Review

Schaum vorm Mund, brüllend und mit weit aufgerissenen Augen gehen sie mit Waffen auf die noch übrig gebliebenen Dorfbewohner los: Die Tollwütigen.
Es scheint fast so, als nähme dieser Streifen manche Verhaltensmuster vorweg, die später gar Romero für seine Zombiefilme aufgriff, denn einige Parallelen sind unverkennbar.
Auch Wes Cravens frühe Terror-Filme wie „Last House on the Left” und “Hügel der blutigen Augen” könnten von dem Werk beeinflusst worden sein, - die leicht trashige Mischung ist schon eine merkwürdige.

Allein die Hippie-Satanisten geben ein skurriles, multikulturelles Bild ab; mit Indianer, Schwarzen, der schwangeren White-Trash-Trulli und einer Chinesin bilden sie eine Gruppe, die sich soeben für ein Satansritual zusammen gefunden hat. Nachdem sie eine heimliche Beobachterin vergewaltigen und deren Opa ebenfalls an der Gang scheitert, will sich der Junge Pete an den Typen rächen, indem er ihnen Fleischpastete mit dem Blut eines tollwütigen Hundes unterjubelt, woraufhin die Mischung aus Tollwut und LSD bei den Hippies so richtig einschlägt…

Allzu drastisch erscheinen einzelne Erzählelemente für zeitgenössisches Empfinden wahrlich nicht mehr. Die Vergewaltigung wurde beispielsweise komplett ausgeklammert, man sieht nur, wie das Mädchen umzingelt wird und anschließend mit krummen Rücken und etwas Blut an den Beinen über die staubige Straße krauchelt.
Was dem Streifen allerdings derbe anzukreiden ist, sind die echten Tieropfer, wohl aus mangelndem Budget. Einem Huhn wird der Hals durchgeschnitten, einige Ratten müssen dran glauben, sowie ein totes Kaninchen und eine getötete Ziege sind zu sehen, - ähnlich wie bei einigen Kannibalenfilmen hinterlässt das einen latent bitteren Beigeschmack, zumal es für die Handlung zu keiner Zeit dienlich ist.

Die Story selbst vermag allerdings größtenteils zu fesseln. Die Hippies, allen voran ihr selbstverliebter Anführer, der Indianer, erscheinen durchweg abartig. Man könnte sogar sagen, dass die spätere Tollwut ihre wesentlichen Charaktermerkmale nur verstärkt, aber aus ihnen keine plötzlich mordenden Bestien macht, die sie zuvor ohnehin schon schienen.
Insofern ist man selbstverständlich komplett auf Seiten der arglosen Dorfbewohner, wie dem alten Tierarzt, dem Vergewaltigungsopfer, natürlich Junge Pete und einer Bäckerin.
Nachdem sich die Hippies in einem leeren Hotel einquartierten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis beide Lager aufeinander prallen und der Terror nach Einnahme der infizierten Pasteten um sich greift.

Und da bekommt man letztlich eine Mischung aus spannenden Situationen und unfreiwilliger Komik präsentiert. Der Schaum vorm Mund wirkt wie Rasierschaum und das Brüllen und Augen verdrehen einiger Beteiligter ist schon nah an der Grenze zur Zirkus-Nummer.
Zumal das einzig probate Mittel gegen die Tollwütigen Wasser ist (mal abgesehen von Schusswaffen) und sich einige wie wasserscheue Kinder gebärden, wenn sich Flüchtende mit dem Gartenschlauch zur Wehr setzen.

Als die Seuche jedoch massenweise um sich greift, ist während des letzten Drittels eine angenehme Temposteigerung zu verzeichnen.
Immer wieder fliehen Leute in Panik, während eine bewaffnete Meute hinter ihnen herjagt, man muss sich im Haus verschanzen, zur Not im Keller mit Gewehr im Anschlag auf die Eindringlinge warten und sich auch körperlich zur Wehr setzen, wobei auf mögliche Bisse wegen hoher Ansteckungsgefahr zu achten ist.
Dabei kommt es im Verlauf sogar zu kleinen Splatterszenen mit einigen abgetrennten Gliedmaßen, einem Degen der vom Rücken bis durch den Mund gestochen wird, einem Kopfschuss, sowie Messerstich mit austretenden Innereien.

Da die Produktion keine sonderlich aufwendige ist, mag man den einen oder anderen Störfaktor aufgrund der Vorreiter-Rolle des Stoffes sogar noch verzeihen.
Besonders bei den Darstellern muss man angesichts Overactings einige Abstriche machen und auch die Sounduntermalung mit zeitgenössischen psychedelischen, schrägen Tönen nervt auf Dauer reichlich.
Auf der anderen Seite beweist die Geschichte ein mutiges Vorgehen mit Exploitation-Elementen, völlig entgegen des zeitgenössischen Mainstreams, auch wenn der im selben Jahr erschienene „Wer Gewalt sät“ eine bedrückende Wirkung auf anderer Terror-Ebene verbreitet.
Dieser ist eher etwas für Trash-Freunde und Horrorfilm-Komplettisten, im unterhaltsamen Gesamtbild aber nicht zu verachten.
7 von 10

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