Zählt die US-Version von „Ring“ für mich zum besten, weil furchterregendsten Horrorbeitrag des Jahrzehnts, bin ich an die Fortsetzung aus dem Jahre 2005 ohne große Erwartungen herangegangen – was mich letztlich vor einer Enttäuschung bewahrt hat. Im Falle dieser Fortsetzung ist mir das japanische Original unbekannt, weshalb ich zwischen Original und Remake keine Vergleiche ziehen kann. Regie führte Hideo Nakata, der auch für die Originale verantwortlich zeichnet, das Drehbuch hingegen stammt von Ehren Kruger.
Von vornherein wird dem Zuschauer klar, dass Samara hier auf fahrlässige Art und Weise entmystifiziert wird. Dadurch hält sich der Horror verglichen mit dem Vorgänger in Grenzen, da auch die Schockmomente z.B. durch zu langes Draufhalten auf die entstellten Gesichter der Opfer abgeschwächt werden. Darüber hinaus bediente man sich gleich mehrerer Horrorklischees und -motive, die den Zuschauer unweigerlich an andere Genrevertreter erinnern, wodurch „Ring 2“ deutlich an Originalität – einer der Stärken des ersten Teils – einbüßt. Spätestens beim Auftauchen vereinzelter, aber deutlich als solche erkennbarer CGI-Effekte ist’s mit dem Grusel dann auch ganz vorbei, da sind selbst Stop-Motion-Künste aus den 30ern noch effektiver. Die eigentliche Geschichte, in der – getreu familienfreundlicher Ami-Klischees – Mutterliebe als Allheilmittel gepriesen wird, ignoriert ärgerlicherweise den Plottwist des Vorgängers, in dem eben diese alles nur noch schlimmer machte. Generell sollte man nicht jede Szene auf ihren Logikgehalt hin sezieren...
Andererseits stimmt über weite Strecken aber trotz allem die Atmosphäre, zumindest verglichen mit den zahlreichen Genre-Schnellschüssen des ausgehenden Jahrzehnts. Der Unterhaltungsfaktor geht ok, gelangweilt habe ich mich jedenfalls nicht. An den schauspielerischen Leistungen gibt es auch wenig zu mäkeln, so dass „Ring 2“, würde es sich eben nicht um eine Fortsetzung des großartigen „Ring“ handeln, durchaus als überdurchschnittlicher Horrorfilm durchgehen könnte. Wie so viele Fortsetzungen eines innovativen Stoffes verblasst aber auch „Ring 2“ gegenüber der vorausgegangen Meisterleistung – was zwar schade ist, aber auch nicht anders zu erwarten war.