Bruno Davert fährt einen Mann an. Nicht unabsichtlich, sonst wäre er wohl kaum noch einmal über ihn drübergerollt. Was es mit dem Mord auf sich hat, vertraut er seinem Diktaphon – und damit uns – gleich im Anschluss an: Das Opfer war einer seiner schärfsten Konkurrenten um eine Managementposition in der Papierbranche. Mehr als ein Jahr Arbeitslosigkeit haben den Familienvater nun zu solch extremen Mitteln getrieben. Insgesamt stehen sechs Männer auf seiner Abschussliste.
Ein roter Faden des Films ist der Zustand der Ökonomie – die Gewinnorientierung der Unternehmen auf Kosten ihrer langjährig loyalen Mitarbeiter. Jedes von Brunos „Opfern“ ist ein Spiegel seiner selbst, Männer im mittleren Alter, die ihre Lebensgrundlage verloren haben und sich als Bistrobedienung oder Anzugverkäufer durchschlagen, weit unter ihrem eigentlichen Potenzial.
Diese „Enmachtung“, der Erwartungsdruck auf Bruno als Familienversorger und seine gleichzeitige „Impotenz“ zieht sich metaphorisch durch den ganzen Film: überall begegnen ihm Plakate und LKW-Planen, auf denen stilisierte Models in Reizwäsche abgebildet sind, während er befürchtet, seine Frau an deren Teilzeitarbeitgeber, einen Zahnarzt, zu verlieren. Bei der Eheberatung tagträumt er, der Therapeut, ein kräftig gebauter Schwarzer, würde seine Frau besteigen.
Costa-Gavras, bekannt für seine Politthriller wie Z und MISSING, gelingen mit Brunos nervöser „killing spree“ hitchcockartige Spannungsszenen, in denen wir als Zuschauer perverserweise wünschen, das Attentat möge gelingen. Dabei geraten Bruno immer wieder Passanten in den Weg und in die Schusslinie, fast so als würde ihm das Universum signalisieren, dass das hier vielleicht nicht gerade seine beste Idee ist.
Und in der Tat: Der ebenso verzweifelte wie absurde Plan Brunos, einfach die härtesten Wettbewerber und den aktuellen Inhaber seiner Wunschposition auszuschalten, um dann als einzig logische Wahlmöglichkeit eingestellt zu werden, mag im Roman überzeugend vermittelt werden, die filmische Umsetzung tut sich damit schwer. Denn Bruno ist kein Psychopath, sondern ein besorgter Ehemann und Familienvater, dem es zwar um die Rettung seiner Existenz gehen mag, der Griff zu solch extremen Mitteln erscheint jedoch nicht wirklich glaubhaft.
So bleiben am Ende gemischte Gefühle, als kapitalismuskritischer Thriller funktioniert der Film sehr gut, als Psychogramm überzeugt er weniger.
6.5/10