In den 60ern gab es massig Edgar Allen Poe Verfilmungen en masse, danach nahm das Interesse ab, aber es gibt ein paar Poe Verfilmungen neueren Datums.
Bei „House of Usher“ wurde die Geschichte gleich mit modernisiert; anstatt den Film in düsterer Vergangenheit wie Poes Kurzgeschichte spielen zu lassen, befindet man sich im hier und jetzt. So ist der Protagonist kein einsamer Reisender, sondern ein junges Paar in den Flitterwochen. Wenn dann noch Autos und morgendliches Joggen hinzukommen, dann weiß der Zuschauer sofort: Eine adäquate Umsetzung des Stoffes kann man vergessen, stattdessen kann man bestenfalls auf Übernahme von Motiven hoffen.
Immerhin will das Paar, Ryan (Rufus Swart) und Molly (Romy Windsor), immer noch Roderick Usher (Oliver Reed) besuchen, der allerdings nicht nur wie in der Vorlage ein Freund, sondern der Onkel Ryans ist. Auf dem Weg verunglücken die beiden jedoch, Ryan fällt ins Koma und Molly gelangt alleine auf das Schloss von Onkel Roderick. Bald fällt auf, dass hier einiges im Argen ist…
Eine besonders würdige Umsetzung der Poe-Vorlage ist den Machern dieses Films leider nicht gelungen und besonders bemüht darum scheinen sie auch nicht zu sein (im Gegensatz Sachen wie Stuart Gordons „The Pit and the Pendulum“). Doch immerhin hat auch „House of Usher“ so seine Momente, meist wenn man zumindest dem Geist der Vorlage treu bleibt und das alte Herrenhaus richtig in Szene setzt: Düstere Gänge, unheimliche Stimmung und die Gewissheit, dass hier noch einige unliebsame Familiengeheimnisse ruhen. Doch leider bleibt die stellenweise ziemlich dichte Atmosphäre das größte Plus des Films, der Rest ist mehr oder minder vergessenswert.
Größter Schwachpunkt die lieblos herunter gespulte Geschichte. Die Spannung von Poes Kurzgeschichte kommt gar nicht auf und auch wenn man das Teil ja irgendwie auf Spielfilmlänge kriegen musste: Das hätte man deutlich besser machen können. Stattdessen reiht „House of Usher“ lieblos eine vorhersehbare Offenbarung über Onkel Roderick und seine Leute an die nächste, am Ende kommt die obligatorische Katastrophe und der Zuschauer ist dabei wenig gefesselt.
Scheinbar haben die Macher aber auch gemerkt, dass die Story weniger hergibt, also wird zwischendurch noch mal die Keule ausgepackt und etwas gemetzelt, aber wirklich verbessert dies den Film nicht. Die meisten Mordszenen sind nur vordergründige Zurschaustellung immerhin halbwegs ordentlich gemachter Effekte, Spannung sieht jedoch anders aus.
Darstellerisch gibt es bei „House of Usher“ nur sehr begrenzt Gutes zu berichten. Immerhin ragt Oliver Reed schauspielerisch zwischen den ganzen Knallchargen, die ihn umgeben heraus, und macht einen positiven Eindruck, auch wenn der Mann schon deutlich Besseres in seiner Karriere abgeliefert hat. Donald Pleasence hingegen scheint sich nach dem Engagement in der nächsten „Halloween“-Folge zu sehnen und tapert lustlos durch die Gegend; wenn er dann noch mit einem Maschinenarm spielen muss, dann ist seine Performance sogar peinlich. Der Rest der Darsteller ist auch mäßig wie unbekannt.
„House of Usher“ ist, selbst wenn man ihn nicht als Umsetzung der berühmten Kurzgeschichte, sondern als eigenen Film betrachtet, ein ziemlich enttäuschendes Horrorprodukt mit lahmer Story und sichtbar niedrigem Budget. Dank der halbwegs atmosphärischen Inszenierung kann der Film immerhin stellenweise noch überzeugen.