Ab dem vierten Teil ging es ja langsam, aber stetig bergab mit dem guten alten Freddy. Die Geschichte wurde immer wieder ausgebudelt und neu präsentiert, die Morde immer kreativer (oder schwachsinniger, darf man sich aussuchen) und Freddy verwandelte sich immer mehr zu einem schlechten Witzereißer aus der Hölle. Dementsprechend sieht dann der Quark auch beim mittlerweile dritten Aufguss aus, und langsam wird einem übel vor lauter Negativpunkten, die sich bei der "Nightmare" Reihe ansammeln.
Nahtlos wird also an den Vorgänger angeknüpft. Kristen und ihre beiden Freunde Kincaid und Joey wurden inzwischen aus der Anstalt des Vorgängers entlassen und führen nun ein unbeschwertes Leben als Teenager. Aus irgendwelchen völlig irrelevanten Gründen steht Freddy plötzlich von den Toten auf. Und da wären wir auch wieder bei der beliebten Rubrik angekommen "Wie knüpfe ich NICHT an einen Film an?" Tatsächlich ließ der Showdown aus dem Vorgänger nicht viel Freiraum für einen vierten Ableger. Freddy wurde mit geweihtem Wasser begraben, das müsste doch eigentlich langsam mal ausreichen, oder? Aber nein! Unser sympathischer Kincaid und sein komischer Hund träumen eines Nachts von jenem Autofriedhof, auf dem Freddy begraben wurde. Kincaids Hund (mit Namen Jason... was für ein subtiler Querverweis!), buddelt wie bekloppt an Kruegers Grab und pinkelt es dann mit einem feurigen Strahl (!!!?) an. Alsbald erhebt sich Freddy wieder aus seinem Grab... soso, ein Untoter wird also durch den (heißen) Urin eines Hundes wiederbelebt? Da gehen einem ja die Schnürsenkel auf...
Irgendwann merken dann die wichtigen Hauptpersonen "Aha, Freddy lebt wieder!". Kristen will aber nicht so gerne, dass sie und ihr Kumpel Joey wie Kincad von Krueger ermordert werden, kann aber letztlich so gar nichts dagegen tun, weswegen es nach ungefähr der Hälfte des Films heißt: "Tschüss, Kristen!". Nun drängelt sich eine vorherige Nebenfigur als Hauptprotagonisten ins Bild - die leicht schüchterne Alice, die dann auch bald von Krueger heimgesucht wird. Als Appetitanreger meuchelt der sich aber erstmal munter den Freundeskreis von Alice zurecht, bis nur noch Alice und ihr Freund in Spe übrig sind, um ihm die Stirn zu bieten. Alice hat inzwischen auch die "Kräfte" ihrer toten Freunde geerbt, was sie im Kampf gegen Freddy auch nutzen will.
Also irgendwie ist das hier extrem langweiliger EInheitsbrei der 80er. Mal abgesehen von der völlig idiotischen Wiederbelebung Kruegers, humpelt der Film auch sonst wie angeschossen über den Bildschirm und liefert wirklich gar nichts neues. Stattdessen wird dasselbe "Zehn Kleine Negerlein" Prinzip aufgefahren wie schon in allen Vorgängern. Nacheinander wird irgendein doofer Teenager getötet, alle erschrecken sich ganz doll, sagen dann gefühlte sechzigmal "Das war Freddy!", können dagegen aber bis zum Ende gar nichts tun, weswegen das Geschehen hier auch so lauwarm über die Runden geht. Immer dabei zuzusehen, wie sich Freddy ein wehrloses Opfer krallt, wirkt auf die Dauer extrem ermüdend. Dann noch seine vielfältigen Methoden, WIE er denn jemanden über den Haufen meuchelt... Das geschieht meistens unspektakulär mit der Kralle, aber der Weg dorthin ist immer fragwürdig. Mal kommt Freddy mit seinem Handschuhe als Hai angeschwommen (Mmhh...), ein anderes mal platzt er aus einem Wasserbett heraus (Soso...) und last but not least verkleidet er sich als Krankenschwester (What the fuck...?).
Das alles ist dann dementsprechend auch recht humorisch angehaucht und bringt (zugegebenermaßen) auch ein, zweimal wirklich zum schmunzeln. Aber für eine richtige Horrorkomödie nimmt sich "Nightmare 4" dann doch viel zu oft viel zu ernst. Und für einen richtigen Horrorfilm wird hier so ein dicker Ironie-Stempel aufgetragen, dass es beinahe nervtötend wirkt. Das ist eigentlich sehr schade, weil dieser Teil durchaus Potenzial hat. Die ein oder andere Szene weiß schon zu gefallen, zum Beispiel, als Krueger einer Streberin die Lebensenergie aussaugt. Das wird dann meist unterbrochen durch lächerliche Kalauer, meistenst in der Art und Weise präsentiert wie Arnold Schwarzenegger es als Mr. Freeze in "Batman & Robin" gemacht hat. In einem Wort: bemüht lustig, nicht selten aber doof.
Schauspielerisch befinden wir uns (mal wieder) in einer ziemlich negativen Zone. Dass Kristin nun von einer anderen Darstellerin verkörpert wird, ist schon ein Wehrmutstropfen. Warum muss man eigentlich für dieselbe Rolle immer einen anderen Darsteller verpflichten? Da wäre es mir lieber, wenn man die Rolle gleich streichen würde. Wie dem auch sei, diesmal wird Kristen wie gesagt von einem Mädel namens Tuesday Knight dargestellt (wie kommt man eigentlich auf SO einen Namen?). Da es sich um einen Teenie-Darsteller handelt, ist das Ergebnis dementsprechend ausgefallen. Tuesday schreit sich dürftig durch ihre Rolle, kann nur kreuzdoof glotzen und überzeugt auch sonst nicht. Ihre ganzen Freunde werden ebenfalls klischeebeladen vorgestellt. Da gibts mal wieder die 80er-Tusse im hautengen Rock, die farbige Streberin mit beachtlicher Hornbrille, den ruhigen Mädchenschwarm und das unfreiwillig lächerliche Brüderchen, was mit Karate glänzen will. Wiedermal zählt man an beiden Händen dann der Reihe nach die Morde ab und ist erleichtert, wenn es einen besonders nervigen Darsteller getroffen hat. Robert Englund tobt sich mal wieder wie ein Kleinkind aus, aber langsam ist er wirklich nicht mehr gruselig, sondern einfach lachhaft.
Wenigstens die Effekte sind ganz nett, und der Showdown kann sich auch sehen lassen. Zuerst wirkt es aber wieder selten dämlich, besonders wenn Alice nach allen Regeln der Kunst auf Freddy einprügelt und Saltos wie ein Zirkuskind hinlegt. Besonders plausibel ist das jetzige "Ende" von Freddy dann auch nicht. Was es letztlich mit der bunten Scheibe auf sich hatte, die es durch ihren Glanz schafft, die Seelen in Kruegers Körper zum rebellieren zu bringen, weiß wohl nur der Drehbuchautor. Als Abschluss erscheint dann wieder ein dürftiger Schlussgag, und PENG, stand auch schon Nr. 5 in den Startlöchern. Wie dem auch sei, der "Nightmare"-Schuh fängt langsam an, an allen Seiten zu drücken. Die lächerlichen Morde haben zwar schon Kultstatus erreicht, aber für den ein oder anderen wirken sie nur noch nervtötend und so furchterregend und atmosphärisch wie eine vertrocknete Rosine. Es brauchte mal wieder eine Kehrtwendung, aber die gab es erstmal nicht, und so wurde das altbekannte Grundmuster immer weiter gestrickt, bis die Logik-Motten angefangen haben Löcher reinzufressen.
Fazit
Enttäuschender dritter Aufguss einer Kultfigur. "Nightmare 4" präsentiert sich als fantasielose Aufbereitung alter Themen und macht aus Freddy immer mehr einen dümmlichen Sprücheklopfer. Auch die guten Effekte täuschen nicht über die schauspielerischen und inhaltlichen Defizite hinweg.
4/10