Auf diesen Film mussten die Südkoreaner lange warten. Mehrfach angekündigt und immer wieder verschoben wurde er immer teurer und am Ende standen 8 Mill. US-Dollar an Budget. Für südkoreanische Verhältnisse eine Riesensumme und der kommerzielle Druck war enorm. Mit etwas mehr als 1 Mill. Zuschauern wurde das Budget bei weitem nicht eingespielt, ob die aufwendig gestaltete und entsprechend teure DVD-Ausgabe noch etwas retten konnte, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.
Für mich ist "Antarctic Journal" ein sehr schönes Beispiel für den Grössenwahn den das koreanische Kino gepackt hat, man nimmt sich dort immer öfter Hollywood zum Vorbild und klotzt einfach nur drauflos. Leider sind schlechte Drehbücher auch in Südkorea ein Garant zum Scheitern, "Antarctic Journal" ist ein optischer Leckerbissen aber leider vom Drehbuch her eine Missgeburt.
Es geht um eine südkoreanische Expedition in die südliche Arktis. Dort wollen insgesamt sechs Männer zu Fuss und nur mit Schlitten ausgerüstet den innersten Punkt der südlichen Arktis erreichen. Das Zeitfenster dazu ist begrenzt, die Sonne scheint in dieser Region nur 6 Monate lang, danach herrscht 6 Monate lang dunkle Nacht. Mit moderner Übertragungstechnik ausgerüstet geht es los.
Der Leiter der Expedition ist Cpt. Choi Do-hyung ( gespielt von Song Kang-ho ), er wird von fünf mehr oder weniger erfahrenen Männern begleitet. Der junge und recht unerfahrene Kim Min-jae ( gespielt von Yu Ji-tae ), der Funker Kim Sung-hoon ( gespielt von Yoon Jae-moon ), der Bergsteiger Lee Young-min ( gespielt von Park Hee-soon ), der Koch Yang Geun-chan ( gespielt von Kim Kyeong-ik ) und der Videofilmer Seo Jae-kyung ( gespielt von Choi Duek-mun ). Sie alle brechen auf um in einer lebensfeindlichen Umgebung zu bestehen und ihre eigenen Grenzen zu entdecken. Abgesichert durch ein Basislager mit Hubschrauber beginnt die Expedition.
Zuerst erscheint alles normal, doch schon bald geschehen merkwürdige Dinge. Dann entdecken die Männer an einer alten Markierung einer früheren Expedition ein gut erhaltenes Tagebuch. In diesem Buch sind noch einige Seiten gut zu lesen, daneben sind gut erhaltene Kohlezeichnungen enthalten. Ab diesem Zeitpunkt scheinen die Männer das gleiche Schicksal zu teilen wie die Expedition die das Tagebuch zurückgelassen hat. Der Videofilmer Jae-kyung wird trotz der eisigen Temperaturen und einer zu erwartenden Sterilität in dieser Region plötzlich krank und in einem Schneesturm verschwindet er danach spurlos. Aufgrund seiner körperlichen Schwäche ging er am Schluss der Expedition und war dann nicht mehr auffindbar. Neben Vorwürfen und Selbstzweifeln mischt sich nun der blanke Horror unter die restlichen Teilnehmer, auch in dem Buch waren es plötzlich nur noch fünf Expeditionsteilnehmer. Doch Cpt. Do-hyung ist unnachgiebig und treibt seine Leute unbarmherzig weiter. Er will nicht aufgeben und nimmt menschliche Opfer in Kauf. Der Kampf gegen die Kälte und gegen sich selber beginnt.
Nicht nur die Südkoreaner haben auf diesen Film gewartet, auch ich war endlich froh die feine und wie immer hochwertige DVD-Box in den Händen zu halten. Dann der Vorspann und es rumorte aus den Boxen nur so, eine grandiose Landschaft und ein bombastischer Soundtrack zu Beginn. Ich lehnte mich zurück und war gespannt, es ging genial los.
Der Film wurde im Hochland von Neuseeland gedreht, die Bilder sind atemberaubend und der Soundtrack von Kenji Kawai haute mich zu Beginn einfach nur um. Die Story lief in Richtung Mysterie und etwas Horror in einer absolut seltenen Umgebung. Das alles war fesselnd und wurde auch durch die guten Hauptdarsteller unterstützt. Song Kang-ho zählt eh zur ersten Riege der südkoreanischen Schauspieler und ist immer eine Bereicherung für einen Film. Yu Ji-tae spielt hier an seiner Seite, die beiden sorgten bis zum Schluss für formidables Spiel und rissen zusammen mit den Bildern den Film noch knapp über die fünf Punkte.
Warum nur eine solch zaghafte Bewertung?
Nach den ersten guten und eine bestimmte Erwartung schürenden 60 Minuten geht es nur noch bergab. Der Film gibt immer nur vor in eine Mysterie- oder Horrorrichtung zu laufen. Tatsächlich aber kommt es nie auch zu einer Bedrohung von aussen. Die Bedrohung ist vielmehr die eigene innere Angst bzw. der übersteigerte Ehrgeiz etwas leisten zu wollen. Dieser innere Kampf wird zum Thema der zweiten Stunde und der Film ertrinkt in seinen schönen Bildern, diese stehen nur noch für sich allein und die Story drumherum gibt sich praktisch auf. Am Schluss ist überhaupt keine Story mehr vorhanden und nach knapp 120 Minuten ist man froh dass es vorbei ist.
Ein Armutszeugnis für einen solch ambitionierten Film wie "Antarctic Journal". Ich war am Ende masslos enttäuscht und fast schon verärgert, da hörte einfach jemand auf halber Strecke auf einen Film zu drehen, verliess ihn der Mut oder gar das Geld, oder hatte er am Ende nicht die passenden Ideen? Ein besseres Drehbuch und eine mutige und eindeutige Richtung und "Antarctic Journal" wäre ein 9-Punkte-Kandidat geworden, so bleiben nur magere und fast schon unwürdige 6 Punkte übrig.
Wer allerdings auf kunstvolle Bilder mit passender Sounduntermalung steht der riskiere ruhig einen Blick, die Optik ist schon eindrucksvoll.