Review

Nicht zuletzt durch den kürzlich - dank Tarantino und Rodriguez - populär gewordenem Begriff „Grindhouse" scheint es mir an der Zeit zu sein, mal einen besonders schmierigen Vertreter dieser Sparte zu erwähnen. „I Drink Your Blood" enthält reichlich Elemente, um ihn zu einem trashigen Schmuddelklassiker avancieren zu lassen...
Der Streifen wurde zusammen mit dem 6 Jahre zuvor entstandenem Voodoo-Langweiler „I Eat Your Skin" (der zuvor als „Zombies" bekannt war) für die Double Feature Premiere als einer von „two great bloodhorrors to rip out your guts" angepriesen. Der Plot fällt überaus simpel aus...

Zu Beginn wird der Zuschauer mit einer Satansjünger-Hippie-Sekte konfrontiert, deren durchaus als charismatisch zu bezeichnender Anführer sehr eindrucksvoll den Manson-Verschnitt des bald darauf entstandenen „The Manson Massacre" - der mit dem geschmacklosen Werbespruch „So könnte Sharon Tate gestorben sein" (jaja, könnte...) lockte - vorwegnimmt. Das düstere Treffen wird von einer jungen Dame unterbrochen, deren Freund der Sekte angehört und die erst vergewaltigt wird und am nächsten Tag völlig verstört nach Hause taumelt... Der Großvater der Familie sinnt auf Rache, schnappt sein Gewehr und sucht die Radaubrüder auf, nur um sich jede Menge Ärger einzuhandeln. Jetzt will der noch im Kindesalter steckende Enkelsohn seinerseits den Großvater rächen und jubelt den Satanisten-Hippies Fleischpasteten unter in die er das Blut eines tollwütigen Hundes gemischt hat. Und bald sabbern und schlurfen die - nach der Erklärung eines Arztes - wegen LSD und Tollwut durchdrehenden Rowdys durch die Gegend, infizieren oder töten wahllos andere Leute und zeigen nur vor Wasser Furcht (man kennt ja die ungwaschenen Hippies...) Am Ende kann man die „Invasion" niederknüppeln und merkt an, dass man sie damit von der Tollwut erlöst habe...

Es verwundert wohl kaum, dass der katholische Filmdienst oder Hahn und Jansen in dem Film einen übelen Hetzfilm mutmaßten, der überaus gefährlich sei - nicht dass diese Herrschaften auf Seiten der Hippies gestanden haben, ein „Leichenhaus der lebenden Toten" wurde schließlich ebenso zerfetzt, es war nur einmal mehr die Gewaltdarstellung, die die Gemüter erhitzte... Und davon besitzt der Film jede Menge; selbstzweckhafte, recht graphische Brutalo-Effekte verquicken sich hier mit einer Weltanschauung, die es mit Gewaltausübung eh nicht so eng sieht. Das findet sich selbst in Kleinigkeiten wieder und so sagt man ruhig auch mal einer schwangeren Bekannten ins Gesicht, dass sie infiziert und hoffnungslos verloren sei (woraufhin sie sich schon halb dem Tollwutrausch verfallen einen Pfahl in ihren gewölbten Bauch rammt). Es gab aber auch aufgeschlossenere Kritiker, etwa Gene Wright, der sich in seinem Werk „Horrorshows" recht positiv äußerte („A good, grisly proto-splatter film which deserves a better title") und in dem Film eine Reminiszenz an „Night of the Living Dead". Tatsächlich steht der Film eher als Vorläufer einer Reihe von Streifen wie „The Crazies" oder „Blue Sunshine" da (eine Darstellerin tauchte später auch in den ähnlich gelagerten „The Crazies" und „Shivers" wieder auf).

Um dem Film aber Qualitäten zuschreiben zu können, sollte man ihn vor allem als Komödie sehen... Neben der etwas grotesken Geschichte werden immerhin einige Gags eingebaut... Da gibt es einen Rattenspieß, der John Waters widerwärtigen Beginn von "Desperate Living" (1976) alt aussehen lässt, in einem Zweikampf beisst der wilde Anführer einen Rentner der dabei sein Gebiss verliert und die Helden halten die rasenden nicht mit Gewehren oder Pistolen in Schach, sondern mit heftigem Geplansche im nächstbesten Nass (man erinnere sich an das Wasserscheue Wesen der Verseuchten...). Ein paar dann wohl aber eher unfreiwillig unbeholfene Kampfsequenzen erledigen das übrige. Das Gesamtbild wird abgerundet durch den aus den Mundwinkeln laufenden Speichel der eher an Haferschleim erinnert und die einfachen aber ansehnlichen Effekte in bester Herschell Gordon Lewis Manier.

Auf keinen Fall sollte man vergessen auf den Soundtrack des Films hinzuweisen: Auch wenn er nicht ganz so penetrant daherkommt wie das „Mesa of the Lost Women" Gedudel, sollten sich alle denen die Klänge bei „TCM" und „Man Eater" bereits zu viel waren, zweimal überlegen ob der Film für sie in Frage kommt. Das entzückende Leitmotiv besitzt nämlich den Liebreiz eines schrillen Weckers am frühen Morgen.
Insgesamt kommt der Streifen sehr billig und unernst rüber, vermittelt dafür aber auch jede Menge Spaß. Mehr als eine gute 5/10 ist aber dann auch wieder nicht drin.

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