Eine Familie, die mit US-Präsident Bennett (Donald Moffat) befreundet war, wurde vom Cali-Kartell ermordet. Jack Ryan (Harrison Ford) soll die Ermittlungen übernehmen, gerade jetzt wird sein Freund und Vorgesetzter James Greer (James Earl Jones) aus dem Rennen geworfen, da er an Bauchspeichelkrebs leidet. Ryan hat nun selbst die ganze Verantwortung und hat keinen blassen Schimmer, dass sein Kollege Robert Ritter (Henry Czerny) schon längst mit dem Berater des Präsidenten James Cutter (Harris Yulin) eine geheime Spezialeinheit, unter Leitung des Söldners John Clark (Willem Dafoe), losgeschickt hat, um die kolumbianischen Kartelle zu zerstören. Als Ryan dahinter kommt, lässt man die Operation platzen, die Einheit lässt man einfach im Dschungel zurück. Doch Ryan kann das nicht auf sich sitzen lassen und verbündet sich mit Clark.
Storytechisch ist "Das Kartell" wesentlich innovativer und komplexer als der Vorgänger "Die Stunde der Patrioten". Man merkt hier immens, wie Romanautor Tom Clancy seine eigenen Kenntnisse über die Arbeit der Behörden und der Regierung zur Geltung bringt. Clancy war selbst bei der CIA und fördert hier viele schmutzige Machenschaften zu Tage. Eigentlich geht es doch nur um die Vernichtung des Cali-Kartells, doch wirklich Jeder kocht hier ein anderes Süppchen. Selbst der Präsident der Vereinigten Staaten ist hier auf Gewalt aus, nur der arme Jack Ryan versucht es erst auf dem legalen Weg, wird aber von seinem Kollegen Robert Ritter übelst hinter das Licht geführt. "Das Kartell" bleibt bis zum Ende unvorhersehbar. Ständig schlägt die Geschichte Haken und die fiesen Machenschaften der einzelnen Parteien, können ein beunruhigendes Gefühl in der Magengrube auslösen.
Nur ist das Drehbuch von Donald Stewart (Jagd auf Roter Oktober, Die Stunde der Patrioten), Steve Zaillian (Hannibal Schindlers Liste) und John Milius (Dirty Harry, Der Weiße Hai) etwas zu geschwätzig geworden. Es fehlt manchmal das Tempo, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Schließlich haben wir es hier auch mit vielen Charakteren zu tun. Natürlich steht Jack wieder im Mittelpunkt, dem das Schicksal von Greer an die Haut geht. Seine Familie hat diesmal wenig Screentime. Aber da jeder Charakter Jeden hintergeht, muss auch immer auf den Einzelnen eingegangen werden. Auch auf den Seiten der Kartelle, kocht der sogenannte Berater Felix Cortez sein eigenes Süppchen, um die Macht in Kolumbien zu übernehmen und um sich somit noch mit der amerikanischen Regierung zu einigen.
Da dürfen auch ein paar Handgreiflichkeiten nicht fehlen, Jack sieht sich wieder einigen Anschlägen ausgesetzt, wie der bleihaltige Angriff auf die Wagenkolonne, oder im Finale, als man die restlichen Soldaten retten will. Ein Finalfaustkampf darf da nicht fehlen, ebenso große Explosionen. Wie schon im Vorgänger bleibt die Action immer recht realitätsnah, artet nie zu sehr aus, wirkt aber trotzdem in jeder Hinsicht hochwertig.
Auch bei den Darstellern fährt man wieder große Geschütze auf. Harrison Ford glänzt erneut in der Rolle des ehrlichen Jack Ryan, der sich hier mit dem undurchsichtigen Joaquim de Almeida anlegt. Sehr charismatisch gibt sich hier Willem Dafoe als John Clark, dagagen herrlich fies Henry Czerny als hinterhältiger Robert Ritter. Anne Archer, Thora Birch, sowie James Earl Jones haben immer nur kleine Auftritte zwischendurch. Genau wie Benjamin Bratt und Raymond Cruz als Soldaten der geheimen Spezialeinheit. Der großartige Score geht wieder auf die Kappe von James Horner.
Packender und sehr realitätsnaher Politthriller mit einigen Actionintermezzos. Die Story gestaltet sich als sehr wendungsreich, aber ein wenig zu geschwätzig, was sich in der Lauflänge wiederspiegelt. Trotzdem Spannung bis zum Ende, toll besetzt und von Phillip Noyce grandios in Szene gesetzt.