Story:
Willkommen im „Kingdom“, dem dänischen Reichskrankenhaus. Wer meint, die Bewohner von „Twin Peaks“ wären durchgeknallt, kennt diesen Tempel der Heilkunst noch nicht. Da ist zunächst der schwedische Neurologe Dr. Helmer, der „seinen“ Parkplatz vor dem Krankenhaus mit Plastikkegeln markiert, stets seine Radkappen mit ins Krankenhaus nimmt und für den „dänischen Abschaum“ eh nur Verachtung übrig hat, die er allabendlich in Monologen auf dem Dach gen Himmel schreit. Dann ist da der Stationsarzt Dr. Krogen, der vom Keller des Krankenhauses, der ihm als Wohnung dient, seine Fäden spinnt, sei es, um aus Augentropfen Kokain zu machen, oder Medizinstudenten mit gestohlenen Leichenteilen zu erpressen. Zudem ist er mit der Ärztin Judith liiert, die ein Kind von einem anderen Mann erwartet. Die Patientin Frau Drusse ist eine Simulantin alter Schule, und trotzdem sie Dr. Helmer ständig vor die Tür setzt, findet sie immer einen Weg zurück, denn sie will das Geheimnis des schluchzenden kleinen Mädchens im Fahrstuhlschacht ergründen, das auch schon mal die „Totenglocke“ läutet...
Musik:
Außer der düsteren, choralähnlichen Vorspann-Musik gibt es hier nur bedeutungsschwangere Gruselklänge, die aber nicht plakativ wirken, sondern die gespenstische Grundstimmung im Krankenhaus perfekt unterstützt. Im großen und ganzen gelungen.
Atmosphäre:
Ähnlich wie David Lynchs „Twin Peaks“ gibt es hier keine Haupthandlung, die Serie besteht aus diversen skurrilen Nebenhandlungen, die immer neue, überraschende Wendungen nehmen. Statt der Log-Lady gibt es hier zwei mongoloide Tellerwäscher, die (offenbar als die einzigen) den Überblick behalten, ihre Erkenntnisse aber nur unter sich austauschen. Statt des FBI-Agenten ist es hier eine gelangweilte alte Frau, die eigentlich nur etwas Aufmerksamkeit will und deshalb ständig krank spielt.
Ohne künstliche Beleuchtung und mit Handkamera gedreht könnte man meinen, die Serie stamme aus einem Schulprojekt. Doch die meisterhafte Inszenierung Lars von Triers macht daraus eine mehr als beklemmende Stimmung. Alles ist in eine gelb-braune Farbe getaucht (als ob die ganze Welt langsam verfaulte), Schatten dominieren, sogar bei der harmlosen Morgenkonferenz kommt perfekte „Geister“-Stimmung auf. Das Grauen kommt langsam, aber stetig. Einfach genial!
Schauspieler:
Begreiflicherweise sind die Schauspieler (mit Ausnahme von Udo Kier, der allerdings erst ab Folge 3 aktiv wird, und auch da fast nur in Rückblenden und auf Fotos) außerhalb Dänemarks relativ unbekannt, dennoch machen alle ihre Sache sehr, sehr gut. Besonders die Darstellerin der Frau Drusse (die leider nach Ende der zweiten Staffel verstarb, was eine dritte verhinderte)und der Darsteller des Dr. Helmer verleihen ihren Figuren große Glaubwürdigkeit.
Fazit:
Ein Fest für alle Fans von „Twin Peaks“ und ähnlich unkonventionellen Filmen, jedoch absolut ungeeignet für „Schwarzwaldklinik“-Fans.