Review

"A Nightmare on Elm Street 4" erschien nur ein Jahr nach seinem Vorgänger, doch dieses Tempo kennt man ja bereits von New Line Cinema. Der Grund für die schleunige Inszenierung des vierten Teils war, das lässt sich nicht verleugnen, schlichtweg das Geld. Freddy Krueger war damals eine gewinnbringende Einnahmequelle und der dritte Teil sehr erfolgreich, so dass nach einigem hin und her der Finne Renny Harlin für eine weitere Fortsetzung verpflichtet wurde, der bereits ein Jahr zuvor mit seinem Horrorschocker "Prison" Genreluft schnupperte. Zwar war der langjährige Produzent aller Nightmare-Teile, Robert Shaye, zuerst sehr unglücklich mit der Wahl des Regisseurs, doch dies sollte sich letzten Endes, zumindest aus kommerzieller Sicht, als unbegründet herausstellen, denn der vierte "Nightmare" wurde zum insgesamt erfolgreichsten Teil der Serie. Alleine schon in den USA spielte der Streifen 50 Millionen $ ein, was eine weitere Fortsetzung natürlich schnell zur beschlossenen Sache werden ließ.

Renny Harlin ist es zu verdanken, dass die nachfolgenden Teile, bis auf "Freddy's New Nightmare", eine völlig neue Richtung einschlugen. Während die Tendenzen dazu schon in "Nightmare 3" sehr stark zu erkennen waren, war es fortan beschlossene Sache: Nicht mehr länger war Freddy Krueger ein bösartiger Dämon, ein Albtraum mit menschlichen Konturen, sondern vielmehr ein Entertainer, der von den Machern dazu eingesetzt wurde, Jugendliche Opfer auf eine möglichst kreative Art und Weise um die Ecke zu bringen. War es insbesondere in den ersten beiden Teile noch eine düstere Atmosphäre, durch die sich die Filme auszeichneten, wurde dies nun für eine temporeiche und massenverträglichere Inszenierung über Bord geworfen. Von nun an waren es Freddy's coole Sprüche und sein Auftreten, das die Zuschauer ins Kino lockte. Von einem fleischgewordenen Albtraum wurde Freddy Krueger über die Jahre hinweg also zu einem sadistischen Antihelden, den das Publikum vielmehr bejubelte, als dass es sich vor ihm fürchtete. Der Grundstein hierzu wurde bereits im dritten Teil gelegt, nun, ein Jahr später, ist die Transformation also endültig erfolgt.

Dessen sollte man sich unbedingt im Klaren sein, wenn man sich diesen Streifen ansieht. Wer, wie ich, einen Horrorfilm à la Teil 3 erwartet, wird enttäuscht werden, da "Nightmare on Elm Street 4" vielmehr einer temporeich inszenierten Mord- und Effektparade gleicht. Dies zeigt sich schon dadurch, dass die Figuren, die in Teil 3 sorgsam herausgearbeitet und präsentiert wurden nur noch Kanonenfutter sind und schneller als man es erwartet umgebracht werden. "Nightmare on Elm Street 4" führt die vorangegangene Geschichte zwar weiter, tut dies aber auf eine lustlose Art, die klar macht, dass es mittlerweile nicht mehr um das Erzählen einer Story geht.

So wundert es auch nicht, dass das Ganze mittlerweile immer fantastischere Züge annimmt. Jedes Mittel ist recht, um dem Zuschauer Action und Unterhaltung zu bescheren. Beim Betrachten des Films fällt einem immer wieder auf, dass Renny Harlin ein Regisseur ist, der sich im Actiongenre um einiges wohler als im Horrorgenre fühlt. Nicht umsonst drehte Harlin einige Jahre später noch derartige Kracher wie "Cliffhanger", "Stirb Langsam 2" oder "Deep Blue Sea". "Nightmare on Elm Street 4" ist somit also bis dato der rasanteste Streifen der Serie, der aber gerade deshalb nicht allen Fans der Vorgänger zusagen dürfte. Man muss sich damit anfreunden können, dass der Horror der ursprünglichen Thematik nun einer Zurschaustellung einer Kultfigur gewichen ist, die mit reichlich Tempo und Action inszeniert wurde.

Obwohl ich persönlich meine Probleme damit hatte und mir lieber noch einmal einen Teil im Stil vom dritten "Nightmare" gewünscht hätte, so muss ich doch zugeben, dass der eigentliche Mittelpunkt des Films, das Zeigen einfallsreicher Morde, wie eh und je eindrucksvoll von statten geht. Freddy scheint sich hier auf einem kreativen Höhepunkt zu befinden, so scheint es fast. So wird einer der Protagonisten mal eben von Freddy zum Pizzabelag verwandelt und genüßlich verspeißt, eine andere transformiert zur Kakerlake und wird überaus "saftig" zerquetscht.

Bis auf die wie immer souveräne Darstellung Robert Englund's blieben mir keine nennenswerten, schauspielerischen Höhepunkte in Erinnerung. Patricia Arquette wurde leider durch Tuesday Knight ersetzt, die jedoch nicht die Symphatie ihrer Vorgängerin mitbringen kann. Auch sonst gibt es nicht viel zu sehen. Während die Jugendlichen in den vorangegangen Teilen meist Identifikationsfiguren waren, sind sie hier nur noch da, um möglichst schnell um die Ecke gebracht zu werden.




Für die Einen geht es mit der "Nightmare" Reihe ab diesem Teil bergab, andere sehen darin die eigentliche Geburt der Kultfigur Freddy Krueger. Es fehlt hier an der typisch unheimlichen Atmosphäre der Vorgängerfilme, dafür finden sich jetzt um so mehr Effekte und actionreiche Sequenzen, die das Publikum bei Laune halten sollen. "Nightmare on Elm Street 4" ist zwar, was die Morde angeht, überaus einfallsreich und brutal, was aber dadurch wieder gemildert wird, dass Freddy diese Sequenzen durch seine coolen Sprüche eher amüsant erscheinen lässt. Zudem konnte ich im gesamten Streifen keine Symphatieträger und nicht einmal den Ansatz einer vernünftigen Story finden, was ich mir, nach dem wirklich tollen, dritten Teil, wirklich anders erhofft hätte. Dennoch, besser als der übliche 08/15 - Horrormist ist das hier gezeigte allemal.

Details
Ähnliche Filme