„Ich schlag‘ nie zurück!“ – „Warum denn nicht?“ – „Dann würd‘ ich noch mehr Prügel kriegen…“
Nach seinem Regiedebüt „Sands of Ecstasy“, das offenbar niemand kennt, brachte es der Texaner Larry N. Stouffer lediglich auf einen weiteren Film, diesen im Original „Horror High“ betitelten und in Deutschland als „Die Bestie“, „Die Teufelsbestie“ oder auch „Werwolf Massaker“ vermarkteten Horrorfilm aus dem Jahre 1974.
„Du siehst miserabel aus!“
Der schmächtige Vernon Potts (Pat Cardi, „Die Schlacht um den Planet der Affen“) ist ein verkanntes Biologie-Genie, das von seinen Mitschülern in unschöner Regelmäßigkeit gemobbt und drangsaliert wird; nur die schöne Robin (Rosie Holotik, „Don't Look in the Basement!“) ist nett zu ihm. Von seinen Lehrern hat er auch nicht viel zu erwarten, im Gegenteil: Seine überstrenge Lehrerin zerstört sogar wenig pädagogisch wertvoll seine versehentlich bei ihr abgegebene Biologie-Arbeit, wodurch viele Stunden Forschung für die Katz‘ sind. Vernon experimentiert nämlich seit geraumer Zeit an seinem Meerschweinchen Mr. Mumps, dem er diverse Chemikalien verabreicht. Dieses jedoch verwandelt sich jedoch plötzlich in eine aggressive Kreatur und prompt wird Vernon vom Hausmeister Mr. Griggs (Jeff Alexander, „The Black Cat“) für den Tod seiner Katze verantwortlich gemacht. Griggs schlägt Vernon und zwingt ihn, seine eigene Mixtur zu trinken – mit fatalen Folgen: Auch Vernon mutiert zeitweilig zu einem mordlüsternen Monster, das dem Hausmeister den Garaus macht. Als Griggs‘ in Säure aufgelöste Überreste gefunden werden, erregt dies die Aufmerksamkeit der Polizei in Person Lieutenant Bozemans (Austin Stoker, „Assault – Anschlag bei Nacht“). Und als Vernons Erniedrigungen kein Ende nehmen, trinkt er freiwillig vom Monstertrunk…
Stouffer beginnt „Horror High“ mit einer Schulfilmvorführung des Klassikers „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“, was zweifelsohne als Hommage zu verstehen ist, wirkt sein Film doch wie eine Mischung aus eben jenem und diversen Teenage-Horrorfilmen der 1950er und 1960er. Vor allem aber wirkt er unfreiwillig billig und trashig: Statt sich in einen Werwolf o.ä. zu verwandeln, wie manch deutsche Auswertung suggeriert, verändert sich Vernon optisch nur minimal: Er erscheint ungekämmt, bekommt einen dunkleren Teint und lächerliche X-Beine, mit denen er durch die Gänge des Schulgebäudes schlurft, aber dennoch seine (wenigen) Opfer einholt. Lächerlich ist auch ein gutes Stichwort, um das idiotischen Verhalten vieler Beteiligter zu beschreiben: Der dämliche Bulle ist vollkommen merkbefreit und nimmt lieber Sportproll Roger (Mike McHenry, „Summer School Teachers“) fest, Vernons garstige Lehrerin legt sich fast schon freiwillig auf den Opferaltar und weshalb die Trauer um seine Katze Mr. Griggs dazu treibt, Vernons Verwandlung geradezu heraufzubeschwören, werden wir wohl nie mehr erfahren – die ganze Schose ist reichlich mies zurechtkonstruiert.
Ähnlich unbeholfen wurde die obligatorische und hier realitätsfremd wie nie anmutende Romanze in das Story-Mosaik geklöppelt und so müssen sich Robin und Vernon ineinander verlieben, während er ihr Nachhilfe gibt – natürlich mit „tragischem“ Ausgang. Die deutschen Fassungen sind anscheinend alle unvollständig und zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so dass ich mich hinsichtlich etwaiger blutiger Spezialeffekte kaum äußern kann, von grafischer Explizitheit war in meiner Fassung (Starmovie/Edel-DVD) jedenfalls nichts zu sehen. Auch die musikalische Untermalung variiert wohl je nach Veröffentlichungsland, so dass ich nicht weiß, ob man schon im Original die kitschige ‘70er-Space-Rock-Nummer am Ende zu hören bekam. Mit Stoker verfügt die Klischees und Allgemeinplätze bedienen müssende Darstellerriege immerhin über einen bekannten und mit Hauptdarsteller Cardi immerhin semibekannten Namen und das bekloppte Overacting letzteren macht zumindest irgendwie Spaß. Ob der Semi-Amateur-Look allerdings schon von vornherein gegeben oder ebenfalls durch die deutsche Bearbeitung und die Diskont-DVDs verbrochen wurde, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis.
„Die Bestie“ wirkt nicht selten wie eine unfreiwillige Parodie auf das Genre, so dass es letztlich wenig verwundert, dass die tatsächliche Parodie „Return to Horror High“ 1987 an ihn im Titel anknüpfte. Trashologen der alten Schule dürften ihre Freude habe, Fans des 1970er-Jahre-Horrors lassen aber zumindest so lange von deutschen Fassungen die Finger, bis überhaupt eine vollständige existiert. Für das von mir gesehene Flickwerk kann ich nicht mehr als 3,5 von 10 Säuretonnen befüllen, behalte mir eine Neubewertung bei Vorlage der Komplettfassung aber vor.