Überzeugendes Frühwerk von Phillip Noyce, das in die beliebte Thrillerkategorie der Spannungserzeugung auf möglichst begrenztem Raum gehört.
John (Sam Neill) und Rae Ingram (Nicole Kidman) wollen nach dem Unfalltod ihres Sohnes alles vergessen und machen eine Segeltour mit dem eigenen Boot. Marineoffizier John versucht seine Trauer mit übertriebener Selbstsicherheit zu überspielen, während sich Rae ganz offen selbst die Schuld an dem Unfall gibt. Darunter leidet die Ehe natürlich und wir hätten den altbekannten Subplot des zerrütteten Paares, das durch gemeinsamen Überlebenskampf wieder zusammengeschweißt wird.
Das Paar nimmt den Schiffbrüchigen Hughie Warriner (Billy Zane) an Bord, dessen Schiff sinkt. Die restlichen Passagiere seien an Lebensmittelvergiftung gestorben. John fährt trotzdem zu dem anderen Boot und muss feststellen, dass sie einen Psychopathen an Bord geholt haben, der die andere Mannschaft getötet hat. Doch zu spät: Hughie entführt Boot und Ehefrau und lässt John auf dem sinkenden Kahn zurück…
Von da an entwickelt sich ein simples, aber ziemlich spannendes Kammerspiel an zwei Schauplätzen. John kämpft auf dem sinkenden Schiff gegen das einströmende Wasser, doch kann damit nur Zeit bis zum endgültigen Untergang schinden. Doch dieser Handlungsstrang dient gleichzeitig um die Bedrohung an Bord des Ingram-Bootes noch zu intensivieren: Zum einen bedeutet es, dass Rae schnell zu ihrer alten Position zurückkehren muss, zum anderen erkennt John anhand von gefundenen Videoaufnahmen wie gefährlich Hughie wirklich ist.
Der Hauptpart spielt jedoch an Bord des Bootes auf dem sich Rae und Hughie befinden. Hughie hat die Kontrolle, während Rae alle auf dem engen Raum möglichen Maßnahmen ergreift, um mit ihren Peiniger fertig zu werden. Hier erweist sich „Todesstille“ als sehr einfallsreich und holt trotz des begrenzten Handlungsspielraums viele Möglichkeiten heraus (Versuch den Zündschlüssel zu versenken, Suche nach einer Waffe gegen den Psychopathen usw.). Dabei ist das Gefühl der Bedrohung stets allgegenwärtig, was Raes Kampf gegen den Verrückten ziemlich spannend macht. Ein paar fiese Überraschungen machen den Plot noch interessanter, wenngleich man ein paar davon (Stichwort: Harpune durch die Tür) schon vorausahnt.
So mangelt es bei „Todesstille“ nur in Details. Über den Mangel an Motiven bei Hughie sieht man ja gerne hinweg, er ist halt einfach verrückt, doch leider ist sein Verhalten etwas unglaubwürdig, wenn er sich immer wieder von Rae um den Finger wickeln lässt, obwohl die ihn ganz offensichtlich loswerden will. Hinzu kommt dann noch das klischeehafte Ende, bei dem Rae, die den Rest des Films über die ganze Arbeit im Kampf gegen den Psychopathen geleistet hat, auf einmal von ihrem Ehemänne gerettet werden muss. Zwar sind das alles nur kleine Schönheitsfehler, die sich jedoch etwas läppern.
Tadellos hingegen die Schauspielleistungen, bei denen vor allem Billy Zane als Psychopath große Klasse ist und mit viel bedrohlicher Ausstrahlung agiert. Doch auch Nicole Kidman verkörpert die Wandlung der trauernden Rae zur Kämpfernatur ebenso überzeugend wie Sam Neill den zur Untätigkeit verdammten Ehemann darstellt. Die tollen Leistungen des Trios tragen dann auch zum Gelingen des Films bei.
Somit ist „Todesstille“ ein wirklich spannendes und einfallsreiches Kammerspiel auf hoher See, wenngleich einige Unglaubwürdigkeiten und ein etwas sehr klischeehaftes Ende den Spaß dann stellenweise trüben.