Review

Dies ist einer der Filme, von denen jeder schwärmt: überragende Schauspielleistungen, besonders von Forest Whitaker, tolle Jazzmusik (und es gibt wirklich en masse davon zu hören), die ergreifende wahre Geschichte über Charlie Parker, einen der größten Jazzmusiker aller Zeiten, dann das Lokalkolorit, die Clubs, die Szene und so weiter, und so weiter...
Und jetzt kommt mein persönliches Sakrileg: ich habe Schwierigkeiten mit Filmen dieser Art, überhaupt mit filmischen Biographien - sie kommen mir immer vor wie verfilmte Sachbücher, und Videos von ihnen müssten meines Erachtens in der Abteilung "Special interest" stehen. Ich gebe auch zu, dass ich den Film nur deshalb noch einmal gesehen habe, um diese Review zu schreiben, aber ohne mich zu langweilen bekomme ich das einfach nicht hin.
Es liegt auch am Erzählungsaufbau: in der Haupthandlung des Films werden Parkers letzte Lebenstage dargestellt; der Film beginnt mit seinem Selbstmordversuch und der Einlieferung ins Krankenhaus und endet mit seinem plötzlichen Tod im Haus einer Bekannten vor dem Fernseher. Dazwischen wird in einer Unmenge von Rückblenden sein Leben von Jugend an gezeigt, und das verwirrt in den zweieinhalb Stunden schon ziemlich. Nun sind Rückblenden in langen Geschichten ganz normal, und das an sich ist auch kein Problem, nur hier kommt erschwerend hinzu, dass die Schauplätze der verschiedenen Handlungen auch in verschiedenen Zeitabschnitten immer gleich aussehen - einzige Ausnahme ist die Tournee -Sequenz durch die Südstaaten. Und so bleibt für mich der beherrschende Eindruck eines nicht enden wollenden Getingels durch die Jazzclubs und der ebenfalls endlosen Ehestreitigkeiten in Parkers Wohnung. Aber wie gesagt: ich bin mir der Subjektivität meiner Meinung völlig bewusst und andererseits auch der Meinung, dass ein Jazzfilm dieses Ausmaßes sich ganz logisch in Eastwoods Filmschaffen einfügt: hätte er ihn nicht gedreht, gäbe es eine Lücke in seiner Filmwelt, da er auch als Musikfan bekannt ist. Und auch ich merke dem Film an, dass es ein Herzenswunsch Eastwoods gewesen sein muss, den musikalisch unsterblichen Charlie Parker auch filmisch zu verewigen.

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