<!--StartFragment -->Der gelungene Auftakt, von schlimmer Vorbedeutung, mit einer sich mitleidlos entwickelnden Handlung aus unmittelbarer Gefahr, entsprechend allgegenwärtiger Unsicherheit und dem Repertoire standardisierter Slasherfaktoren kann leider nicht verhindern, dass der Rest danach wieder nur aus schonungslosem Abgesang der Thrillerkultur besteht. Wo zuerst in einer stürmischen Regennacht der in einem Ganzkörpermantel maskierte Killer mit weißen Handschuhen und dem gezückten Teppichmesser auf die Pirsch und Hatz nach umso leichter bekleideten Damen geht, das Blut verteilt und der Vorspann dröhnt, reduziert man sich in den Minuten danach nur auf ein halbwegs sinnloses Ganzes fern jeder Wiedersehensfreude. Die Ideen versiegen schneller als die Lebenskraft der bemitleidenswerten Opfer und machen einem Einerlei von Drama Platz, ohne dass darin eine eigentliche Erzählung erkannt werden kann.
Denn es geht nicht um The Rape, wie die Produktion unfeinerweise effektheischend betitelt ist, im wahrsten Sinne auch nicht einmal Cut Off the Throat, wie sich die wenigstens passendere Alternativvariante benennt, sondern um eine schlichte Aufbereitung etwaig menschlicher Seele. Ihre Abgründe im täglichen Leben, der Ruin verblühter Liebe, die Zerstörung gescheiterter Träume, die Vergänglichkeit von dem, was vorgeht. Ermittlungen werden angestellt, die Abgesandten zweier Länder nehmen die Fahndung nach dem viel beschäftigten, aber umso unsichtbaren Mörder auf, während sich der Zuschauer an dem Verwirrspiel mit mehr Wissen, aber steigendem Missmut bis hin zum lachhaften Verdruss in der Privatsphäre miteinander verschworener Individuen beteiligen darf:
Erneut wurde eine junge Frau vom Unhold im Latex-Trenchcoat attackiert, diesmal bei helllichten Tage mitten im Park, die bisher einzige Überlebende und Zeugin der in die Höhe geschossenen Verbrechen. Der in HK bei der Tsim Sha Tsui Divisional Police Station angestellte Tung Wei [ Chan Kwok-bong ] wird von seinem Vorgesetzten Ray [ Simon Loui ] aufgrund der ausschlaggebenden Ähnlichkeiten zu den ebenfalls absonderlichen Delikten nach Taiwan geschickt, wo er in Abwesenheit seiner in ihn verliebten Kollegin Yaly [ Strawberry Yeung ] dem dort ansässigen Captain Yu Fong [ Auguste Kwan ] unterstellt wird. Das eher unfreiwillig zusammengeschweißte Team stößt zwar alsbald auf mehrere Verdächtige, aber tappt weiterhin im Dunkeln.
Wenig Ahnung von den für eine Dramaturgie notwendigen Vorgängen beweist auch der bisher nur als Kleindarsteller für die Stunts in allerlei obskuren 70er Jahre Kung Fu Streifen "aufgefallene" Cheung Chung-kwai, der das Drehbuch vom unwesentlich prominenteren, aber sich vorher auch niemals mit der Materie beschäftigenden Law Kei die meiste Zeit nur warm, fade und repetierend umsetzt. Die vier bekannteren und so auch zuordbaren Schauspieler aus der kantonesischen Bastion werden zudem nur als Attraktion eingesetzt und haben im eigentliche Sinne mit der Handlung selber zum Teil überhaupt nichts zu tun, was ihre eh schon wenigen Szenen so noch rudimentärer gestaltet, als sie vom Wert der Aussagen her eh schon gehalten sind. Gnadenlos um seine Präsenz beschnitten wird der als Hauptakteur gesetzte Chan Kwok-bong, der die Jahre zuvor spätestens mit Otto Chans Category III hat trick Diary of a Serial Killer, Gates of Hell, Devil's Woman in die Aufmerksamkeit geneigter Klientel gezerrt wurde, hier aber völlig unter die Räder des haarsträubenden Kastenaufbaus gelangt. Konzentriert wird sich statt der Wicked night of ominous wolf [ Lit: ] vielmehr auf einen wohl als intendierte Kriminalepisode in das Geschehen gebrachten Vorgang um eine taiwanesische Häuserparzelle, ein besseres Brachland mit einem Steinverhau drauf, dessen Bewohner allesamt irgendwie als mögliche Tatverdächtige in Frage kommen könnten.
So hat Einer der dort Einquartierten in der Provinz ohne Gesetz nicht nur Schulden bei einem Kredithai, die ihn zunehmend zu erdrücken drohen, sondern leidet auch an Impotenz, was seine junge Frau zu einem immer länger werdenden Gesicht und zunehmend gehässigen Kommentaren anstachelt. Der Nachbar spricht dafür in Unmengen dem Alkohol zu, bei dessen Genuss er die Scheidungsvorschläge seiner Noch-Angetrauten vergessen und sich auch sonst jeglicher Bedenken auch hinsichtlich von Moral und Triebhemmung entledigen und so doch mal zum Mann werden kann; vorzugsweise bei sexuellen Angriffen auf die sonst wenig Angetane an seiner Seite oder Belästigungen weiblicher Passanten. Außerdem streunt noch ein Tagelöhner durch die Gegend, der sich bevorzugt an erotisch offensiven Filmplakaten und anderem Marketing in "seiner" Straße austobt und diese mit einem stetig bereitgehaltenen Teppichmesser in alle Einzelteile zerfetzt.
Clou an der Sache sind allerdings nicht diese doch allzu offensichtlichen Allüren aller Anwesenden, ihr fehlendes Benimm, die Anwesenheit von eventuell Motiv, Möglichkeit und Werkzeug, sondern das überaus starre und so schon sinnenbetäubende Korsett von allgemeiner Absurdität in Schwerstarbeit bis hin zur Parodie im vollem Affekt. Denn nicht bloß, dass nahezu Jeder in der Stadt bzw. dem Vorort davon mit dem Verkaufsschlager Teppichmesser allezeit bereit herumläuft, man entblödet sich auch nicht, dieses bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten zur Einschüchterung in die Kamera zu halten. Viele Hinweise, noch mehr falsche Fährten, gleichgültig gedreht in aschgrau eintönigen Farben bebildert.