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Der angehende Viehzüchter Brent Landers [ Giuliano Gemma ] vertraut seinem alten Kumpel Gil Clawson [ Nello Pazzafini ] zu sehr und kauft im guten Gewissen eine zuvor gestohlene Rinderherde. Als der wahre Besitzer seines geklauten Gutes sichtbar wird, fordert er Landers vehement zu einem Duell heraus. Dieser tötet in Notwehr und sieht sich sofort einem Lynchmob gegenüber; er flieht vor dem Strick und macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Clawson hat mittlerweile zusammen mit Clayton Ranchester [ Pierre Cressoy ] eine Postkutsche überfallen und dabei die Lehrerin Lucy Tillson [ Ida Galli ] vergewaltigt und in der Wüste ausgesetzt. Landers päppelt die Halbgestorbene auf und sieht sich sowohl dem örtlichen Sheriff Tex Slaughter [ Jesús Puente ] als auch dem lokalen Platzhirsch Avery Ranchester [ Massimo Righi ] gegenüber...

Adios Gringo ist ein Western, in dem mehr geprügelt als geschossen wird. Und vielleicht aus dem Kurzinhalt erahnbar: In dem mehr geredet als geprügelt wird. Es wird zumindest so gar nicht allein der Action vertraut, sondern sich mehr mit dem Drehbuch befasst. Dieses ist zwar nicht neu, aber ansonsten gar nicht so übel; trotz des relativ vorhersehbaren Geschehens gelingt es der Regie auch mühelos, hier und da mal etwas Spannung anzulegen. Langweilig wird es trotz der bekannten Themen nicht, auch wenn etwas mehr Aufregung nicht schaden würde. Aber wann tut es das nicht.

Der Aufbau ist geradlinig und sehr übersichtlich, rudimentäres Hintergrundwissen für die Erzählung bereits ausreichend, bezieht sich sonst auch allein auf die Gegenwart. Dementsprechend kennzeichnen striktes, aber beileibe nicht rasantes Fortschreiten und recht einfache Bilder die Inszenierung. Betonung erfolgt grundsätzlich über die Charakterisierung, die in den Haltepausen vonstatten geht; ohne dabei die leichte Anspannung zu verlieren.

Angesprochen werden dabei vor allem die verschiedenen Gewissenskonflikte, die die jeweiligen - hierbei ganz schön vielen - Personen auszutragen haben.
- Landers muss sich mehrmals zwischen Hilfe für die Frau und seinen eigenem Kopf entscheiden; schliesslich kann er sich nicht ewig irgendwo aufhalten, wenn er steckbrieflich gesucht wird.
- Der Sheriff ist im Herzen ein guter Mann, aber ebenso ein kleiner Hasenfuss. Er hat eine Familie zu versorgen, Geldprobleme und Angst vor dem eigenen Mut; eine Auslieferung von Landers wäre das Einfachste für ihn. Wahrscheinlich stellt er sich deswegen öfters so dumm dar, um seine Überlegungen nur in diese eine Richtung laufen zu lassen; denn so beschränkt wie er tut kann man nicht sein.
- Avery Ranchester ist zwar nicht bei den Aktionen seines Sohnes einverstanden, aber deckt und beschützt diesen mit allen Mitteln, weil es eben sein Sprössling ist und dadurch ebenfalls sein Ansehen geschädigt wird.
- Lucy Tillson hat das Problem, dass sie durch die unverschuldeten Vorgänge dennoch gemieden wird; sich als auch von der eigenen Familie Ausgestossene fühlt und die jetzige Schande für sie schlimmer als der Tod ist. Und auch von dem Gedanken infiziert ist, dass eine Frau wie sie eh niemand mehr lieben wird.

Da schliesst sich der Kreis; einzig Landers kann sie wieder aufbauen, hat aber seine eigenen Sorgen.
Alle Konflikte sind miteinander eng verbunden; jedes Verhalten des Einzelnen bewirkt eine Lösung oder eine Verschlimmerung des Anderen. Psychomoralisch ist das hier gar nicht so übel aufgestückelt, obwohl – oder trotz –man es sich mit der jeweiligen Zuordnung von Gut und Böse eben doch relativ einfach macht. Die Grauzonen sind bei einem genauen Blick und mit etwas direkter Erfahrungsbasis jedenfalls schnell verschwunden; Überraschungen, zu welcher Seite der Charakter wechselt gibt es keine.

Die erwähnten simplen Bilder und die auf eine Einzahl begrenzte Lesart halten die zu stellenden didaktischen Anforderungen gering und vermeiden eine reine Experimentalanordnung; es wird sich schon um den Fortgang bemüht, ohne gleich alles in den Diskurs zu werfen. Scheinwissen und das Bedürfnis nach sinnlicher Evidenz bei den Aussenstehenden sowie die direkte Opfer – Täter – Konfrontation ist die treibende Kraft des Geschehens, die Auflösung besitzt allerdings kein wirklich effektives Merkmal. Weit und breit nichts zu sehen von forcierter Italo – Gestik. Da macht sich die Gediegenheit eben doch zu sehr breit; die Genre-Aneignung wird so gar nicht spekulativ genutzt. Paar kleine Schusswechsel, anfangs auch rein aus Notwehr. Vermehrt dann die Prügeleien, aber eben auch nicht ausschweifend und das wars; da hätte etwas Sadismus oder Extravaganz als Würze in der relativen Gemächlichkeit vielleicht gar nicht mal geschadet.

Guter Durchschnitt. Macht nicht viel falsch, aber macht eben auch nicht viel.

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