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Freddy goes Pop-Art: Mit dem vierten Teil der Kult-Horror-Reihe lässt der untote Serienmörder Freddy Krueger sein finster-dämonisches Image endgültig hinter sich und wird zum Sprüche klopfenden Anti-Helden, der in lustigen Verkleidungen und irrwitzigen Settings Jagd auf seine Opfer macht. Dass dieser Imagewechsel funktioniert, liegt an den erneut beeindruckenden und aufwendigen Effekten und liebevoller Kreativität der Filmschaffenden.

Inhaltlich wird hier lose (und in Details eher unlogisch) an die ursprüngliche Geschichte angeknüpft: Die letzten Kinder derer, die Freddy lebend verbrannten, werden immer noch in ihren Träumen verfolgt und von ihm zur Strecke gebracht. Vorher jedoch lässt er sich das Tor zu den Träumen ihrer nichtsahnenden Freunde und Freundinnen öffnen – und so kann das Morden fröhlich weitergehen. Und fröhlich ist genau der treffende Ausdruck: Ob mit Sonnenbrille am Strand, als unsichtbarer Kampfsportgegner oder fieser Angreifer beim Bankdrücken – die Kills fallen hier so absurd und tendenziell humoristisch aus wie noch bei keinem der bisherigen Teile. Von der düsteren Stimmung ist so gut wie nichts übrig geblieben, selbst die Ekeleffekte zeugen eher von spielerischer Attitüde: Da spießt Freddy die winzigen Köpfe schreiender Opfer auf einer Pizza auf oder lässt eine junge Frau, die sich vor Insekten ekelt, sich unter Einsatz drastischster Effekte (die ein wenig an Cronenbergs „Die Fliege“ erinnern) selbst in ein Rieseninsekt verwandeln. Für jeden Kill hat er einen passenden Oneliner – etwa: „Wie gefällt dir dieser nasse Traum“, als er einen Jungen in seinem Wasserbett tötet, in dem vorher noch eine nackte Frau herumschwamm – und dass Freddy am Anfang des Films wiederaufersteht, nachdem ein Hund einen Feuerstrahl auf sein Grab gepisst hat, gehört wohl zu den skurrileren Einleitungen der 80er-Jahre-Hollywood-Horror-Reihen. Insgesamt ist hier also in erster Linie Spaß und Ironie angesagt (das beweist schon die Szene, in der Robert Englund in ein Krankenschwesternkostüm steigt).

Wie gesagt kommt das inhaltlich, logisch und dramaturgisch eher hölzern daher. In mancher Hinsicht bleibt sich die Reihe einfach treu: Die Eltern-Kinder-Konflikte werden mit höchstmöglicher Plattheit und Stereotypie aufgeführt, Dialoge und einzelne Szene können geradezu haarsträubend unsinnig und unglaubwürdig werden, und auch hier zeigt das Ende mal wieder einen eklatanten Mangel an Durchdachtheit und Zusammenhang. Was genau geschieht da eigentlich? Wird Freddy von den Seelen seiner Opfer zerrissen, weil er sich im Spiegel gesehen hat? Egal, das braucht keinen Sinn zu ergeben, es sieht dank enorm plastischer maskenbildnerischer Effekte einfach verdammt gut aus.

Denn auch das bleibt eine Konstante: Was in inhaltlicher und auch schauspielerischer Hinsicht eher fehlt, wird auf Effektebene voll und ganz geboten. Eine grandiose Mischung aus handgemachten Spezial-, Splatter- und Ekeleffekten und für damalige Verhältnisse tatsächlich beeindruckender Computertechnik lässt Freddys Albtraumwelten durchgehend überzeugend zum Leben erwachen. Aufwendige Kulissen, actionreiche Kampf- und Fluchtsequenzen, nicht zu wenig Pyrotechnik und teils krasse Ideen (das Einsaugen in eine Kinoleinwand, das Klettern an der Decke im alten Haus in der Elm Street) machen den Kampf gegen das Böse durchgehend unterhaltsam und visuell beeindruckend. Dabei hilft auch die grandiose 80er-Ästhetik: blau beleuchtete nächtliche Settings, schrille Frisuren, dazu ein 80er-Rock- und Pop-Score, der richtig Laune macht (mit mittlerweile eigens komponierten Songs wie „Are You Ready for Freddy“) – die 80er haben sich im Horror-Genre selten von einer besseren Seite gezeigt.

Wer also mit dem hohen Trash-Gehalt klarkommt, sich auch von der so düsteren und fesselnden Atmosphäre der früheren Filme verabschieden kann und mit klischeehaften Figuren, flachen Dialogen und unsinnigen Storyentwicklungen umgehen kann, findet hier eine kleine, feine Perle des 80er-Fun-Horrors (und einige clevere Ideen wie die Wiederholung einer Szene, weil die Agierenden in der Zeitschleife eines Traums gefangen sind, können dann doch auch gefallen). Ob dieser schrille Pop-Spaß eines Kindermörders und Traumdämons wie Freddy Krueger würdig ist, darüber können Fans bis heute trefflich streiten. Spaß macht das alles so oder so – da hat Action-Regisseur Renny Harlin im Frühstadium seiner Karriere ein echtes kleines Highlight hingelegt.

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