jekyll and Mr.Hyde-Mythos namens "I, Monster" und engagierte einige namhafte britische Darsteller wie Robert Hardy, Nigel Green und Murray Head für "Sir Gawain and the Green Knight". Das war dann 1973. Leider wurde der Film nur mäßig promotet und noch schlechter vertrieben und kam nicht zu Ruhm und Ehre.
Normalerweise würde ein Künstler sich dann zu neuen Pfründen aufmachen, aber Weeks gab nicht auf. Nach dem Fiasko mit United Artists verging knapp ein Jahrzehnt und dann verfilmte er den Stoff einfach nochmal. Allerdings für "Cannon Films" (und B-Film-Freunde wissen was das bedeutet...) unter dem Titel "Sword of the Valiant", was soviel heißt wie "Das Schwert des Tapferen". Das ist jetzt nicht eben der glücklichste Titel für diese Geschichte, aber man muß bedenken, daß der Film a) eben bei Cannon produziert wurde (was den Hauptdarsteller wohl erklärt), b) wieder nicht ordentlich im Vertrieb behandelt wurde, weil Cannon von MGM versnackt wurde und c) das auch nicht sinnvoller ist als der sensationelle deutsche Verleihtitel "Camelot - Der Fluch des goldenen Schwertes".
Für alle, die nicht im Nacht- oder Nachmittagsprogramm schon das große Vergnügen mit Weeks' Neuauflage hatten, sei angemerkt, daß Camelot hier nur in den ersten fünf Minuten die Kulisse bietet, wobei das nicht ausdrücklich erwähnt wird und im weiteren Plot kein Fluch und kein signifikantes Schwert vorkommen, schon gar kein goldenes. Aber nu ja...
Worum geht es also in diesem Gesang, der zum Film wurde?
Tafelrund sitzen die Ritter und der König (angeblich Artus, wird nicht namentlich erwähnt) an der Tafelrunde und müssen sich anhören, daß sie deutlich an Tapferkeit und Wundern aus der Übung gekommen sind. Draußen krachts und dann bricht eine engelslockige Discoqueen mit Glitzermake-Up auf einem wilden Rosse in den Thronsaal und bei näherer Betrachtung entpuppt sich diese als Sean Connery.
Connery mimt (ahem...) den sagenumwobenen grünen Ritter, der sich vom Tapfersten die Rübe mit einem Schlag seiner Axt absäbeln lassen will, aber im Falle des Nichtgelingens (oder Überlebens) seinen Herausforderer platt machen wird.
Auf solche Ein-Euro-Jobs melden sich natürlich nicht die feisten Ritter, sondern ein heransprengender Knappe namens Gawain, dessen Rauschgold-Frisur aus dem Tafelrunden-Technicolor-Bilderbogen uns fortan in jeder Szene (und damit meine ich jede folgende Szene) die Schühli und die Söckli auszieht. Derleih Haarschmuck trägt natürlich nur ein Ausnahmekünstler wie Miles O'Keeffe, der fortan der Gearschte ist, denn nach erfolgtem Kopfabschlagen, setzt sich der untote Ritter die Rübe wieder auf den Stumpf. Fair wie die Engländer aber nun mal sind, gibt er dem frisch gebrauten Rittersmann ein Jahr Zeit und ein vierzeiliges Rätsel auf, das dieser ergründen muß, bevor endgültig die Axt fällt.
Das mag zwar keiner glauben, aber so steht das tatsächlich noch im historischen Text.
Was fortan im Film passiert, differiert dann schon heftiger, aber das ist ja im Fantasy-Ritter-Drama nicht das Neueste und daher auch nicht wirklich schimpfenswert. Besonders schadhaft - vor allem für das Vernunftszentrum im menschlichen Gehirn - sind dann aber trotzdem die Episödchen, die Gawain und sein Knappe Humphrey im kommenden Jahr so beim Rumreisen unter die Hufe kommen.
Kurz gefaßt geraten sie in den Bann der allseits böse kichernden Morgana, die ihnen erst ein fettes Einhorn, dann ein Ruhezelt und reichlich Fraß vorzaubert und dann in das sagenhafte Lyonesse schickt. Dieses versunkene Zauberreich hinter der unvermeidlichen Nebelwand ist zwar gar nicht zu erreichen, Gawain schaffts aber trotzdem. In lustigen Episoden, die wenig Sinn und noch weniger Zusammenhang haben, die aber wie eine Mischung aus tschechischer Märchenfilm und surreale italienische Filmphilosophie ausschauen, kascht er sich die holde Prinzessin Linet, die ihm einen Tarnring gibt und dann mit ihm fliehen will (wozu man dann schlüssig auf den höchsten Turm rennt). Gawain jumpt durch die Zeiten zurück, begegnet einem kleinwüchsigen Berater, wird zurückgeschickt, durchlebt den Aschenputtel-und-der-Prinz-Feedback und rettet dann mit Verspätung doch die Holde. Die geht ihm kurz darauf in seiner Realität wieder verlustig, als der fiese Prinz Oswald (so ein vaterkomplexiger, verklemmter Pisser) sie in einer Holzholpause kascht.
Gawain marschiert also gen Schlosse, schleicht sich als Söldner ein, verpflichtet ein paar Rebellenkumpels und macht ordentlich Dönekens, derweil Oswalds Daddy Fortinbras (Hamlet, anyone!) nach Hause kommt und seinen Gast Sir Bertilak zur Sau macht. Das hat zwar wenig Sinn, auf jeden Fall geht noch so manches schief und irgendwann findet Gawain seine Linet bei Bertilak zu Hause wieder, ehe sich alles zum letzten Gefecht sammelt und die Moritat vom grünen Ritter endlich seinen Höhepunkt findet.
Genauer ins Detail will nicht gehen, denn dieser sensationelle Flickenteppich unzusammenhängender und mies aufeinander abgestimmter Szenen, Ideen, Bilder und Versatzstücke ist so ungewollt komisch, daß man gar nicht weiß, wo man zuerst hinlachen soll. Natürlich kann unser Held die vier Rätselzeilen noch lösen, aber das Finale ist nicht schlüssiger und aufschlußreicher als alles vorher, daher lasse ich es mal bei einer Überraschung für vielseitig interessierte Filmfans.
Grundgütig ist auf jeden Fall unser darstellerischer Pinocchio O'Keeffe, der tatsächlilch sogar in "Ator" (beide Teile) mimisch anspruchsvollere Leistungen erbrachte als als schmalzgewichster Rittersmann. So deppert wie er hier durch den Film stapft, bleibt kein Auge trocken und daß die einzelnen Szenen und Bilder amateurhaft und unlogisch zusammenmontiert sind, ist ihm als ungelernter Hilfsschauspieler keine Hilfe.
Ansonsten gibt sich die Creme de la Creme seltsamerweise hier ein kurzes und sinnfreies Stelldichein, so daß man immer was zum Gucken hat. Als Fortinbras brüllt sich etwa "Gimli" John Rhys-Davies durch einen idiotischen Kurzauftritt. Seinen Filmsohn Oswald spielt "Jäger des verlorenen Schatzes"-Kumpel Ronald Lacey, der bei Spielberg den irren Brillennazi mimte und hier nicht weniger unsympathisch rüberkommt. Als Berater der beiden läßt sich seine würdevolle Eminenz Peter Cushing in einer Sänfte mit Vorhang durch drei Szenen tragen und trägt dabei eine Mütze, die einfach nur zum Schießen ist. Altmeister Trevor Howard gibt in der Anfangssequenz den alternden König Artus und Lila Kedrova versucht in einem schwarzen Gewand monumentalem Zuschnitts dem Chargieren Herrin zu werden.
Den absoluten Vogel schießt natürlich Sir Sean Connery ab, der während der Dreharbeiten eigentlich ein letztes Mal den James Bond gab, weil er mal wieder Kohle brauchte und hier wie da am Set vorbei schaute. Über Sinn, Unsinn oder Aussage seiner Figur kann man sicher streiten, der Kopfschuß schlechthin ist jedoch sein Kostüm, eine Mischung aus grünem Glitzermake-up und Löckchenperücke - als blühend-dröhnendes Leben wirkt der schottische Mime wie Erna auf dem Tuntenball im Club 54.
Es ist nicht ganz klar, ob "Sword of the Valiant" nur versehentlich so bombastisch in die Hose ging oder durch die Wünsche der Produzenten (Golan/Globus) negativ beeinflußt wurde, ein brachialer Fehlschlag ist es aber geworden, den man wirklich nur mit viel starkem Kaffee als abstrakten Kunstfilm bezeichnen kann. Der Film soll bei der Uraufführung länger gewesen sein und man sieht dem Restfilm die vielen Schnitte auch deutlich an, so abhackt und unpassend wirkt die Montage. Dennoch wollen die relativ ordentliche Ausstattung und das Dargestellte nicht zusammenpassen. Ein wilder Mix aus Mythen, Legenden und Märchen wird hier aufgetürmt, immer wieder angerissen, unterbrochen und unlogisch fortgesetzt, aus dem der Held dann ein Lebenslektiönchen herausdestillieren muß, aber die Dialoge und Vorkommnisse wirken so unsortiert, brüskierend und zusammenhangslos, daß man sich lachend auf dem Sofa windet.
Angekifft oder auf der Faschingsparty mag die Schote abgehen wie Schmidts Katze, als fantasylastiger Historienschinken mit Helm und Schwert sitzt man dann doch eher entgeistert vor dem fertigen Ergebnis und rätselt, wie das hier durch die Entkontrolle in die Kinos entkommen konnte und noch dazu nicht zu zerstörerische Kritiken einfuhr.
Oder so: wenn man all die bekannten Gesichter löscht und sich ganz dolle vorstellt, hier einen tschechischen Märchenfilm mit doller DEFA-Synchro zu sehen, dann hat man vermutlich seinen nächsten Weihnachtslieblingsstreifen. Bombe!!! (1/10)