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Momentan liegt die Kinolandschaft relativ brach. Es fehlen die Innovationen, gute Geschichten und neue Herangehensweisen. Da ist es fast schon komisch, das jetzt ein Film daherkommt, der genau das alles hat, doch eigentlich eine Art Remake ist. Remake jedoch nicht in dem Sinne einen einzigen Film neu zu gestalten, sondern viel mehr ein ganzes Genre wieder aufleben zu lassen und selbiges in Teilen sogar neu zu erfinden. Die Rede ist hier vom Film-Noir, den packenden und intelligenten Detektivgeschichten, die vorzugsweise in den 40er Jahren spielen und eine eigene Struktur aufweisen.

All das hat der Regisseur Rian Johnson in seinem Debutfilm "Brick" untergebracht, abgesehen von der Tatsache (und hier wird es interessant) das der Film eben nicht in den 40ern spielt sondern im Hier und Jetzt. Die nebligen Städte weichen einer Highschool in einem trostlosen Kaff irgendwo in den USA. Sind es in den Originalen meist gestandene Männer und Frauen die die Charaktere verköpern, sind es hier Highschool-Kids. Das ist dann aber auch schon alles. An der "fast schon theatralischen" Art zu sprechen, an den Kostümen, Symboliken und Charaktereigenschaften ändert sich nichts.

So wäre da der gefallene Held auf der Suche nach dem Mörder seiner Ex-Freundin. Er ist Aussenseiter. Ein Typ mit uncoolen Klamotten, Brillenträger und von unbedeutsamer Statur. Doch er ist kein Looser wie man ihn aus einschlägigen Teenie-Filmen kennt. Er wird nicht zum Aussenseiter gemacht. Er will einer sein. Der Detektiv dieser Geschichte, weiss was abgeht, kann kämpfen und ist hochintelligent. Um dem Komplott auf die Spur zukommen infiltriert er die Drogen-Organisation unter der Schirmherrschaft des "Pins". Der ist wiederum eine Art Al Capone und benimmt sich auch so. In dunklen Anzügen, stets mit einem Gehstock in der Hand und immer irgendwie im Schatten stehend, ist sofort klar welche Position er einnimmt. Dann wären da noch, der unberechenbare Schläger, die undurchsichtige Schönheit, die "Nutte" (wird hier von einer Tänzerin des Schultheaters verköpert) und natürlich der treue Gehilfe des Detektivs namens Brain. Dazu reihen sich dann noch eine Reihe diverser Kleinkrimineller und Drogenabhängiger. Polizei gibt es übrigens keine. Die Exekutive wird durch den Vize-Direktor verköpert.

Für den Moment wird diese Konstellation abschreckend wirken, wenn man diese Charaktere, die gerade aus den 40ern zu kommen scheinen vor der zeitgenössischen Kulisse agieren sieht. Doch schon nach kurzer Zeit gewöhnt man sich daran und ist verwundert wie gut dieser Mix doch eigentlich funktioniert. Zum Großteil liegt das sicherlich an der tollen Regie von Rian Johnson, dem es meisterhaft geglückt ist die Figuren und die Geschichte in die Neuzeit zu integrieren und sie vor allem nicht lächerlich wirken zu lassen. Denn der Film nimmt sich, mal von kleinen Gags abgesehen, todernst und das lässt er auch den Zuschauer spüren. Mit einem durch die Bank bedrückenden Score unterlegt er die driste Szenerie und schafft so eine geladene Atmosphäre die kurz vorm Zerplatzen steht. Von Hinweis zu Hinweis, von Komplott zu Komplott steigert sich sowohl die Bildsprache als auch die Musik immer mehr, bis zum unausweichlichen Höhepunkt.

Die Schauspieler machen ihre Sache durchweg gut. Joseph Gordon-Levitt der den einsamen Rächer verköpert gibt sein Bestes um seine Rolle glaubwürdig rüberzubringen. Da man ihm den einsamen Rächer allein vom Aussehen nicht zutraut, legt er viel Wert auf seine Mimik und Gestik. Stets die Hände in den Jackentaschen und finster dreinblickend, zeigt er sowohl seinen Wunsch nach Rache, aber auch seine Zerbrechlichkeit. Emily De Ravien als Damsell in Distress hat leider nicht viel Screentime, macht aber viel aus der wenigen Zeit. Der restliche Cast ist gut besetzt und durchweg glaubwürdig.

Mit seinem Erstling hat Rian Johnson ein Werk geschaffen, welches sich vor Genregrößen wie "Der Spur des Falken" nicht verstecken muss. Ob dieser Mix allerdings beim Publikum ankommt bleibt abzuwarten. Jeder der die Klassiker mag und gern eine komplizierte Detektivgeschichte sehen will, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.
9/10

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