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Der gerade erst nach Vietnam verfrachtete, junge Private Eriksson lernt den Krieg schnell von seiner dreckigsten Seite kennen, als er zusammen mit seiner Einheit in einen nächtlichen Hinterhalt des Vietcong gerät und ihm sein Vorgesetzter Sergeant Meserve unter Mörser-Beschuss nur knapp das Leben retten kann. Von dem Kriegs-Alltag gebeutelt, beschließt Meserve, ein wenig Dampf abzulassen und gemeinsam mit seinen Männer ein vietnamesisches Mädchen zur persönlichen Bespaßung aus einem Dorf zu entführen... sehr zu Erikssons Entsetzen, der sich aktiv weigert, an der Gruppen-Vergewaltigung teilzunehmen, jedoch auch nicht verhindern kann, dass die junge Frau im Anschluss an die Tat ganz einfach umgebracht wird. Als Eriksson kurz darauf versucht, die Vergewaltigung in einem Militär-Lager zu melden, bringt er sich unweigerlich selbst in Lebensgefahr... Dieselbe wahre Begebenheit, die 1969 von Daniel Lang in einem Artikel des New Yorker thematisiert wurde und die ein Jahr später als Grundlage von Michael Verhoevens Berlinale-Eklat "o.k." gedient hatte, konnte von den Amerikanern wohl erst knappe 20 Jahre später im Zuge solcher High-Profile-Vietnam-Streifen wie "Platoon" und "Full Metal Jacket" filmisch aufgearbeitet werden. Von den genannten Filmen ist "Die Verdammten des Krieges" dann auch eindeutig der schwächste, für den ein Stilist wie Brian De Palma auf dem Regie-Stuhl zudem auch die vollkommen falsche Wahl gewesen ist. Nach seinem Karriere-Höhepunkt "The Untouchables" scheint es so, als ob er mit Biegen und Brechen dessen Erfolg wiederholen wollte, jedoch wirkt sein Ausflug auf Kriegsfilm-Terrain aufgrund seiner wieder einmal angewandten, üblichen inszenatorischen Tricks und Kniffe (auf eine ungute Art) gänzlich irritierend. Im Verbund mit dem übertrieben Ennio Morricone-Score, der permanent falsche Akzente setzt, hat das zur Folge, dass so einige Szenen hier tatsächlich wie parodistische Momente aus "Tropic Thunder" wirken... und das kann ja wohl kaum so beabsichtigt gewesen sein! Abgesehen von Sean Penn als Kopf der Vergewaltiger-Bagage ist der Streifen zudem durch die Bank fehlbesetzt, auch wenn man doch ahnt, welche Absicht De Palma da mit einem Cast voller Babyfaces - angeführt von dem auf Comedies geeichten "Zurück in die Zukunft"-Star Michael J. Fox in einem raren dramatischen Part - verfolgt haben mag. In der Camp-Sequenz im letzten Drittel driftet De Palma dann aber doch wieder in gewohnte Thriller-Gefilde ab, betreibt ein bisschen herkömmliche Spannungsmache und inszeniert wie zu seinen besten Zeiten eine PoV-Sequenz, die hier im Nachgang an die Vergewaltigung (nicht auf einem Level mit "Last House on the Left" oder "Ich spuck auf dein Grab", aber doch recht direkt und ungeschönt geschildert) mal gänzlich fehl am Platz wirkt. So verpufft dann viel beabsichtigte Intensität aufgrund von kreativen Fehlentscheidungen am laufenden Band leider ohne jede Wirkung, denn als Zuschauer hadert man ob der heraufbeschworenen, barocken Theatralik (die De Palmas reinen Genrefilmen gut zu Gesicht steht, welche man hier allerdings als recht unpassend empfindet) mal echt damit, "Die Verdammten des Krieges" noch irgendwie ernst zu nehmen. Ach ja, die Buchstützen-artige Klammer um die Ereignisse in Vietnam, die da als eine einzige, große Rückblende gereicht werden, soll den intendierten Holzhammer da wohl für den durchschnittlichen US-Kinogänger ein wenig verzuckern und in der allerletzten Szene für eine verlogene Katharsis sorgen, von der wohl mal anzunehmen ist, dass es sie in der Realität nie gab. Fazit: Als ernsthaftes Vietnam-Drama ein Blindgänger, aber immerhin eine bizarre Stilblüte in De Palmas Œuvre.

5/10

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