Review

Rosamunde Pilcher? Man geniert sich fast, über einen solchen Film eine Rezension zu schreiben. Wer sich eine Pilcher-Romanverfilmung anschaut, der weiß schließlich von vornherein, was ihn erwartet: seichteste Unterhaltung auf Groschenroman-Niveau, Traumfabrik für Lieschen Müller, ausgesucht schöne Menschen in ausgesucht edlen Häusern und Autos, Herz und Schmerz, happy end mit Mehrfachhochzeit, dazwischen eine saftige Intrige durch eine Erz-Bösewichtin, für die diesmal Heidelinde Weis ihr Gesicht hinhalten muß. Ist Vivian Gould-Parkers Sohn Peter wirklich der Sohn des schwerreichen Medienmoguls Hanthorpe? Nein, ist er nicht, sondern seine Mutter ist eine Betrügerin. Und nein, der brave, unschuldige Junge schafft es auch trotz tatkräftiger Hilfe des betrogenen Medienmoguls nicht, dem Landschaftsgärtner Oliver seine attraktive Freundin Amanda auszuspannen. Ich setze diese Spoiler ohne auch nur die geringste Spur schlechten Gewissens, weil es erstens nicht schade um den Film ist (man spart sich nur Zeit, wenn man das Ende gleich erfährt), und weil es zweitens für diejenigen, die sowas wirklich mit Begeisterung angucken, noch über hundert weitere Pilcher-Verfilmungen ähnlichen Kalibers gibt.

Ich habe mir das angetan, weil ich die hier mitspielende Heidelinde Weis als Schauspielerin seit Jahrzehnten hoch verehre. Wie immer spielt sie glaubhaft und facettenreich. Hätte der Regisseur den Fokus auf diese Rolle gesetzt und aus dem Stoff ein Psychogramm der Übeltäterin und ihres Opfers gemacht, dann hätte daraus ein richtig guter, spannender Thriller werden können. Heidelinde Weis und Klaus Wildbolz wären dafür auch schon gleich die passende, fähige, kompetente Besetzung gewesen.

Aber da der Film nun mal als seichte Fernsehunterhaltung im Rahmen einer über hundert Filme umfassenden, immer gleich naiv gestrickten Serie konzipiert war, wurde diese Chance vertan. Ein Pflichtpunkt fürs Drehbuch, ein zweiter für die handwerklich brave Leistung aller Beteiligten - und ein mageres, drittes Extra-Pünktchen für die Mitwirkung von Heidelinde Weis. Schade, dass sie sich dafür hergegeben hat.

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