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Der Hollywood-Schocker "The Ring" von 2002 hat definitiv einen (kleineren) Eintrag im modernen Filmgeschichtsbuch sicher. Und das aus zwei Gründen. Zum einen startete dieser Streifen eine derzeit nicht aufhaltbare Welle von amerikanischen Remakes japanischer Gruselschocker (mit "Dark Water" erreicht uns demnächst schon das nächste Remake), die beim hiesigen Publikum durchaus das Interesse an jenen Asiaten-Schocker weckte. Zum anderen aber auch deshalb, weil es eines der gelungensten und erfolgreichsten Remakes aller Zeiten darstellte. Logisch also, dass nun auch hier eine Fortsetzung folgen musste. Wer jetzt aber denkt, dass es sich bei "Ring 2" nun um das Remake des japanischen "Ringu 2" handelt, der irrt. Denn trotz gleichem Regisseur geht "Ring 2" andere Storypfade und kann dadurch die Klasse des Vorgängers und der Originale nicht mehr erreichen, wobei aber immer noch ein guter Film am Ende rausgekommen ist.

Storymäßig verlässt "The Ring 2" den eigentlichen Ring-Mythos, um das verfluchte Videoband und seine Hintergründe und konzentriert sich dieses mal voll und ganz auf die Beziehung zwischen Rachel und ihrem Sohn Aidan, die von Samara wieder einmal gestört wird. Doch diesesmal reicht es Samara nicht von einem Videoband aus Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern nimmt besitzt von Aidan und seinem Körper. Dabei nimmt Drehbuchschreiber Ehren Kruger ("Ring", "Scream 3") eigentlich durchgehend eigene Storypfade in Anspruch und vergreift sich nur noch an den wenigsten Stellen, an der originalen Ring-Trilogie. Das ist zwar auf der einen Seite erfreulich, denn schließlich ist es durchaus Lobhaft für Hollywood, mal eine eigene Geschichte zum Mythos auf die Beine zu stellen. Auf der anderen Seite geht dadurch aber auch viel vom eigentlichen Spirit der Ring-Reihe verloren und alles verkommt zu einer typischen, wenn auch leicht gehobenen, Hollywood-Horror-Geschichte, die kaum noch etwas vom japanischen Gruselkino übrig hat, bis auf vielleicht die langen schwarzen Haare von Samara und dem Schlussszenario. Des weiteren sollte man natürlich auch in keinster Weise auf Logik setzen, denn die ist dieses mal wirklich vollkommen abhanden gekommen. Aber das ist man ja beim amerikanischen Horror-Kino eh schon gewohnt.

Das "The Ring 2" aber dennoch alles andere als schlecht ist, dass ist wohl vor allem Regisseur Hideo Nakata zu verdanken, der schon bei den Originalfilmen seinen Platz auf dem Regiestuhl hatte. Trotz der größtenteils recht löchrigen Story, bleibt das ganze Treiben bis zum bitteren Schluss hochgradig spannend und vor allem höchst atmosphärisch. Der absolut perfekte Einsatz von düsteren Farbfiltern und tristen Kulissen, die eine überaus gelungene Optik erzeugen, und einer absolut genialen Sounduntermahlung, versprechen Schweißbäche am laufenden Band, die bis zum Ende nicht aufhören zu fließen. Vor allem in punkto Score gab es, trotz der Gleichheit mit dem ersten Teil, kaum etwas atmosphärischeres und packenderes in letzter Zeit zu hören, als hier. Ähnlich wie bei "Ju On", siegt auch hier die fabelhafte Inszenierung locker, über die seichte Story und läßt diese fast vergessen machen.

Dazu gibt es dann noch Schockeffekte Deluxe, die jeden Zartbesaiteten aufrecht im Kinosessel sitzen lassen. Wenn Aidan z. Bsp. in der Badewanne sitzt, Rachel sich um ihn kümmern möchte und plötzlich Samara in der Hand hat, dann ist das Zittern groß. Oder Rachels schier erdrückender Befreiungsversuch aus dem Brunnen, mit einem von Samara durchgeführten Spider-Walk, der selbst Linda Blairs ähnliche Szene im Exorzisten alt aussehen lässt. Und natürlich noch allerhand verschrobene, gar scheußlich verunstaltete Gesichter und vieles mehr. Wer hier nicht mindestens einmal zusammenzuckt, der dürfte schon längst nicht mehr unter den Lebenden weilen!;)

Schade nur, dass sich Regisseur Nakata ab und an ein wenig "zu gut" um die Beziehung zwischen Rachel und Aidan kümmert. Um die richtige und gewünschte Wirkung zu erzielen, muss der Zuschauer zwar wirklich spüren, wie nahe sich Mutter und Sohn hier stehen (auf eine normale familiäre Art und Weise versteht sich), doch spätestens wenn Rachel zum mittlerweile 20. Mal "Mein Schatz..." zu Aidan sagt, geht einem das, übertrieben bedeutungsschwanger wirkende, Gesäusel auf die Nerven.

Zudem enttäuscht einem dann auch noch das eher unpassende Ende. Zwar sind es vor allem diese letzten 15 Minuten, die den Zuschauer eine schiere Achterbahn des Grauens vorsetzen, doch wirklich zum Rest passen sie einfach nicht und sind zu dem eigentlich auch völlig an den Haaren herbeigezogen. Anscheinend wollte Nakata (bzw. Drehbuchschreiber Kruger) nun doch noch etwas aus seinem originalen "Ringu 2" mit hinein bringen und das passt im Gesamtbild dann einfach nicht. Aber nun gut, schön schockig ist das Ganze aber, wie schon erwähnt, dennoch.

Mehr als gelungen, dürfen dagegen die Schauspielerleistungen betrachtet werden, die viel zum "Gut-Satus" des Films beitragen. Da wäre zum einen Naomi Watts, die sich regelrecht hineinversetzt, in ihre Rolle der fürsorgenden Mutter und diese auch beim zweiten Mal wieder vollkommen überzeugend zur Schau stellt. Dazu noch ein paar Gastauftritte von einer leicht unterforderd wirkenden Elizabeth Perkins, als Psycho-Schwester und eine, an frühere Carrie-Zeiten erinnernde, mehr als löbliche Sissy Spacek, als vollkommen durchgeknallte Mutter von Samara.

Größtes Lob gebührt allerdings dem kleinen David Dorfman, der hier förmlich mit seiner Rolle, des von Samara besessenen Aidan, zu verschmelzen scheint. Schon im ersten "Ring"-Film, konnte er mit seinem kühlen Schauspiel begeistern, doch hier ist er regelrecht eine Wucht und spielt alle seine erwachsenen Mitstreiter an die Wand. Wer nach einem männlichen Ebenbild zum schauspielenden Kinder-As Dakota Fanning gesucht hat, der wird in Dorfman definitiv fündig. Nicht einmal Daniel Radcliffe oder gar ein Macaulay Culkin können bzw. konnten ihre Rollen so schier genial darstellen, wie er. Wenn alles klappt, dann dürfte aus ihm noch ein großartiger Schauspieler werden! Mein Segen hat er jedenfalls dafür!

Fazit: Spannender und vor allem höchst atmosphärischer zweiter Teil, der amerikanischen Version der Ring-Reihe, der mit völlig neuen Storypfaden aufzuwarten versucht und letztendlich auf ihnen scheitert. Doch durch seine perfekten Schocks und einer 1A Inszenierung bleibt, trotz der leicht verfehlten Geschichte, dennoch ein verdammt gruseliges Schauerstück zurück, das Fans von Adrenalin-Schockern garantiert nicht kalt lässt. Und für Horror-Anfänger dürfte es wieder einmal der ideale Test sein, wie viel das schwache Herz doch auszuhalten vermag. Kerzengerades Sitzen im Kinosessel ist für sie jedenfalls garantiert!

Wertung: 7/10 Punkte

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