Review

Waldschratsaat


Ein Kannibale vernascht Camper - viel länger muss man zum Inhalt von „The Forest“ kaum Stellung nehmen. Und viel mehr Kurven und Hürden nimmt dieser Wald-und-Wiesen-Schlocker (zumindest oberflächlich) auch gar nicht. Aber reicht uns altmodisch eingestellten Horrorheads nicht genau das manchmal?! Ein paar abgehackte Arme und freigelegte Busen?! Eine warme Feuerstelle und ein (mal nicht körperlich entstellter!) Hinterwäldler?! Ja! Und dafür müssen wir uns zu keiner Minute schämen! Genauso wenig wie dieser naiv-plumpe „Cannibal hohler Schmaus“, der dann schnell doch mehr Psychologie und menschelnden Wahnsinn auffährt, als man meint. 

Dass „The Forest“ erstaunlich naiv (und düster zugleich) ist, zeigt sich schon in seiner Titeleinblendung - schön mit baumartigen Buchstaben und ungemütlich wohliger Musik. Das sticht heraus und beunruhigt. Und dass der Killer dann noch der eigentliche Protagonist ist und seine tragischen Gründe und Backstory spendiert bekommt, zeichnet diesen Videothekenslasher aus. So steil wie sein feines Poster geht der finale Film sicher nie, damals war das für die gewaltgeilen Fans von Jason und Co. sicher eher eine recht blutleere Enttäuschung. Aber aus heutiger Sicht hat „The Forest“ ohne Frage Anziehungskraft. Es geht hier mehr um die Hintergründe und die Psyche, um Atmosphäre und Ekel durch Wissensvorsprung, um Mitleid und ehrliche Angst. Nicht überhöhte und comichafte. Gerade die erste Hälfte zehrt arg an der Geduld, da hier so gut wie nichts passiert und man schon die grüne Recyclingtonne herausstellen will - aber ab der Hälfte entwickelt „The Forest“ seinen ganz eigenen Sog zwischen Troma, „Just Before Dawn“ und überraschend tiefer Charakterzeichnung. 

Fazit: einfach, (gar nicht so) dumm, waldig - auf den ersten Blick ein Backwoodslasher nahe der untersten Schublade. Und dennoch irgendwie mit dem Zeug das Herz zu schneiden. Seltsam. Nachmitternachtsfutter. Make America Bait Again. 

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