Review

Liebe über den Tod hinaus ist spätestens seit „Return of the living dead 3“ ein immer wiederkehrendes Thema jüngerer Horrorstreifen. So lässt sich die Verbindung zwischen den Liebenden einerseits auf dramatische Weise schildern, indem Emotionen der Figuren im Vordergrund stehen oder man überspielt die Situation mit tiefschwarzem Humor.
„Zombie Honeymoon“ versucht, beides miteinander zu vereinen und das gelingt leider nur in Ansätzen. Von bissigem Humor nahezu keine Spur und als Drama verdammt einseitig.

Dabei beginnt es recht flockig, wenn man den frisch vermählten Denise und Danny während ihrer Flitterwochen zusieht. Beide sind ziemlich aufgedreht, flippen ein wenig im frisch bezogenen Ferienhaus herum, gehen zum nahe gelegenen Strand und für beide ist die Welt so richtig rosarot. Doch das ändert sich, als ein Untoter dem Meer entsteigt und ein wenig seiner Gülle auf Danny speit. Er gelangt in die Notaufnahme, sein Herz setzt aus, doch nach wenigen Minuten steht Danny auf, als wäre nichts gewesen. Dies scheint auch Denise anzunehmen, bis sie ihren Gatten eines Tages dabei ertappt, wie er an einem Toten in der Badewanne herumnagt. Fortan gerät Denise in einen derben Gewissenskonflikt…

…der sich nicht so recht auf den Zuschauer übertragen will. Im Kern konzentriert sich zwar alles auf das frisch vermählte Paar, doch überlange Dialogszenen und redundantes Drumherum lassen erst gar keinen Erzählfluss entstehen. Der Charakterzeichnung beider Figuren mangelt es an Tiefe, so dass das ewige Hin und Her zwischen Liebe und Abkehr zur Einfältigkeit verkommt. Schuld daran sind gewiss nicht die unbekannten Akteure, die darstellerisch mit soliden Leistungen überraschen. Jedoch gestaltet sich der Ablauf monoton, was gegen Ende in ständigen Wiederholungen mündet: Er knabbert irgendwo, sie flennt nebenan.

Was dem Streifen letztlich das Genick bricht und auch der Hauptgrund ist, warum er mir nicht zusagt, ist der Mangel an Humor. Der Film nimmt sich viel zu ernst und nur selten kommt so eine leichte Tendenz zum Schmunzeln auf. Das beschränkt sich jedoch ausschließlich auf die unkontrollierte Fleischeslust Dannys, etwa, wenn er überraschend über ein Opfer herfällt und seine Frau die Attacke per Fausthieb unterstützt. Solche Szenen sind allerdings selten und weichen einem komplett ernsthaftem Grundton.
Etwas peinlicher wird es, wenn man versucht, eine Szene aus „Braindead“ zu übernehmen und denkt, der Zuschauer würde es nicht merken. Denn hier wird zu einem völlig unpassenden Zeitpunkt ein Candlelightdinner zubereitet (immerhin ein kleiner Satireansatz), Dannys Haut zerfällt bereits ein wenig und prompt landet ein Stück in der Suppe. Wirklich eigenständige Ideen bietet dieser Indie-Streifen hingegen nicht.

Auch für eingefleischte Zombiefans der etwas härteren Gewaltdarstellung dürfte hier wenig auszumachen sein. Zwar wird einigen Opfern ab und an ein Stückchen Haut abgezogen und das sieht technisch okay umgesetzt aus, doch es mangelt an Drive und spannenden Auseinandersetzungen. Die Zahl der Opfer ist über lange Zeit gering, stattdessen füllen unnötige Szenen die Laufzeit, wie Denise einfach nur im Auto sitzend oder ein Abendessen mit einem befreundeten Ehepaar, bei dem außer Fleisch hinein schlingen und kleineren Zwistigkeiten kaum etwas herumkommt.

Obgleich der Stoff betont in die romantische Kerbe schlägt, lässt er mich emotional unberührt spätestens ab Hälfte der Laufzeit nicht mehr vollkommen konzentriert zuschauen.
Dafür fehlt der Pepp, es mangelt an pointierten Einzelszenen, lediglich das melancholische Ende, mit der, ansonsten auch nicht schlecht gewählten Musik, lässt für einen Moment etwas Atmosphäre aufkommen.

Mag sein, dass ich mit einer falschen Erwartungshaltung an dieses Regiedebüt herangegangen bin, - Mischung aus Horror, Komödie und Romanze. Da hat mir der kürzlich gesichtete und thematisch sehr ähnlich gelagerte „My Dead Girlfriend“ um Längen besser gefallen, da die Mixtur ausgewogener war und die Sache zügig auf den Punkt brachte.
Ein Beziehungsdrama mit spärlich eingesetzter Zombiethematik ist an der Stelle nicht das Richtige für mich.
3,5 von 10

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