Dieser Film war in Südkorea ein grosses Wagnis und seine Veröffentlichung wurde schon lange vorher sehr spektakulär angekündigt. Man muss wissen, wie jung die Demokratie in Südkorea erst ist und welch einen Leidensweg dorthin das Land hinter sich hat. Die sich durch die jüngere Geschichte ziehende ständige Demütigung durch die in Asien sehr dominanten Japaner macht den Anfang ; die Teilung nach der Befreiung durch die Aliierten nach dem zweiten Weltkrieg in Nord und Süd gipfelt schliesslich im Koreakrieg und blutet das Land förmlich aus. Dann kommt es 1961 zum Militärputsch und General Park Chung-hee kommt an die Macht. Er regiert das Land sehr autoritär und mit weitgreifenden Rechten ganze 18 Jahre lang.
Durch ein Attentat des eigenen Geheimdienstes KCIA kommt er schliesslich am 26.Oktober 1979 ums Leben. Immer wenn ein Volk oder die entsprechenden Vertreter ihre Herrscher ( oder besser Diktatoren ) stürzen, steckt ein tiefgreifendes Problem dahinter. Es gibt viele Diktatoren auf dieser Welt, sowohl geliebt als auch gehasst, doch nicht alle werden erschossen. Was stimmte also nicht in der Beziehung der Südkoreaner zu General Park und wie versucht Regisseur Im Sang-soo diese Vergangenheit filmisch zu bewältigen?
Um es für mich auf einen schnellen Punkt zu bringen, er bewältigt die Vergangenheit durch Spott und Häme und nimmt die Person des Diktators ziemlich auseinander. Er beleuchtet ebenfalls nur die direkt beteiligten Personen und deutet das Leben des einfachen Volkes nur an. Das zeitliche Intervall des Films ist extrem kurz ; die Nacht des Attentats und die sehr kurze Zeit danach wird sehr ausführlich dargestellt, die Zeit der Diktatur selber und auch die Zeit nach dem Attentat wird dabei ausgespart. Ob eine solche Fokussierung auf eine bestimmte Aktion ausreicht, das Phänomen einer Militärdiktatur zu erklären, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Mehr Einblicke in das einfache Leben dieser Zeit bietet hier "The President´s Barber" aus dem Jahre 2004. Dennoch ist "The President´s last Bang" ein absolut edel gefilmter und ausgesprochen ansprechend gespielter Film, dem allerdings für mich die nötige Breite der gesamteinheitlichen und geschichtlichen Darstellung fehlt. Es ist vielleicht ein guter Film für Südkoreaner, aber ein zu einseitiger Film für den ausländischen Betrachter.
Südkorea im Jahre 1979 ; es herrscht der diktatorische General Park mit eiserner Hand. Unnachgiebig verteidigt er seine Macht gegen das aufbegehrende eigene Volk und schlägt im Oktober 1979 eine Studentenrevolte blutig nieder. General Park ist obwohl schon 18 Jahre im Amt, keinesfalls mehr unumstritten und es mehren sich auch in seinen eigenen Reihen die kritischen Stimmen. Zumal der General ein alter und einsamer Mann geworden ist, der immer öfter Zuflucht in den Armen junger Mädchen sucht. So wird auch am Abend des 26.Oktobers 1979 in einem vom KCIA abgeschirmten Haus, eine nächtliche Begegnung mit zwei jungen Damen vorbereitet.
General Park ( gespielt von Song Jae-hoo ) hat mal wieder zu einem feuchtfröhlichen Abend geladen. Der KCIA Agent Ju ( gespielt von Han Suk-kyu ) muss die beiden Mädchen ( gespielt von Kim Yoon-ah und Jo Eun-ji ) abholen und zum besagten Haus bringen. Dort angekommen trifft auch sein Chef der KCIA Direktor Kim ( gespielt von Baek Yun-shik ) ein. Die Abendrunde mit dem Präsidenten komplettieren sein Chef der Leibgarde Chief Cha ( gespielt von Jeong Won-jung ) und sein Chefsekretär Yang ( gespielt von Kwun Byung-gil ).
In dem von der Leibgarde des Präsidenten und den Agenten des KCIA bewachten Haus kommt es in dieser Nacht nun zum Attentat auf General Park Chung-hee. Der KCIA Direktor Kim wird den Präsidenten und den Chef der Leibgarde quasi hinrichten und mit Hilfe seiner Getreuen versuchen, der Demokratiebewegung im Land eine Chance zu geben.
Wie schon oben angedeutet ist der Film mir geschichtlich zu oberflächlich und auch zu einfach ; es ist ein probates Mittel einen Diktator als unfähig und weinerlich darzustellen, ihn zu demütigen und zu diffamieren und ihn betrunken und hilflos in den Armen einer jungen Frau den japanischen Klängen einer Sängerin lauschen zu lassen. Geschichtliche Aufbereitung sieht allerdings anders aus, doch gerade wir Deutschen wissen nur zu gut, dass es manchmal ungemein schwierig damit sein kann. Daher sollte man "The President´s last Bang" auch nicht als solchen Film überbewerten. Der Film trifft für mich die Stimmungslage einer untergehenden Diktatur sehr gut, die arrogant abgeschottete Selbstgefälligkeit einer Führungsriege im freudig entrückten Taumel ist zum schmunzeln gut geworden. Die Grossmachtträume eigentlich unfähiger Politiker beim lustig lockeren Besäufnis sind beängstigend und letztendlich auch der Auslöser für das Attentat. Hier punktet der Film durch spannende Atmosphäre und edele Bilder mit hervorragenden Schauspielern.
Das Machtvakuum nach dem Attentat und die willkürliche Zukunft seiner Beteiligten, sorgt ebenfalls für Zynismus und bissige Ironie. Zusammenfassend kann ich für mich sagen, dass der Film für mich für den Zeitpunkt einer Nacht funktioniert, doch für die Erklärung einer Ära keine Antworten findet. Die müssen und sollten ehrlicher sein und bedürfen mehr als nur der Verunglimpfung einer Person.
Wer also die Dokumentation eines Attentats erwartet, der wird einen gelungenen Film zu sehen bekommen, wer allerdings ehrliche geschichtliche Aufarbeitung erwartet, wird nach dem Betrachten enttäuscht sein. Vielleicht ist die Zeit für eine aufrichtigere Betrachtung dieser wirren Zeiten in Südkorea noch nicht reif. Es werden in Zukunft hoffentlich Filme über diese Zeit kommen, in denen die Generalität die Hosen anbehalten darf und dennoch in ihrer Falschheit und Fehlerhaftigkeit durchschaubar gezeigt wird.
Aufgrund der edlen Machart und schauspielerischen Leistungen werden das aber dennoch knappe 7 Punkte.