Mit „Riget“ hat Lars von Trier eine Horror-Serie geschaffen, die der Zuschauer garantiert nicht mehr vergessen wird. Neben gruseligen Momenten beweist von Trier auch seinen Sinn für schwarzen Humor.
Kopenhagen, Dänemark. Im berühmten Reichskrankenhaus (dänisch Riget) beginnt der erste Arbeitstag des schwedischen Neurochirurgen Dr. Stig Helmer (Ernst-Hugo Järegård). Schon die erste Teambesprechung findet ohne ihn statt, und so schickt der Assistenzarzt Dr. Krogshøj (Søren Pilmark) die Simulantin Frau Drusse (Kirsten Rolffes) zum CT, was eigentlich nur Dr. Helmer anordnen darf. Auf dem Weg zur Neurochirurgie hört Frau Drusse ein Kind weinen. Drusse, Anhänger spiritueller Sitzungen ahnt hier schon, dass etwas nicht stimmt und macht sich auf den Weg herauszufinden, warum ein Kind mitten im Aufzugsschacht weint. Dabei hat sie aber des öfteren mit Dr. Helmer zu tun, der sie prompt aus dem Krankenhaus schmeißt, da sie als Simulantin alles aus einem Buch über neurologische Krankheiten zitiert. Doch Frau Drusse findet immer einen Weg, wieder ins Krankenhaus zurück, auch mit Hilfe ihres Sohnes Bulder (Jens Okking), der ebenfalls im Krankenhaus arbeitet. Mit ihm macht sie sich auf die Suche nach dem Kind. Und Frau Drusse soll recht behalten, es geschehen unheimliche Dinge im Reichskrankenhaus.
Doch auch in anderen Bereichen geht es hoch her. Dr. Helmer soll verklagt werden, da er bei einer Gehirnoperation einen Fehler gemacht hat, und seitdem das Kind Mona (Laura Christensen) hochgradig behindert ist. Dr. Helmer muss den OP-Bericht finden und diesen zerstören. Ferner ist er mit seiner Art alles andere als beliebt, insbesondere bei Dr. Krogshøj. Nur der Klinikchef Prof. Moesgaard (Holger Juul Hansen) hält zu Helmer, wobei Moesgaard auch mehr mit seinem neusten Krankenhaus-Projekt „Operation Morgenluft“ beschäftigt ist und er das treiben im Krankenhaus gar nicht bemerkt.
Der Pathologe Prof. Bondo (Baard Owe) ist auf der Suche nach einer Leber voller Krebs, die er für seine Forschungszwecke braucht. Doch die angehörigen eines Patienten wollen die Leber nicht hergeben. Doch Helmer kann Bondo helfen, wenn auch auf eine gefährliche Art und Weise....
Etwas ist faul im Staate Dänemark, selten passte dieser Spruch besser als bei dieser Serie. Lars von Trier hat mit „Riget“ eine Serie geschaffen, die im Horror- und Gruselbereich ihres gleichen sucht.
Wie schon aus der (noch sehr kurzen) Inhaltsangabe ersichtlich, gibt es in „Riget“ sehr viele nebenläufige Handlungen. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich bei der Suche nach dem Kind durch Frau Drusse. Episode durch Episode hindurch kommt Frau Drusse dem Geheimnis näher, und kann es doch nicht wirklich aufklären. Zu viel ist passiert.
Doch auch die Geschichte des Dr. Helmer ist nicht weniger interessant. Damit kommen wir auch zum eigentlichen Star der Serie, Ernst-Hugo Järegård. Järegård scheint die Hassfigur der Serie auf den Leib geschneidert zu sein. Er wirkt unsympathisch, was er auch gleich bei seinem ersten Auftritt im Krankenhaus unterstreicht. Für jeden, egal ob Assistenzarzt oder Patient, für alle hat Järegård nur Verachtung übrig. Auch bei einem Gespräch mit Monas Mutter, ist Järegård weiter der Gott in Weiß, der seinen Fehler nicht eingestehen will. Und gerade diese Person Helmer bringt den Zuschauer immer wieder zum lachen. Helmer ist Schwede und hasst Dänemark. Dank einiger Plagiatsvorwürfe kann Helmer aber nur noch in Dänemark arbeiten. Aber Helmer hasst Dänemark. Deswegen gesellt er sich auch mal gerne auf das Dach es Krankenhaus, blickt mit seinem Fernglas rüber nach Schweden (was in der Tat wirklich funktioniert), und rastet immer wieder aus und beschimpft die Dänen, Lieblingswort: Dänischer Abschaum.
Doch auch die anderen Rollen in „Riget“ sind perfekt besetzt, selbst die kleinsten Rollen. Und sprichwörtlich jeder hat ein Rad ab im Krankenhaus. Sei es der Klinikchef, der nur noch an seine „Operation Morgenluft“ denkt, welche das Krankenhaus fröhlicher machen soll oder auch der Pathologe Bondo, der unbedingt diese Leber haben will und dabei selbst sein eigenes Leben aufs Spiel setzt. Umso konträrer dazu sind die beiden mongoloiden Tellerwäscher im Krankenhaus, die scheinbar als Einzige wissen, was in diesem Krankenhaus wirklich abgeht. Sie wissen immer, was gerade passiert, im Gegensatz zu dem ganzen Krankenhauspersonal.
Durch diese ganzen Storys wird der Zuschauer zwar erst mal förmlichst erschlagen, doch danach ist man einfach nur noch gefesselt von „Riget“. Man kann es kaum abwarten, die nächste Folge zu sehen um zu erfahren, was weiter passiert in den vielen Handlungssträngen.
Auch optisch ist „Riget“ anders. Lars von Trier filmte sehr grobkörnig, ferner ist das Bild immer gelblich-braun, was einem Zerfall nahe kommt. Bunte Farben gibt es hier nicht, gelbe und braune Farben überwiegen hier und schaffen eine noch bessere Atmosphäre, die „Riget“ eh schon hat. Hinzu kommen harte Schnitte von von Trier. Ist eben noch alles ruhig im bild, so drehen beim nächsten Schnitt die Leute quasi durch. Eine Meisterleistung von Lars von Trier.
Effekte gibt es wenige, doch hin und wieder gibt es auch mal den einen oder anderen blutigen Moment, der allerdings nicht ausgereizt wird und immer schwarzhumorig wirkt. Leichen verlieren wortwörtlich ihren Kopf und selbst zombieartige Wesen treten hier auf, ob nun real oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ferner bekommt man in „Riget“ auch nicht auf jede Frage eine 100%ige Antwort, damit muss man halt bei so einer Serie leben.
Ferner sei man schon vorgewarnt, dass man wohl nie einen wirklichen Abschluss der Serie erleben wird. Es war immer geplant, eine dritte Staffel zu drehen, doch mittlerweile sind sowohl Ernst-Hufo Järegård als auch Kirsten Rolffes verstorben, so dass es wohl keine dritte Staffel mehr geben wird.
Fazit: „Riget“ ist die Hammer-Serie aus dem sonst doch so unbedeutenden Filmland Dänemark. Wer sich nur etwas für Mystik, Geister und schwarzen Humor interessiert, ist hier goldrichtig. „Riget“ ist eine der besten Serien der Welt, die ich je gesehen habe und ich kann es kaum erwarten, wie es hier weitergeht. Übrigens, der dänische O-Ton sollte hier Pflicht sein, allein wegen der Atmosphäre und Järegård ist im Original einfach nur Klasse, sei es auf schwedisch oder auf dänisch.