Review

Die “Nightmare”-Reihe unterscheidet sich von anderen Horror-Franchises in mehreren Aspekten. Von der Anzahl an Fortsetzungen her ist die „Freitag der 13.“ der größte Konkurrent der „Nightmare“-Filme. Ohne das Crossover „Freddy vs. Jason“ bringt es die „Freitag“-Reihe auf 10 Teile, während es 7 „Nightmare“-Filme gibt.

Im Gegensatz zur „Nightmare“-Reihe, wurden die „Freitag der 13.“-Slasher immer einfacher und stupider (Jason X ist da eher die Ausnahme). Jason erging sich in stupiden Metzelorgien, die gerade in den letzten Teilen völlig spannungslos inszeniert waren. Es ging nur noch darum, die einzelnen Gewaltakte möglichst drastisch darzustellen. Insofern ist gerade die „Freitag“-Reihe am ehesten mit dem Pornofilm vergleichbar, bei dem es auch nur um die explizite Darstellung mehrerer (sexueller) Akte geht. Die „Nightmare“-Filme waren aufgrund der Traumthematik immer komplexer als die Jasonschlachtplatten. Zwar waren auch bei den „Nightmare“-Filmen die Budgets klein, doch das erforderte von den Regisseuren ein enormes Maß an Kreativität. So ist es auch kein Zufall, dass viele der Nightmare-Filme von Regisseuren inszeniert wurden, die später Hollywoodruhm erlangen sollten. So war es bei „Nightmare On Elm Street 4: The Dream Master” der Action-Finne Renny Harlin, der die Schandtaten des Kindermörders Fred Krueger in Szene setzen durfte. Später wurde Harlin bekannt durch Actionklassiker wie „Stirb Langsam 2“ und „Tödliche Weihnachten“.

Bevor er große Budgets verpulvern durfte, hatte Renny Harlin bei „Nightmare 4“ noch mit einem kleinen Budget, enormen Zeitdruck und einem mißtrauischen Produzenten zu tun, machte dafür seine Sache aber sehr gut. Der Film ist einer der beliebtesten der Reihe, der sich vor allem dadurch auszeichnet, den Killer Krueger endgültig zum Star der Reihe zu machen. Erreicht wurde dies durch eine durchaus humorige Inszenierung, die für das damalige Slasher-Genre ungewöhnlich war. So darf Robert Englund in seiner Paraderolle mit lockeren Sprüchen und einprägsamen Onelinern wieder eine Menge Teenager in ihren Träumen erlegen. Die Story ist weder besonders clever noch besonders erwähnenswert noch besonders. Das Publikum ist dazu konditioniert, auf den nächsten sadistischen Auftritt des Pizzagesichts zu warten. Dies geschieht in einem typischen 80’er-Setting, in dem Klamotten und Frisuren der Protagonisten sowie die Musik an dieses Jahrzehnt erinnern und den Einen oder Anderen nostalgisch werden lassen.

Wie schon geschrieben, ist in dieser Nummernrevue aus Mord und Todschlag eigentlich keine Story nötig. Geht man dennoch darauf ein, dann vor allem, um die Traumszenen zu loben, die Harlin bei dem kleinen Budget auf die Leinwand gezaubert hat. Wie bei eigentlich jedem Film dieser Reihe kann man vor dem Einfallsreichtum der Spezialeffekte nur den Hut ziehen. Die Effekte sehen an keiner Stelle billig aus (bei heutigen Low Budget-Streifen sieht das dank billiger CGI-Effekte oft ganz anders aus). Hingegen sind die Schauspieler in diesem Film nicht groß erwähnenswert, sondern austauschbar. Dies gilt natürlich nicht für Robert Englund, der den Freddy Krueger gewohnt souverän gibt und der unumstrittene Star des Films ist.

Alles in Allem ist „Nightmare On Elm Street: The Dream Master“ eine würdige Fortsetzung der Reihe und hat einige wichtige Entwicklungen angestoßen. Wenn man die löchrige, leicht hanebüchene Story, die oftmals etwas einfältigen Dialoge und die durchschnittlichen schauspielerischen Leistungen ignorieren kann, macht dieser Teil der „Nightmare“-Reihe viel Spaß. Mit dem beängstigenden Original von Wes Craven hat der vierte Teil freilich nicht mehr viel zu tun.

Fazit:

6/10

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