"Wir kämpfen für die Männer und Frauen deren Geschichte noch nicht geschrieben wurde, die aber bald genauso viel Berühmtheit erlangen werden wie andere auch"
"Glory" basiert auf wahren Begebenheiten und wird auf Basis von Briefen, die Robert G. Shaw während des Bürgerkrieges seiner Mutter schrieb, geschildert.
Während des amerikanischen Bürgerkrieges wird Robert G. Shaw (Matthew Broderick) verwundet. Nach seiner Genesung und Beförderung obliegt ihm eine besondere Aufgabe: Er soll ein Regiment ausschließlich aus Schwarzen ausbilden, was bislang einzigartig ist. Gemeinsam mit seinem Freund Major Cabot Forbes (Cary Elwes) geht er diese heikle Aufgabe an. Die Männer die sich freiwillig melden sind zu Hauf geflohene Sklaven aus dem Süden. Trip (Denzel Washington) der gerne mal überreagiert, der einstige Haussklave und Freund Shaw's Thomas Searls (Andre Braugher) sowie der verhaltene John Rawlins (Morgan Freeman) gehören zu dieser Gattung. Nicht immer ist das Verständnis untereinander vorhanden. Schlimmer ist aber die nach wie vor vorherrschende Benachteiligung der Farbigen, die weniger Sold als weiße Soldaten erhalten und trotz ständiger Trainingseinheiten nicht für einen Einsatz an der Front vorgesehen sind. Robert G. Shaw will dies mit Nachdruck erreichen, da sein Regiment mehr als nur bereit für einen Einsatz ist.
Edward Zwick's Nacherzählung über Rassismus, Diskriminierung und Unterdrückung in einer sich wandelnden Zeit stellt die Grundlage für noch weitere seiner noch folgenden Filme dar. Schon immer verstand er es, ein imposantes Schlachtengemälde zu erzeugen und das Militär kritisch sowie pathetisch in den Vordergrund zu stellen. So folgt das spätere "Mut zur Wahrheit" getreu dieser Linie, "Last Samurai" entwendet gar ganze Blöcke aus Zwick's Einstieg in das Kriegsdrama.
Viele Schlachten sollte man nicht erwarten. "Glory" nutzt den Krieg als Kulisse und setzt im gesamten mittleren Teil auf die Ausbildung und das interagieren der Helden untereinander. Dafür sind die recht kurzen Schlachtszenen zu Beginn und im Finale umso eindrucksvoller. Packend und aufwendig zeigt der Film authentisch die damalige Kriegsführung. Obwohl hunderte Statisten das Bild füllen lässt Zwick es nicht aus, auch Einzelschicksale in kurzen, schnell geschnittenen Szenen zur Geltung zu bringen, und den Krieg auf seine abscheulich blutige Weise zu zeigen.
Die geniale Kameraführung vermittelt dabei ein starkes Mittendrin-Gefühl, was der tollen Kulisse und der spektakulären Kriegsatmosphäre nochmals zu Gute kommt.
Durch den geschickten Einsatz von melodramatischer Musik kommt das zwischenmenschliche Drama auch recht emotional rüber.
Die Rahmenhandlung ist sehr konventionell geraten. Wie schon andere Filme im Bereich der Militärdramen schildert auch dieses die Kameradschaft und das Zusammenwachsen der Soldaten. Hierbei hilft das ausgefeilte Charakterdesign, dass sich trotz ein paar Längen der Großteil des Films immer in Bewegung befindet und selten Langeweile aufkommt. Obwohl die Figuren zu Beginn sehr geradlinig agieren, gönnen Schauspieler und Drehbuch diesen genug Zeit, um sich zu späterem Zeitpunkt glaubwürdig weiter zu entwickeln. Möglicherweise ein wenig zu viel, denn die sich plötzlich zu Helden wandelnden Figuren wirken unweigerlich übertrieben gefügig, was dem amerikanischen Sinn für Pathos mehr als gerecht wird.
Eine weitere Stärke des Dramas sind dessen Darsteller. Denzel Washington ("Training Day", "Mut zur Wahrheit"), der hierfür den begehrten Oscar erhielt, passt sich seiner Rolle des perspektivlosen gescholtenen Sklaven überragend an. Der meist stählerne Ausdruck mit seinem hämischen Grinsen passt wie die Faust aufs Auge. Morgan Freeman ("Wanted", "Million Dollar Baby", "The Dark Knight") wandelt souverän in einer ruhigeren, sympatischeren Rolle. Andre Braugher ("Stadt der Engel", "Der Nebel", "Live!") agiert noch ein wenig übermotiviert und schafft es nicht immer gerade die schwierigen Momente entsprechend seiner Figur umzusetzen.
Matthew Broderick ("Godzilla", "Inspektor Gadget") erscheint noch ein wenig unbeholfen, was seiner Figur des unerfahrenen Soldaten in plötzlich leitender Position, witzigerweise zu Gute kommt. Dagegen macht Cary Elwes ("Saw") einen solideren Eindruck, dieser bleibt aber überwiegend nur im Hintergrund tätig.
"Glory" kompensiert seine Schwächen durch seine Stärken. Das Kriegsdrama brilliert mit kurzen, gewaltigen Schlachten, einer dichten Atmosphäre sowie Darstellern, die ihre Charaktere glaubwürdig interpretieren. Die sehr konventionelle Geschichte mit ein paar holprigen Längen und die recht pathetische Aufmachung fallen dabei nur nebensächlich unangenehm ins Gewicht.
8 / 10