Review
von Leimbacher-Mario
Nächster Halt: Trashkultanien
"Night Train To Terror" ist eine der bescheuertesten Horroranthologien, die je geboren wurde. Frankensteins Monster in Omnibusform. Trash und unfreiwillige Komik in Reinkultur, ein Fest des schlechten Geschmacks. Freunde schnappen, Bierkästen kalt stellen, Anlage aufdrehen, verzaubern lassen. Oder verwirren. Denn diese Anthologie hält von filmischen Gewohnheiten mal gar nichts und von den Grundgesetzen ebenso wenig. Ach was rede ich, selbst Naturgesetze werden hier außer Kraft gesetzt. Diese bunte Zugfahrt muss man sehen, um es zu glauben. Und selbst dann wird man sich wünschen, dass alles nur ein komischer Traum war... ich liebe das Ding! Natürlich ist er schwer zu bewerten, 2/10 wären genauso verständlich und belegbar, doch dafür hatte ich einfach zu viel Spaß. Ich traute meinen Augen kaum und zweifelte am Verstand. Das können die doch nicht ernst gemeint haben... Doch!
Normalerweise bewerte ich bei einer Sammlung von Kurzfilmen immer jeden Part einzeln, doch hier ist das einfach nicht möglich. Zu chaotisch, zu sprunghaft, zu lachhaft ist das Ganze. Zusammengeschustert aus drei (miesen) Langfilmen, verbunden durch die wahnsinnigen Zugsequenzen, garniert mit einer gehörigen Portion Eiersalat. Edelkitsch mit Schmackes. Es geht um Gott und Teufel, die im Zug nach Las Vegas über die spirituellen Schicksale einiger Menschen verhandeln. Und dabei sehen wir dann die drei je ca. 30-minütigen Filme und Fälle, die man kaum so nennen kann. Aus drei mach eins, aus Scheisse mach Scheisse aus Gold. Es geht um höllische Psychiatrien und pralle Dinger, um exzentrische Partyspiele und unbesiegbare Dämonen, um den ewigen Kampf Gut gegen Böse. Nur eben oft lückenhaft, zusammengerafft, durch den Fleischwolf gedreht und mit einer Extraportion weiblicher Sekundärgeschlechtsteile garniert. Man verliert schnell den Überblick und Sinn der chaotischen Chose, doch man schwimmt gerne durch diesen Strudel an Unzulänglichkeiten und Fehlleitungen. Das ist dreist, das ist blöd, das ist mies. Und das kann man nur mögen. Zumindest im richtigen Zustand. Vielleicht auf Drogen sogar noch mehr. Das sind liebevolle Elektroschocks in Filmform, die nie gemein rüberkommen und deren Quatsch mit Sauce runtergeht wie Rapsöl. Auf Dauer schädlich, für den Moment kostbar. Auch wenn man hier ausnahmsweise mal wirklich oft über den Murks statt mit ihm lacht. Oder beides zusammen. So oder so jagte ein Lachflash den nächsten. Dance with me, Dance with me!!!
Fazit: klassischer Fall von "so schlecht, es macht wieder richtig Spaß". Trashig, sprunghaft, wirr und dilettantisch. Ein Omnibus-Chaos voller Wahnsinn, Brüste und Spielzeug. Unabdingbares Must-See für alle Trashheads. Absolut grandios in seiner Schlechtigkeit. Terror vom Feinsten!