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Präsident Bennett, der Schauspieler, genehmigt einen Einsatz einer kleinen Spezialeinheit gegen das Drogenkartell von Ernesto Escobedo in Kolumbien. Cutter von der NSA, der Undurchsichtige, spielt dabei sein eigenes Spiel. Zusammen mit Ritter, dem bösen stellvertretenden CIA-Direktor, der in der Sache ebenfalls seine dreckigen Finger drin hat. Jack Ryan, der unbestechliche stellvertretende CIA-Direktor, erkennt die Zusammenhänge, aber die Bösen sind besser und schneller: Sie heften Ryan die Verantwortung für all die Toten während des verdeckten Einsatzes an. Und Ryan? Der tut sich mit Clark dem Söldner zusammen, und kämpft als Bürohengst der er ist an vorderster Front gegen Felix Cortez, den Mörder und fiesen Schergen des Drogenbosses.

Ein Gespräch am Mittagstisch. Ich: “Ich hätte mal wieder Lust auf DAS KARTELL. Mit Harrison Ford.“ Die 16-jährige Tochter: “Wer ist Harrison Ford?“ Kein Wunder dass die Welt vor die Hunde geht! Harrison Ford war mal einer, der in seinen Filmen die gute und einfache Seite der Welt dargestellt hat. Der das Prinzip des Indiana Jones verkörpert hat, eine Mischung aus Robin Hood und James Bond, und dabei nie vergessen hat, dass Moral und Gerechtigkeit uns zu Menschen machen. Harrison Ford, das war mal die zelluloidgewordene Erinnerung daran, das man auch mit hohen ethischen Ansprüchen durchs Leben kommt, insofern man ein schiefes Grinsen hat und diese hohen Ansprüche im richtigen Moment auch mal vergessen kann …

DAS KARTELL ist genauso ein Film. Jack Ryan ist ein gottverdammter Pfadfinder, der sich über den Sumpf und die Korruption der Geheimdienstwelt erhebt, der das sinnlose Opfern von Menschen verachtet, und dabei die Liebe zu seinem Land als leuchtenden Pfad sieht. Ein Mensch wie es ihn heutzutage(?) kaum noch geben dürfte, und der in zig Filmen wie SYRIANA oder Der MANN, DER NIEMALS LEBTE konterkariert wurde. Umso schöner ist es zu sehen, dass diese Haltung auch heute noch funktioniert. Klar ist DAS KARTELL pathetisch, patriotisch und platt, aber er ist auch spannend, in sich logisch und verdammt mitreißend inszeniert. Komplex genug um anspruchsvoll zu sein, und gleichzeitig einfach genug um zu fesseln. Immerhin ist die klar erkennbare Gefahr aus dem Originaltitel in Wirklichkeit meist nur latent verborgen vorhanden. Dazu kommen ein paar Szenen die wahrlich unter die Haut gehen: Eine Parallelmontage, die zwischen der Beerdigung des früheren stellvertretenden CIA-Direktors und dem Dahinschlachten der US-Soldaten im Dschungel jongliert, erzeugt pure Gänsehaut spätestens dann, wenn die Kampfgeräusche und der Klang der sterbenden Männer zum Hintergrund der Beerdigung und dem hohlen Gefasel des Präsidenten wird. Sehr beeindruckend das! Und einer der Höhepunkte ist ein schlichtes Duell am Computer, wenn der eine Mann versucht Dateien auszudrucken, die der andere Mann, 2 Büros weiter, gerade versucht zu löschen. Was rein an Spannung dem Golfspiel in GOLDFINGER in Nichts nachsteht.

Zudem lassen sich für einen Film des Jahres 1994 ein paar erschreckend aktuelle Zeitbezüge finden: Die Fahrt des Konvois durch Falludscha, Verzeihung, Bogotá, genauso wie die Karikatur eines Präsidenten, die 1994 sicher mal lustig gedacht war, inzwischen aber von der Realität deutlich eingeholt wurde. Ein paar mehr Pfadfinder im Stil Jack Ryans wären heute sicher angebracht …

Fazit: Ein Märchen, sicher, aber ein aufregendes Märchen. Das man guten Gewissens alle paar Jahre aus dem Schrank ziehen kann, um sich an Zeiten zu erinnern, in denen ein schiefes Grinsen und hohe moralische Ansprüche genug waren um die Massen ins Kino zu ziehen …

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