„Ring two“ ist die Fortsetzung des (guten) US-Remakes („the Ring“) eines hervorragenden, aber doch irgendwie überschätzten Originals („Ringu“), zu dem es ebenfalls ein Sequel („Ringu 2“) gibt, dessen Story jedoch nicht die Vorlage dieser Hollywood-Neuversion darstellt. Dafür gibt der Regisseur von „Ringu“ (sowie seiner Fortsetzung), Hideo Nakata, nun mit „Ring two“ sein US-Debüt, und zwar nach einem Skript von Ehren Kruger (“Arlington Road“/“the Ring“), welches offenkundig bestimmte Elemente eines weiteren japanischen Grusel-Hits – „Dark Water“ – aufweist, zu welchem auch ein Remake unterwegs ist und der im Original ebenfalls von Regisseur Nakata inszeniert wurde…
Verwirrt? Ach, halb so wild, aber irgendwie passt das zu dem (für Einsteiger) etwas konfusen Aufbau und Verlauf von „Ring two“. Man kann sogar noch weiter fortfahren – es gibt zudem nämlich ein japanisches Prequel („Ring 0“), ein koreanisches Remake („Ring Virus“) sowie eine komplett alternative erste Fortsetzung zu „Ringu“ (namens „Ring Spiral“), welche sich enger an die Romanvorlage von Koji Suzuki hält. Angesichts dieser Vielzahl bereits ausgelatschter Storypfade, war die Entscheidung, für die zweite US-Variante eine neue Richtung einzuschlagen, eine durchaus begrüßenswerte Sache.
Zweifellos werden diejenigen, die das US-Remake mochten, größere Freude an diesem Sequel haben, doch auch darüber hinaus lohnt sich ein Blick – hauptsächlich aufgrund des veränderten Storyverlaufs sowie Naomi Watts (“Mulholland Dr.“/“21 Grams“), die ein weiteres Mal ihr Talent angesichts einer eher limitierten Rolle überzeugend unter Beweis stellen kann.
Die Handlung setzt sechs Monate nach den Ereignissen in Seattle ein, bei denen Rachel Keller (Naomi Watts) und ihr Sohn Aidan (David Dorfman – „T.C.M“) nur knapp einem schrecklichen Fluch entkommen konnten, welcher die Betrachter eines geheimnisvollen Videobandes nach genau sieben Tagen heimsucht. Um diesen Erinnerungen zu entfliehen, ist Rachel mit Aidan ins beschauliche Küstenstädtchen Astoria (Oregon) gezogen, doch ihre Zeit der Erholung scheint vorüber, als die Beweise an einem örtlichen Tatort, zu denen auch ein unmarkiertes Videotape gehört, darauf hindeuten, dass sie die Ereignisse von damals tatsächlich eingeholt zu haben scheinen. Schnell wird Rachel bewusst, dass der rachsüchtige Geist von Samara dahinter steckt und es speziell auf Aidan abgesehen hat – schließlich ist bekannt, dass man eine liebende Mutter am schmerzhaftesten durch das eigene Kind treffen kann…
Gleich vorweg: Auf der DVD-Version von „Ring two“ wird wohl ein Kurzfilm namens „Rings“ enthalten sein, der die Brücke zwischen den beiden Filmen schlägt sowie die Teens am Anfang der Fortsetzung einführt. Ferner werden weitere „Ring“-Anhänger, wie auch eine entstanden Subkultur übers Sehen des Bandes, in welcher man den Fluch durch Maßnahmen nach dem Sichten kontrolliert und entgegenwirkt, vorgestellt…
Ich muss tatsächlich etwas gestehen, was ich im Vorfeld eigentlich nicht für möglich gehalten habe: Mir gefiel Gore Verbinskis kühle Inszenierung des Vorgängers besser als die eher gediegene Variante des Herrn Nakata! Der asiatische Genremeister beweist zwar auch hier, dass er ein gutes Feeling sowie Auge für die Umsetzung atmosphärischer Situationen besitzt, doch irgendwie war der erste Teil stimmiger und spannender. Beispielsweise kann die Eingangssequenz von „Ring two“, welche jener des anderen Films sehr ähnlich ist, im Vergleich einfach nicht mithalten (höchstens vom fiesen Hintergedanken her). Etwas mehr Tempo am Anfang hätte wahrlich nicht geschadet, anstatt eines solch ruhigen (aber typisch asiatischen) Storyaufbaus.
Neben den stark agierenden Watts und Dorfman sind alle weiteren Darsteller, wie etwa Simon Baker („Red Planet“) oder Elizabeth Perkins („Moolight & Valentino“), kaum der Rede wert – mit Ausnahme von Sissy Spacek („Carrie“) als Samaras leibliche Mutter, die einen hervorragenden Gastauftritt absolvieren darf. Die überzeugenden, atmosphärisch-düsteren Bilder stammen übrigens von Kameramann Gabriel Beristain („Blade 2“), der stimmige Score von Hans Zimmer („the Pledge“).
Die Liebe von Rachel zu Aidan ist zu einem entscheidenden Bestandteil der Geschichte geworden, welcher im Kontext sehr gut funktioniert, denn um die Bedrohung zu überkommen, muss die Liebe zu ihrem Kind bedingungslos sein, während sich Samara nichts sehnlicher wünscht, als mal eine geborgene Umgebung erfahren zu können. Um das zu erreichen, wurde die Handlung in Richtung „Besessenheit“ gelenkt, was zeitweise Erinnerungen an den „Exorzist“ hervorruft (vor allem bei Samaras „Spinnengang“, der aber sowohl creepy als auch cool anzusehen war). Und als Aidan seine Mutter zum ersten Mal „Mommy“ nennt, weiß man, dass da etwas nicht stimmt…
Mit Ausnahme des Anfangs und Endes erinnert der Film somit eher an „Omen“ als an „the Ring“, was sich gut im Sinne der Abwechslung, jedoch weniger optimal bezüglich der Spannung herausstellt: Hatte man im ersten Teil noch die stetig tickende 7-Tage-Uhr im Hintergrund, weicht dieser Faktor dem eher konventionellen (Besessenheits-) Grusel, wobei Samara zunehmend zu einem typischen Horror-Villain (mit telekinetischen Fähigkeiten etc) verkommt und einen Teil ihrer geheimnisvollen Aura einbüßt.
So aber lernen wir ihre einzige Schwäche kennen: Wasser! Und davon sehen wir im Film reichlich – man hat dieses Element (ähnlich wie in „Dark Water“) effektiv und sinnvoll eingesetzt, was einen tollen Effekt beim Erscheinen des Bösen erzielt. Badewannen sind in Horrorfilmen ja bekanntlich nie ein guter Platz, um sich aufzuhalten (siehe “Nightmare on Elm Street“,“They come from Within“,“Stigmata“ oder jüngst „Constantine“ bzw.„Hide & Seek“), und „Ring two“ ist da keine Ausnahme – vor allem die erste Szene dieser Art ist absolut beeindruckend!
Allgemein sind die CGI-F/X überdurchschnittlich gut ausgefallen, was vor allem für die Tiere gilt: Gab es im Vorgänger eine einprägsame Pferde-Szene, ist es hier der Angriff einer Caribou-Herde, der den gewünschten Effekt erzielt. Für Betrachter, die etwas genauer hinsehen, wird die Verbindung der Tiere in einigen Szenen (versteckt) erläutert – zusätzlich erfährt man, woher einige weitere Bildfetzen des Videos stammen…
Fazit: „Ring two“ kombiniert fast schon klassische Horror-Motive mit Elementen eines starken Mutter-Kind-Dramas innerhalb einer neuen Story-Ausrichtung zu einem unterhaltsamen Gesamtwerk, welches reichhaltiger an Atmosphäre als an Hochspannung ist, trotzdem aber eine gelungene Erweiterung der Thematik und Filmreihe darstellt … 7 von 10.