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"Wenn's hart auf hart kommt, haben wir Schießbefehl, das weißt Du doch!"

Wie eine amerikanisches s/w Westersaga in Serienform, für die kleine Mattscheibe sind die ersten Klänge von Riz Ortolani, durchaus melodiös, aber eher beschwingt, Woody Strode wird vor Peter Martell und nach Leonard Mann genannt; Martell hat sich kurz zuvor die Chance auf eine Karriere durch eine Verletzung und dem Ersatz von Terence Hill bei Gott vergibt - Wir beide nie! (1967) oder der folgenden Colizzi-Trilogie verpasst. Ein unglücklicher Zufall, der auch hierdurch nicht wieder ausgeglichen werden kann, trotz dem Sitzen direkt an der Quelle, beim später mit Enzo Barboni (im Regiedebüt, zuvor eine Tätigkeit als langjähriger Director of Photography, u.a. beim originalen Django, bei Keinen Cent für Ringos Kopf, Django und die Bande der Gehenkten, Die fünf Gefürchteten) noch entscheidenden Mann:

Bei einem Banküberfall sterben nicht nur die Wachen, sondern auch einige Gefängnisinsassen, deren 'Behausung' zur Ablenkung in Brand gesetzt wurde. Vier Mann können fliehen, darunter Woody [ Woody Strode ], Hondo [ George Eastman ], Silver [ Peter Martell ] und der zwischendurch als 'Django' angeredete Chuck Mool [ Leonard Mann ], der an einer Amnesie leider. Die Spur der vier Flüchtigen führt Oxeca, wo er erneut erkannt wird, und in eine andauernde Fehde zweier verfeindeter Viehzüchter und Großgrundbesitzer, Joe Caldwell [ Helmuth Schneider ] samt Sohn Alan [ Alain Naya ] sowie Mr. Tom [ Guiseppe Lauricella ], dessen Sproß Tom Udo [ Lucio Rosato ] und die Schwester Sheila [ Evelyn Stewart ] gerät.

Die Wüstenwölfe bellen und grollen im Hintergrund, grau, braun und matschig scheint die Stadt, kaum erleuchtet, vieles im Dunkeln gelegt von der sternlosen Nacht. Der Fluss hat Hochwasser, Leben ist nur vor dem Gebäude mit der Aufschrift “Bank“, eine kleine Patrouille, zwei halten stehend Wache, einer geht auf und ab. Die Vorsicht ist nicht unberechtigt, Obacht ist geboten, es wird gewartet, ein später Geldtransport steht auf der Liste, Hunderttausend Dollar in Gold, viel Geld für viele Toten. 'Dodge City' soll die Stadt hier heißen, es gibt die Bank, es gibt ein Gefängnis, es gibt gar ein bald brennendes Irrenhaus; ein rauchendes und qualmendes Massaker, mit vielen gefährlichen Stunts.

Das lodernde Feuer und die gellenden Schreie sind bloß Ablenkung, ein zündelndes Chaos, ein Flammenmeer, ein Ausbruch, ein Bankraub, eine Flucht, eine Amnesie ("Das ist doch Django!" - "Du kennst mich? Dann sag mir, wer ich bin...Wer bin ich denn?"), die Landschaft ist farblos und karg, das Gedächtnis ist leer. Manche Bilder kommen einem bekannt vor, der Wasserfall ist auch bei Die rechte und die linke Hand des Teufels, das Bad der beiden Mormoninnen dort. Der Film hier ist gänzlich anders, es wird geschossen und gestorben, die Kamera dicht dran bis zitternd, die Kleidung blutig, Großaufnahmen der entleerten Waffen und dies aus jeder Perspektive, Kolben und Kammer, Lauf und Lunte, Kimme und Korn, wild abgefeuerte "Engelmacher", expressives Chaos im Gemetzel, ein Hinterhalt, ein “Mieselpriem“, Killer und Schakale, es geht um Geld, Geld gibt's nur durch Mord und Tod. Unattraktiv das Areal, verwildert Mensch und Umgebung.

Herbst ist hier die Jahreszeit, daher der Matsch, ein Sprint über nasses Laub, viel Kondition geliefert, die Wälder braun statt grün, das Wetter klamm; das erste Drittel sieht teilweise wie das Finale von Heute Ich...Morgen Du (1968) aus. Das Tempo ist hoch, die Gefahr ad hoc, die Aasgeier kreisen, man weiß nur, man muss weg von der steten Bedrohung, man weiß nicht wohin. Rechts wird sich gehalten, im Kreise wird gelaufen, die Lunge aus dem Leib gehustet. Edel ist das nicht, eher räudig, nicht episch, nicht humoristisch; E.B. Clucher zum Trotz. Die Marschrichtung ist schnell klar, ein violenter Spaghettiwestern. “Dicke Bohnen und Weißbrot“ werden hier auch angeboten, es gibt auch paar Kalauer ("Ho, ich höre Hufschlag, die Mutti kommt. Riecht nach Erbsen. Sieht auch aus wie Erbsen. Schmeckt auch wie Erbsen." - "Sind aber Bohnen."; Dialogbuch: Brunnemann & Brandt, Danneberg, Martienzen, Petruo, Brückner, Jurichs und Brandt selber sind bspw. auch als Sprecher am Start, die Crème de la Crème der Deutsche Synchron Filmgesellschaft mbH & Co. Karlheinz Brunnemann Productions KG, Berlin), es gibt Kartentricks, eine Barschlägerei, manches scheint wie eine Fingerübung für späteres, Barboni (der selber nur Fernando Baldi ersetzt hat) wechselt hiernach zur Komödie, mit einem komplett anderen Drehteam, dort soll er dann fest bleiben, der Film hier ein Flop, die nächsten lassen die Kassen glühen.

Die Handlung ist eher unklar, es gibt viele Parteien, erst ein Gaunerplot, später, so ab der Hälfte ein Familiendrama, der entscheidendere Punkt auch, es gibt Vater und Sohn, es gibt Schwester und Bruder, es gibt Pistoleros und Kopfgeldjäger, dazu ein Score von Riz Ortolani mit ständig dem gleichen und bald auch eher nervenden Thema. Die Regie ist auf der Suche nach einem Fokus wie Django nach seinem Gedächtnis und der Vergangenheit, es gibt religiöse Grundzüge, vertreten vor allem durch Strode, Leonard Mann selber (welcher von Danneberg gesprochen wird) durchstreift den Film mit leerem Blick, den Hut tief im Gesicht, den Schal um den Hals, er heißt auch nicht Django, außer im Deutschen natürlich, da hießen alle so; sondern Ciakmull a.k.a. Chuck Mool. Es wird sich in “geistige Unkosten“ gestürzt, es wird bös' geguckt, Eastman ist eher der Antreiber der Unholy Four, es ist viel auf Krawall gebürstet, aber “erstmal genaueres in Erfahrung bringen“; die Produktion auf dem Auflösen eines Traumas, der Forschung nach seiner eigenen Identität.

Beziehungsangelegenheiten werden hier geklärt, ein Familienrat mit Verschwörermiene, 2 und 2 zusammengezählt, privat Zwietracht gesät, eine “sehr, sehr merkwürdige Geschichte. Wenn Jemand anders sie mir erzählen würde, ich würde sie nicht glauben“, Rache wird eingepflanzt, psychologische Spielchen gespielt, Intimitäten insgeheim ausgedrückt, eine Manipulation eingestielt, die Claims abgesteckt, verlorene Gefühle insistiert. Ein Besuch auf einem nebligen, mit Laub zugewucherten Friedhof schwört einen Vatermord herauf, vorher gibt's Andeutungen von Inzucht, eine Tragödie bahnt sich an, “drei Jahre Hölle“, Ein Toter rechnet ab (Titel der Super 8/16 Fassung), ein ausschweifendes Feuergefecht, ein ausschweifendes Finale fast bei Tageslicht.

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