Als eine der letzten PM-Produktionen geht „Y2K“ an den Start, muss aber wie diverse andere Spätfilme des Studios mit einem Budget kämpfen, das noch knapper als gewohnt ausfällt.
Während Hollywood 1999 mit dem neuen Millennium Knete machen wollte (z.B. „End of Days“), war dies für die B-Studios ein ebenso lohnendes Geschäft. So ist auch die Prämisse ebenso aktuell wie reißerisch: Am ersten Tag des neuen Jahrtausend stehen Computerfehler bevor, für die USA sogar ein sehr schwerer. Ein geheimer Bunker im kolumbianischen Bunker wird denken es wäre der Schwerstfall der Kubakrise eingetreten und einen Atomschlag gegen Moskau starten. An sich ganz nett die Idee, doch „Y2K“ macht wenig daraus.
Dafür braucht man natürlich das übliche Spezialistenteam und neben harten Männern sind das der alte Veteran Morgan (Louis Gossett Jr.), der sich mit dem Bunker auskennt, und der PC-Experte Vince (Jaimz Woolvett). Da hört man leicht „The Rock“ anklopfen und natürlich wird kein Klischee ausgelassen: Morgan will eigentlich seine Ruhe und hat nach Enttäuschungen die Schnauze vom Militär voll, während Vince der antiautoritäre Hacker ist, aber abseits vom Computer sich immer unbeholfen anstellt.
Also schippert die Meute in den Dschungel, doch gerät vor die Flinten ortsansässiger Drogenhändler, sodass nur wenige übrig bleiben. Doch die Gefahr ist noch nicht vorbei und die Sicherheitsvorkehrungen des Bunkers extrem…
Angesichts der Prämisse hätte dies ja ein spannender Stoff sein können, doch insgesamt ist die Chose reichlich lahm geraten. So zieht sich gerade die Einführung ewig hin und auch im Dschungel kommt erst langsam Fahrt auf. Da helfen auch ein paar unvorhergesehene Plottwists in der zweiten Hälfte nichts, da „Y2K“ erst viel zu spät Fahrt aufnimmt. Daher sind echte Spannungsmomente dünn gesät, allenfalls die Überwindung der äußeren Sicherheitsanlagen ist wirklich gut geraten.
Auch sonst strotzt „Y2K“ nicht gerade vor Liebe zum Detail: Die Motivation der meisten Figuren stammt scheinbar aus dem Grundschulbuch für Drehbuchautoren, das Auftauchen einer KGB-Agentin macht wenig Sinn und dient wohl nur dazu, um zu bekräftigen, dass der Kalte Krieg vorbei ist. Richard Pepins Regie ist OK, aber wenig inspiriert und zu allem Überfluss wird hier auch noch kräftig Stock Footage eingesetzt. Anflug und Abseilen im Dschungel stammt aus „Predator“, aus der gleichen Quelle nimmt man auch das Niederballern von Dschungelvegetation und verwendet einige Szenen sogar mehrmals. Die Autojagd vom Anfang ist auch Stock Footage und dürfte entweder aus „Basic Instinct“ oder „Presidio“ stammen.
Selbstgemachte Action hat „Y2K“ im Gegensatz zu anderen Stock Footage Debakeln zwar zu bieten, aber leider nur wenig. Das erste Feuergefecht im Dschungel begeistert wenig, in der Mitte geht es auch kaum rund, nur beim finalen Kampf um den Bunker zeigt „Y2K“ dann Qualitäten. Gesprengte LKWs, durch die Luft fliegende Soldaten, ein paar blutige Einschüsse und nette Messeraktionen sind zwar nicht herausragend, aber ordentlich gemacht und zeugen vom Potential, das „Y2K“ durchaus gehabt hätte.
Besetzungstechnisch ist „Y2K“ durchaus gehobene PM-Klasse, wobei vor allem Louis Gossett Jr. als alter Haudegen Punkte sammeln kann. Jaimz Woolvett und Sarah Chalke sind da eher Mittelklasse, Ed O’Ross hingegen recht gut. Nur Malcolm McDowell ist mit kaum Screentime mal wieder total verschenkt.
„Y2K“ hat Potential, lässt es aber größtenteils ungenutzt: Eine nur selten spannende Handlung, Klischees und Stock Footage nerven, da helfen auch die ganz netten Actionszenen auch nur etwas über die Runden.