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Immerhin mit dem Willen zur Destruktion und der so später reichhaltigen Verwendung von Projektilen und Sprengkörpern durchtränkte C-Action, die ansonsten in durchaus allen Belangen eigentlich durchgängig am Versagen bzw. die Pflicht nur mit dem Allernötigsten am Bewältigen ist, aber so wenigstens keine heuchlerischen Phrasen vor sich herträgt. Eine gewisse Obskurität des low budget, low profile Produktes ist neben der medialen Verschleierung und der fortgeschrittenen Schäbigkeit der Bühne auch durch einen Hauch von supernaturalistischen Einschlag gegeben, der dem ansonsten inhaltlich weitgehend drögen und rein repetierend gehaltenen Machtkampf / Rache - Einerlei die gewisse zusätzliche zoologische Note gibt. Inszenatorisch mitgerissen in Not und Elend, gewissermaßen sich solidarisierend mit den anderen, zu dem Zeitraum noch unzähligen kleinen Bloodshed - Filme, die damals als Gebärde zeitgenössischer Kunst glücklicherweise keinen Mangel an Aufführungsmöglichkeiten hatten. Ein wegwerfendes Abbild der Dinge; der packing heat, guns ablaze Showdown adäquat als Kriegsschauplatz einer bis auf die Grundmauern ausgehöhlten Fabrikhalle:

Da er einem bittenden Freund einen wörtlich letzten Gefallen getan und ein Geschäft mit dem Gauner Kuan-shun [ Shum Wai ] verschafft hat, plagt den auch nicht ganz koscheren Ah Chun [ Tong Chun-chung ] nun das Gewissen. Im Auftrag von Kuan-shun hat dessen rechte Hand Pai Yun-fai [ Chi Kuan-chun ] den Handel mit gestohlenen Juwelen platzen und die ahnungslos in die Falle stolpernden Businesspartner erledigen lassen, was Ah Chun nun mit einem Anschlag auf die Wortbrüchigen rächen will. Dabei erwischt er allerdings nur den Auftrageber selber und das ausführende Werkzeug nicht, sieht sich nun dessen plötzlicher Machtgewinnung, der ermittelnden Polizei und zunehmend unsicher werdenden Bekannten gegenüber, die sich lieber auf die Seite des brutalen Pai und seiner "Wind Gang" flüchten, der nun sogar den gefürchteten japanischen Killer Mr. Yamada [ David Lam Wai ] einfliegen und anheuern lässt. Um seine Freundin Chiu-ron [ Wong Wing-fong ] und die mit der verstorbenen Ehefrau gezeugte kleine Tochter Wa-wa vor diesem Zugriff zu retten, wendet sich Ah Chun hilfesuchend an den als Vermittler auftreten wollenden Brother Chen [ Dick Wei ]. Und dann gibt es noch Ah Chuns untote, per Amulett als Geist in der Not wiederauferstandene Exfrau.

Selbstentäußerung in der Darstellung, Verfall vor und Unfähigkeit hinter der Kamera. Poison Wolf [ = Wörtliche Übersetzung des Originaltitels ] findet sein Kollektivbewusstsein vor allem in der Schäbigkeit der bestehenden Ordnung, wobei diese Sichtweise des allumfassenden Leidens gerade in dem Genre sowieso weit verbreitet bis als Rüstzzeug für die Umkleidung nötig und so nahezu schon an der Tagesordnung war. Die Epen vom Aufstieg und Fall sind ebenso gelaufen wie die besondere Mischung aus fast philosophischer Bestrebungen in Verbindung mit dichterischen Elemente, die in der zweiten Hälfte der Achtziger mit A Better Tomorrow ihr tief mystisches Wesen und die folgerichtigen Nachahmungen fanden. Unentrinnbar trauernd ist hier allerdings nicht die längst verlorene Unschuld der Gattung und sicher auch nicht die unbeirrbare simple Wiederholung gleichfalls zur Genüge erzählter Geschichten, sondern eher die dramatische Hässlichkeitsgestaltung, die in den farblich nicht zusammenpassenden, jeweils mehrere Nummern zu großen Anzügen von der second hand Stange ihren Anfang und in den frei verfügbaren Locations ihr Ende des optischen Ansturms nehmen. Die abendfüllende Inquisition.

Wie häufig tobt man sich indoor an höchstens zwei bis drei Stuben aus, die durchgängig kein Leben, sondern mit ihren toten Mobiliar und den zugehangenen Vorhängen nur stumpf vor sich hin brütende Krankheit ausstrahlen. Wandert man hinaus unter den freien Himmel, dann immer fern der Zivilisation und der Öffentlichkeit überhaupt, duelliert man sich abseits der Gesellschaft an illustren Orten wie dem typischen Schrottplatz, dem nicht ganz so oft gesehenen Abenteuerspielplatz oder gleich dem nur aus Dach und tragenden Wänden bestehenden Gebäuderuine im Wald, was wenigstens dem Flair voll nachhaltig preisgünstiger Realität und gebrochenen Exils gut tut. Das harte proletarische Los von dramaturgischer Spannungsarmut, in dem nichts wirklich Aufregendes im Tagesablauf, und wenn dann mit voraussagbarer Sicherheit nur die schlimmen Dinge passieren, schiebt der Handlung trotz ewig dieselben Motive und Symptome immerhin die bindende Macht der grundsätzlich verzweifelten Lage fern jeder Glorifizierung bei. Das Gerede von der Schicksalsstunde, die man überstehen muss, dem Festhalten an alten Seilschaften selbst bei dem Bewusstsein möglicher Überläufer und das Hinauswagen in den Kampf zahlenmäßig weit überlegener Widerstreiter aufgrund von Loyalität und Ritterlichkeit kommt in diesem verspotteten Minderwertigkeitsgefühl von Film gerade auch wegen seinem Ästhetikanarchismus vergleichsweise wahrhaft, da eben nicht schmeichelnd, mit geschliffenen Dialogen und Manieren versehen herüber.

Das gilt auch für die Scheinspektakel der umstürzlerischen Actionszenen, die in gleicher eigentlich zu missbilligender Rauheit und Dank unausgereiften Drehbuches auch im verdorbenen Dutzend eingefangen werden. Die Rache jedenfalls steht schon nach wenigen Minuten im Raum an und muss dann bis zur Überwindung des Oberbösewichtes nur noch mit dem Abwehren und Vernichten der Schergenschar vollzogen werden, so dass der Mobilisierungsbefehl an die Akteure bald ohne große Pausen angetragen wird. Dabei kann zwar kaum Jemand wirklich kämpfen, werden die Figuren und ihre eifrig heran beorderte Entourage in ihrer emotionalen Gleichversklavung und der auf barsch gebürsteten Choreographie [ von Che Man-yik ] aber als derart ungestüme Charaktere beschrieben, dass ihr Engagement selber tatsächlich schon die halbe Wirkung ergibt. Auch steigert man sich in der Natur der Sache, wirft gen Ende die großen Schlachten um Leben und Tod und so auch den erhöhten bodycount für zwei ausgiebige Shooutouts, final auch mit Granatwerfern, Brandbomben und funkensprühenden Maschinengewehren an.

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