Review

Man hätte vorgewarnt sein müssen – spätestens als bekannt wurde, daß sich Ehren Kruger auch an „Ring 2“ versucht, war Böses zu erwarten. Zwar ist er auch für die US-Version des ersten Ring-Films verantwortlich, aber da konnte er auch nicht mehr so wahnsinnig viel falsch machen, denn abgesehen von einer anderen geschlechterspezifischen Betonung sind die Filme erzählerisch nahezu deckungsgleich.
Hier jedoch mußte er einen in Asien entwickelten Mythos weiterspinnen – garantiert zuviel für den Mann, der im Grunde schon mit mangelnder Schärfe die „Scream“-Reihe zu Grabe getragen hatte.

Nun ist „The Ring Two“ am Ende zwar ein solider Horrorfilm geworden, aber da man ihn zwangsläufig an seinem Vorgänger mißt, ist es eigentlich eine bodenlose Enttäuschung.
Die grimmige, nihilistische und stets Unbehagen verursachende Story verkommt in diesem zweiten Teil zu einer simplen Angelegenheit von dämonischer Besessenheit, bei der Mutti den Sohnemann retten muß und beide in ihren Träumen miteinander verbunden sind.

Daran kann man es schon ganz deutlich erkennen, hier waltet und schaltet der amerikanische Familiengeist wider dem bösen Übernatürlichen, mit reichlich Motiven, die unterschwellig so faszinierenden Genrewerken wie „Nightmare“ (Traumverbindungen), „Poltergeist“ (Familie, Kinderrettung) oder „Omen“-Stoffen (das besessene Kind) entliehen sind. Der Mythos vom racheschnaubenden Kindergeist verpufft hier binnen weniger Minuten, obwohl wir ja aus Teil 1 wissen, daß Rachel (Naomi Watts) durch ihre Rettungsaktion im Brunnen den Geist erst auf die Welt richtig losgelassen hat.

Kruger jedoch kann oder will mit dem abstrakten, übermenschlichen Mythos nichts anfangen, er montiert nur mühsam ein paar wesentliche Schlüsselelemente irgendwie in die Handlung: ein Startjoke mit Teenagern, ein paar Video-Ausschnitte, der seltsame brennende Baum, der im Zimmer erscheint. Nichts davon wäre nötig, aber es gehört halt dazu – selten hat ein Autor weniger verstanden. Das zeigt sich, als das Skript der Herkunft Samaras mal auf die Spur kommen will und dafür gerade mal 15 Minütchen des Films opfert: bestehend aus einem kargen Besuch im Morgan-Haus (den uns aber ein lustiger Gary Cole verschönert und der mehr dazu dient, den Hirschangriff auf das Auto zu rechtfertigen – ohne daß das was mit Samara effektiv zu tun hätte) und einem wirren Vierminüter von Dialog mit einer fusseligen Sissy Spacek, die ausschaut, als hätte man Oma Addams die Haare gefärbt.

Die Aussage bleibt dabei so banal und oberflächlich wie in vielen mäßigen Horrorfilmen: die Liebe einer Mutter wird’s schon richten, man muß sich anstrengen und reinhängen und was opfern.
Grundsätzlich könnte man diese Aussage ja noch schlucken, wenn man nicht ständig mit so vielen miesen Dialogen bombardiert würde („Was ist mit dir, Mutti, du siehst traurig aus!“ – „Nichts, mein Schatz! Ich bin nur müde!“) und auf der Spannungsseite nichts zum Ausgleich bereitsteht.

Denn der bizarre, fremde Horror des Originals (egal welches) ist hier einfach nicht vorhanden. Stattdessen gibt’s hin und wieder ein paar Effekte, aber zu selten und wenig Inspiration. Regisseur Hideo Nakata beweist sich dabei auch nur als Erfüllungsgehilfe seines US-Debuts, macht zwar nichts total falsch, bietet aber auch keine Klasse an.
Ständig werden Spannungsszenen durch zu viel Bedächtigkeit unendlich in die Länge gezogen, zu früh weiß der Zuschauer mehr als Rachel (etwas, was der Vorgänger vermied), bleibt der rote Faden unterentwickelt, entwickelt das Geschehen keinerlei weitläufigere Dimensionen. Und als Kardinalfehler ruht die Kamera ständig auf David Dorfman, definitiv ein begabter Kinderdarsteller, aber nur als Schlüsselfigur, nicht als Träger der Handlung überzeugend.

So ist dann auch jede Hoffnung auf weitere Innovation oder Stil dahin, wenn Samara in der ersten Traumvision nach einer Viertelstunde schon rumblökt, sie hätte ihn oder sie gefunden.
Gerade die nicht-kommunikative Figur der Samara, ihre groteske Fremdartigkeit brachte das Grauen, etwas, was man nicht kontrollieren konnte.
Hier ist sie das offensichtliche bad girl mit der Schlechte-Laune-Miene und wann immer ihr Gesicht von den Haaren dann doch noch mal verdeckt wird, erinnert man sich erst daran, daß der Schrecken nun entblößt (und damit unwirksam gemacht) wurde. Daß sie später auch noch als schlechter CGI-Trick erscheint, ist nur ein weiterer Sargnagel.

Letzten Endes wirkt der Film schrecklich bemüht, über die Zeit zu kommen. Die Einkerkerung Samaras erscheint wirr und wenig begründet, die Vorkommnisse ungeklärt (wo etwas findet das Duell im Brunnen statt: ist es im Video, in einem Traum, einer alternativen Realität?) und die Schlußfolgerungen gestelzt. Noch dazu gibt es offensichtliche Fehler gröberer Art: da kann eine Ärztin die Mutter ohne rechtlichen Beschluß von ihrem Kind trennen; in der Badewannenszene (das komplette Wasser unter der Decke) sind hinterher die Handtücher trocken und obwohl die Ärztin noch Selbstmord verüben mußte, stirbt Max offenbar den typischen Ring-Tod a la Videofluch, ohne daß geklärt wird, wie das in so kurzer Zeit bewerkstelligt wurde. Sollte ja auch nur ein Schockeffekt sein. Besonders hirnig auch eine Szene, in der Rachel ihren Sohn zum Aufwärmen in die gefüllte Badewanne stecken will und sich wundert, weswegen er Schiß hat – um dann auch noch das Haus zu verlassen....

Retten tun den Film seine mehr als soliden Darstellerleistungen, auch wenn die Dramaturgie manchmal kurz vor dem Einfrieren ist. Naomi Watts ist beachtlich, ohne je in Hysterie verfallen zu müssen und Dorfman ist bemerkenswert, wenn er auch einfach zu viel eingesetzt wird, um die Spannung seiner Auftritte beizubehalten. Baker und Perkins sind nur Bit-Parts, während Cole irgendwie völlig unpassend vom Leder zieht („Bin hier der Grüßaugust....“). Spacek dagegen hätte man ein paar bessere Dialoge in den Mund legen können.

Insgesamt eben ein solider, unspektakulärer und manchmal auch halbgarer Horrorfilm mit auch ein paar leisen Tönen, dem die Ring-Hypothek einfach nicht gut bekommen ist, weil er das unfaßbare, ja kosmische Grauen nicht weiter auslotet, sondern auf die Figuren fokussiert. Kein Ausbau, sondern eine Innensicht – und eine unoriginelle noch dazu.
(5/10)

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