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Wenn man gute Action Abenteuer im Kino sehen will, sieht es ja seit geraumer Zeit überaus schlecht aus. Indiana Jones liegt immer noch irgendwo im Schreibtisch von Georg Lucas herum, Nicolas Cage konnte zwar das "National Treasure" finden aber überzeugend war das auch nicht und auch ansonsten ist weit und breit kein neuer Held in sicht.
No more Heoes anymore? Von wegen, da gibt es ja noch die Romanreihe (mit mittlerweile über einem Dutzend bänden) von Clive Cussler, rund um den Meeresbiologen und Ex Navy Dirk Pitt. Die Bücher bieten alles was perfektes Popcorn Abenteuer Kino ausmachen soll.
Einen Helden, der auch im großartigsten Abenteuer noch Zeit findet sich prächtig zu amüsieren, einen getreuen Gefolgsmann und jede Menge großartige und wahrlich große Abenteuer.
Erstaunlich also, dass man bisher keines der Bücher (vom bescheidenen Versuch mit "Hebt die Titanic" mal abgesehen) auf die Leinwand gebracht hat, denn das hier das Potential zu einer erfolgreichen und spaßigen Filmreihe vorhanden ist, wird jeder der die Bücher kennt bestätigen können.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen als die ersten Gerüchte für einen Film in Umlauf kamen und entsprechend groß war, zumindest bei mir die Enttäuschung als ich den ersten trailer gesehen hab. Das sah nach Nonstop Action aus und viel von der Geschichte des Buchs war auch nicht zu erkennen. Doch wie so oft der erste Eindruck kann trügen.

"Sahara" entpuppt sich als wahres Fest für jeden Fan von anspruchsloser, aber nicht stumpfsinniger Popcorn Abenteuer-Action. Mit Matthew McConaughey wurde, der auch als Produzent fungiert und seit Langem den Wunsch hegte die Romane auf ie Leinwand zu bringen, wurde die Idealbesetzung für Dirk Pitt gefunden. Immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen, vom Glück verfolgt, hilfsbereit und einem guten Tequilla nicht abgeneigt macht er sich hier mit seinem Partner Al Giordino ( ein wunderbar witziger Steve Zahn) auf den Weg nach Mali, um zum einen ein altes Panzerschiff aus den amerikanischen Konföderationskriegen (!!) zu suchen und zum anderen um einem Warlord das Handwerk zu legen, der mit einem französischen Geschäftsmann dicht davor st die gesamten Weltmeere zu verschmutzen. Also alles andere als eine leichte Aufgabe.

Was auffällt, ist das hier wirklich versucht wurde möglichst viel direkt aus dem Roman zu übernehmen. So wirkt die Story zwar etwas überladen und kann auch nicht wirklich allem gerecht werden, aber die meisten groben Logikfehler wurden doch gekonnt umschifft und auch wenn es noch die ein oder andere Ungereimtheit gibt, dem Sehvergnügen tut das hier wirklich keinen Abbruch.
Das liegt neben den sehr gut aufgelegten Darstellern (dazu gleich mehr) auch an der Art wie Jung-Regisseur Breck Eisner seinen Film inszeniert. Es hat schon fast etwas altmodisches wenn man die gut auf den Film verteilten Actionszenen ansieht. Keine CGI Effekte (bis auf einige wenige im Finale), sondern pure Handarbeit werden hier großgeschrieben. So wirkt der Film einfach auch bei weitem nicht so steril und leblos wie es viele CGI überfrachtete Actionmovies der letzten Jahre getan haben. Dafür gibt es dann eben auch keine Stunts, die der Schwerkraft und anderen physikalischen Gesetzen widersprechen, sondern einfach nur realistisch inszenierte kleine Happen. Schon die Verfolgungsjagd auf dem Niger mit Booten zeigt wo der Weg des Films hingehen wird. Auch wenn im späteren Verlauf die Story immer mehr an Dimension gewinnt und letztlich schon fast an James Bond erinnert, die Stunts wirken doch immer sehr bodenständig.

Dazu nimmt sich der Film selber nicht zu ernst und man kann sich sicher sein, dass keine Szene ohne einen netten Oneliner oder ein Wortgefecht zwischen Matthew McConaughey und Steve Zahn auskommt. Der Film will nicht mehr und nicht weniger sein als pure Unterhaltung und das gelingt ihm auch vorzüglich. Langeweile und Leerlauf kommen erst gar nicht auf und man kann sich sicher sein, dass spätestens hinter der nächsten Düne schon die nächste Herausforderung auf das dynamische Duo, dass noch von Penelope Cruz, als WHO Ärztin, begleitet wird. Schön zu sehen, dass der Film dabei durchaus auch den ein oder anderen Seitenhieb in Richtung US Regierung und Präsident Bush und seine Umweltpolitik zu bieten hat.
Im Vordergrund steht hier aber ganz eindeutig der Spaß beim Zuschauer und der stellt sich durchaus ein, auch weil man dem sympathischen Heldenduo gerne zu sieht und auch die Figuren um die beiden herum (der Romanvorlage sei dank) nicht nur zu Stichwortgebern werden. So gibt es etwa einen mit Vollbart und dicker Zigarre ausgestatteten William H. Macy, der als Admiral a.D. die Einsätze von Meeresbiologe und Archäologe Dirk Pitt finanziert und koordiniert oder aber Delreoy Lindo als CIA Agent.
Einzig etwas präsentere Gegenspieler hätte man dem Duo gewünscht. Denn sowohl Lambert Wilson als französischer Geschäftsmann als auch Lennie James als Warlord Kazim wirken letztlich wenig bedrohlich und können den Erfolg von Dirk und Al auch nie wirklich gefährden.

Beim Hauptdarsteller Duo fällt dafür um so mehr der Spaß auf, den Matthew McConaughey und Steve Zahn bei den Dreharbeiten hatten. Die beiden harmonieren perfekt miteinander und sprühen nur so vor sichtlicher Freude an dem was da spielen dürfen. Dazu kommt noch als dritte im Bunde Penelope Cruz, die nicht nur schön wie immer ist, sondern auch hinter dem starken Männerduo nicht zurückstecken muss. Sowohl was Screentime als auch was ihre Präsenz angeht

Ein besonderes Lob gibt es auch für den gelungenen Soundtrack, der den Spaßfaktor des Films gleich noch um einige Prozente anhebt. Von Grand Funk über Lynard Skynard, Steppenwolf, Canned heat bis hin zu Dr. John mit "Right place, wrong time" (so etwas wie das Motto des Films) geht die Reise durch die rockigen 70er. Immer passend und erfreulich anders als vieles was man sonst so in aktuellen Filmen zu hören bekommt.

"Sahara" ist anspruchslos, aber das gute dabei ist, der Film erhebt auch zu keinem Zeitpunkt den Anspruch auf mehr. Hier geht es um pure Popcorn Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger und das bietet der Film dann auch über extrem kurzweilige 120 Minuten. Eine filmische Umsetzung, die dem Charme und Stil der Romane sehr nahe kommt und mit Dirk Pitt und Al Giordino zwei neue Figuren auf die Leinwand loslässt, von denen zumindest ich mir noch einige Auftritte mehr erwarten würde. Material, in Form von Romanen, gibt es ja genug. Für mich ein perfekter Sommerfilm, bei dem man im angenehm kühlen Kino perfekt entspannen kann und dabei auch noch bestens unterhalten wird. 8 von 10 Punkten.

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