Brian De Palma verfilmte mit "Die Verdammten des Krieges" eine wahre Begebenheit, die sich so im November 1966 im Vietnam-Krieg zugetragen hat. Das war nicht neu, denn derselbe Stuff wurde schon 1970 in dem deutschen Film "O.K." von Michael Verhoeven verfilmt. Aber widmen wir uns wieder "Casualties of War" zu, so der Original-Ttel.
Wir begleiten eine kleine Einheit um Lt. Reilly (Ving Rhames), die öfter auf Patrouille geschickt wird. In einem Dorf gerät das Trupp in einen Hinterhalt, bei denen Reilly tödlich verwundet wird. Fortan übernimmt Sgt. Meserve (Sean Penn) das Kommando. Beim nächsten Einsatz entschließt man sich, eine "Vietcong-Schlampe" zu angeln, für zumindest für die körperliche Befriedigung zu sorgen. Die einzigen beiden, die davon nicht begeistert sind, sind Private Erikkson (Michael J.Fox) und der neu dazu gestoßene Private Antonio Diaz (John Leguziamo). Doch in dem Weg durch die Hölle werden auch sie nicht die bevorstehenden Greueltaten verhindern können...
Brian De Palma´s Werk ist natürlich ein Anti-kriegs-Film, kann sich auch mit Meisterwerken wie "Apocalypse Now", "Platoon" messen lassen, jedoch geht der Film andere Wege. Wer einen Action-Film mit massig Schuss-Wechsel, viel getöteten, bösen "Schlitzaugen" oder Explosionen erwartet, ist bei diesem Film an der falschen Stelle. Das gesamte Grauen des Krieges wird auf einen kleinen Stoßtrupp reduziert, dass jedoch stellvertretend für das ganze Leid und alle Opfer dieses sinnlosen Krieges steht. Pathos wie in sonstigen Produktionen üblich heruntergeleiert wird (gegen den ich persönlich nix hab), kann man hier vergebens suchen. Die einzig wahre Identifigationsfigur ist die Rolle des Private Erikksen, dargestellt von Michael J. Fox. Mit dem Ableben des Leutnants (der einzig ältere, erfahrene Mann in dem Trupp) beginnt die Tortur. Leute um die zwanzig, die wahrscheinlich keine schlechten Menschen in einem normalen Leben darstellen würden, brechen unter den vorgegebenen Umständen, dem Grauen und den Verlusten der Freunde, zusammen und werden selbst zu Mördern. Und somit nimmt der Alptraum seinen Lauf. Angetrieben durch den Hass auf den Feind ist dieser Einheit nichts mehr heilig, und so wird die Vietnamesin Tran Ti Oanh (Thuy Thu Le) entführt, für den sexuellen Trieb zu befriedigen, um sie anschließend zu ermorden (was soll´s, sie würde eh wieder zwei, drei Söhne auf die Welt bringen, die mit Sicherheit G.I.s. erschießen oder in Hinterhälten aufwarten für sie zu meucheln).
Vom Anti-Kriegs-Film entwickelt sich "Die Verdammten des Krieges" immer mehr in ein Drama, in eine Frage der Moral und Ethik. Was ist richtig, was ist falsch? Was ist in einem Krieg erlaubt?
Die Tragödie wird noch unterstrichen, dass Michael J.Fox zu Filmbeginn von Sean Penn aus einem Erdloch gerettet wird. Auch der neudazugekommene Private Diaz, der immerhin ein Grashalm zu sein scheint, an den man sich klammern kann, für aus dieser Misere rauszukommen, beugt sich früher oder später dem Gruppenzwang und fällt über die Entführte her. Die beiden Hauptkontrahenten sind natürlich Fox und Penn, aber auch sonst jeder der anderen Darsteller meistert seine Rolle mit Bravour und setzt zusätzlichen Druck frei ( Dazu gesellen sich noch Tom Harvey als Cpl. Clark und Private Hatcher, gespielt von John C. Reilly).
Mit der Ermordung der Vietnamesin ist für Erikksen alles egal, sein Gewissen ist stärker als der Halt zu seinen Kameraden, und trotz Versuchen, dies an die Öffentlichkeit zu bringen, wird er mehrmals von Oberen zurechtgestutz (Wollen sie gute Soldaten in den Knast bringen?). Diese Tatsache erschüttert natürlich auch, obwohl dies schon beinahe belanglos zu sein scheint auf das Vorrangegangene - da kann man sich die Dunkelziffer solcher Vorfälle im Vietnam-Krieg oder allgemein in Kriegen ausmalen. Oder besser gesagt, man will es sich gar nicht vorstellen, so intensiv prägt das Gesehene den Zuschauer.
"Die Verdammten des Krieges" ist schon ein kleines Meisterwerk, auch wenn er nicht durch Action-Szenen oder viele sympathische Darsteller punkten kann, da keine Glorifizierung vorliegt, umso mehr punktet er in der Intensivität des Horrors, beklemmend und verstörend und ein einziger Hilfeschrei. Das der Film nicht für das Mainstraim-Publikum erdacht wurde, steht außer Frage. Der Film spielte in dem amerikanischen Kinos nichtmals die Produktionskosten von 22,5 Millionen Dollar ein.
Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte mal einen Blick auf diesen Film werfen.
9/10