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Brian De Palmas „Die Verdammten des Krieges“ ist ein beklemmender Vietnamfilm, der mal ganz anders an die Sache rangeht als die meisten anderen Filme dieser Art.
Dabei wirkt der Beginn noch gar nicht so unterschiedlich: Der junge Private First Class Eriksson (Michael J. Fox) und sein Trupp werden im Wald beschossen. Der noch unerfahrene Eriksson bleibt dann auch noch in einem Vietcongtunnel stecken, als die Erde nachgibt. Lediglich der Einsatz von Sergeant Tony Meserve (Sean Penn) rettet ihm das Leben inmitten des Feuergefechtes. Doch das Feuergefecht hat De Palma nicht für oberflächliche Action eingebaut, sondern es führt das Verhältnis von Eriksson und Meserve ein, das sich bald verschlechtern wird.
Meserve ist kaltschnäuzig, aber er hat seine Dienstzeit fast zu Ende. Genauso wie sein bester Kumpel Brownie (Erik King) belächelt er den jungen Eriksson, der sich ständig entschuldigt und möglichst freudig zu den Vietnamesen sein möchte. Doch dann gerät die Truppe in einen Hinterhalt und Brownie wird erschossen, was großen Unmut hervorruft. Sehr plastisch schildert De Palma, wie die Soldaten in mehr oder minder extreme Positionen verfallen, teilweise sogar Sprüche ablassen von wegen alle Vietnamesen auszurotten.

Nach der Rückkehr ins Basislager beauftragt man Meserve einen Spähtrupp zu leiten, zu dem Eriksson, Corporal Thomas E. Clark (Don Harvey) sowie die Privates Antonio Diaz (John Leguizamo) und Herbert Hatcher (John C. Reilly) gehören. Doch aus Vergeltung kidnappt Meserve während des Einsatzes ein vietnamesisches Mädchen und lediglich Eriksson stellt sich gegen ihn…
Im Gegensatz zu den meisten anderen Vietnamfilmen spielen Krieg und Kampfhandlungen in „Die Verdammten des Krieges“ nur eine untergeordnete Rolle und werden auch nur gezeigt, wenn dramaturgisch notwendig. Daher lässt sich der Film weder als Kriegs- noch als Antikriegsfilm einordnen, sondern er ist ein sehr erschütterndes Drama vor der Kulisse des Krieges und nimmt eine sehr kritische, anklagende Position gegenüber dem Verhalten der US-Armee in Vietnam ein.
Denn die Handlung basiert auf realen Ereignissen und zeigt schonungslos, wie einige Soldaten ihre Position ausnutzen und die Idealisten in der Minderheit sind. Denn neben der Mission und der Misshandlung der Gefangenen zeigt „Die Verdammten des Krieges“ auch die Angewohntheit vieler Vorgesetzter derartige Vorfälle unter den Teppich zu kehren mit Begründungen wie „Er ist ein guter Soldat. Wollen sie sein Leben kaputtmachen?“ oder „Wir können keine internationale Krise riskieren, wenn das an die Öffentlichkeit kommt“. Man kann die Ohnmacht von Eriksson in dieser Situation sehr gut nachvollziehen und fragt sich, wie hoch die Dunkelziffer bei derartigen Vorfällen wohl ist.

Das Ganze erzählt De Palma sehr ruhig und gemächlich, was jedoch die unbequeme Stimmung des Films nur verstärkt. Hierzu trägt auch die großartige Musik von Ennico Morricone bei, der das krasse Geschehen mit ruhigen, sehr schönen Klängen kontrastiert. Auch die Ausstattung und die Optik machen Eindruck, auch wenn der Film nicht auf Schauwerte setzt, trotz ein paar Kriegsszenen und der ein oder anderen Explosion. Stattdessen stehen hier die Soldaten im Vordergrund und der Versuch Erikssons Widerstand gegen seine Kameraden zu leisten, die ihn aber bloß als Feigling oder Nestbeschmutzer abstempeln und keine moralischen Skrupel kennen.
Michael J. Fox und Sean Penn liefern sich ein eindrucksvolles schauspielerisches Duell der kleinen Gesten und trumpfen dabei sehr gut auf, doch auch die Nebendarstellerriege ist erlesen. Neben den bekannten Darstellern, die den Rest des Spähtrupps verkörpern, spielen noch Ving Rhames und Dale Dye als Vorgesetzte mit und so ist es kein Wunder, dass das schauspielerische Niveau des kompletten Films ist der Güteklasse seiner Besetzung entspricht.

„Die Verdammten des Krieges“ ist kein einfacher Film, sondern ein sehr kritisches Drama, zwar langsam und ganz eigen erzählt, aber dennoch recht faszinierend.

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