Ich weiß nicht, ob sich die kanadischen Filmemacher mehr Resonanz auf ihre Krimi-Serie um den Meisterdetektiv erhofft hatten, jedenfalls reichte der Atem bei dieser Sherlock-Holmes-Reihe nur für magere vier Produktionen. Matt Frewer und Kenneth Welsh sind somit heute eher auch ein unbekanntes Gespann geblieben und ich weiß zumindest nach Sichtung eines Filmes aus der Mini-Serie, dass hier einiges nicht funktioniert. Oder anders gesagt, der Funke will einfach nicht überspringen.
Das fängt schon bei Matt Frewer als Sherlock Holmes an. Seine Mimik ist zwar durchaus gelungen, wenn er etwa mit bohrendem Blick und kantigem Kinn über ein Problem brütet, doch leider ist seine Umgangsart mit seinen Mitmenschen eine Spur zu hochnäsig ausgefallen. Zwar ist es der Holmeschen Figur durchaus eigen, mit einem kühlem Unterton etwas arrogant zu wirken, doch ist dies in anderen Verfilmungen eher wie eine Maske von Holmes gezeichnet, hinter der er bei seinen Ermittlungen immer etwas auf Distanz zu seinen Mitmenschen ging, in anderen Momenten aber wieder zum liebenswürdigen Plauderer wurde.
Letztere Rolle ist ja eigentlich von Grunde her dem guten Watson zuzuschreiben, doch komischerweise zerfließen hier die bekannten Gegensätze der Hauptpersonen teilweise so stark, dass auch der Doktor mit unerwarteten Geistesblitzen aufwartet. So ist eine Szene im Leichenschauhaus auch sehr seltsam geraten, wenn Watson lässig anhand von Blutspuren in einem Ohr sagen kann, wie die Leiche am Fundort gelegen haben muss. Da kann ich nur bewundernd ausrufen: „Elementar, Sherlock Holmes!"
Im allgemeinen Einheitsbrei geben dann auch die weiteren Figuren kein sonderlich gutes Bild ab. Sherlocks Bruder Mycroft in seiner hohen Position als Regierungsbeauftragter ist mindestens genauso schnöselig und überraschenderweise nicht die Überintelligenzbestie, wie eigentlich bekannt. Eine Probe seines Könnens gibt er leider nicht ab, und sei es nur als Hilfe für seinen Bruder, der in der Tat einen delikaten Fall zu lösen hat.
Dabei finde ich die Idee grundsätzlich gut, zwei Kurzgeschichten miteinander zu verweben, denn die meisten Kurzgeschichten von Doyle passen für sich allein gestellt selten in ein Spielfilmformat. Irene Adler, die Hauptperson aus der Kurzgeschichte „Ein Skandal in Bohemia" dient hier als Schnittstelle zu der Geschichte um die „Bruce-Partington-Pläne", die auf mysteriöse Art aus dem Regierungsviertel entwendet wurden.
Die hübsche Adler sticht dann auch wirklich noch aus der Schauspielerriege hervor, doch leider hat sie nur eine Nebenrolle auszufüllen, denn „ihr" Fall um eine kompromittierende Fotografie wird im Laufe des Filmes immer mehr in den Hintergrund gedrängt, was ein wenig schade ist. Immerhin kommt der Frau die Ehre zuteil, als einzige Frau dem Detektiv eine Niederlage beigebracht zu haben, was diesen nicht nur gewurmt hat, sondern auch für vorbehaltslose Hochachtung sorgte. Einer solchen Frau muss man einfach mehr Platz einräumen, tut mir leid.
Ansonsten ist von der Atmosphäre der viktorianischen Epoche ebenfalls nicht viel übrig geblieben. Das Straßenbild ist zwar, wie eigentlich auch zu erwarten war, ein präzises Abbild der damaligen Zeit, es preschen diverse Pferdedroschken vorbei, Händler und Zeitungsjungen beleben das Straßenbild, doch man atmet hier keine dreckige Londoner Luft, die britische Großmetropole ist kaum mal greifbar und alles ist eigenartig grellbunt statt eines anheimelnd trist-düsteren Looks. Es ist letztlich die ohne Wiedererkennungswert versprühte Beliebigkeit, die den Zuschauer schnell langweilt und ihn nicht teilhaben lässt am Geschehen. Mit Holmes und Watson nicht mitzufiebern und vor allem nicht mitzurätseln, ist irgendwie im Endergebnis unbefriedigend.