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Die Stadt, die niemals bremst

In Sachen Bekanntheit steht Harold Lloyd seinen zwei Kollegen Keaton & vor allem Chaplin zwar etwas hinterher, seine besten Filme können mit den zwei Schwergewichten des lustigen Stummfilms jedoch absolut mithalten. Zusammen bilden die drei das absolut beste Trio, dass die Comedy-Welt je gleichzeitig hat auftreten sehen. Und "Speedy" gehört zu Lloyds besten Arbeiten - zusammen mit Keatons "Der General", ist diese Verbeugung vor der Geschwindigkeit, der Stadt New York & vor Fortbewegungsmitteln allgemein, sicher einer der schnellsten, lustigsten & spannendsten Adrenalinkicks der 20er.

Die Geschichte spielt wie gesagt in der Stadt, die niemals schläft & handelt von Lloyds berühmten Everyday-Schlacks mit Brille & unbändigem Optimismus, der keinen Job wirklich lange durchhalten kann & trotzdem das Unternehmen seines Schwiegervaters vor einfältigen Gangstern beschützen muss - und er träumt ganz nebenbei von Baseball & noch mehr von einer Zukunft mit seiner geliebten, wirklich süßen Freundin.

"Speedy" bietet ein paar der spektakulärsten Verfolgungsjagden, die ich je in einem Stummfilm gesehen habe - die Straßen New Yorks samt ihrer vielen Hindernisse werden verdammt brisant durchfahren, sei es in einem Taxi, einer Kutsch-Straßenbahn (?) oder einer köstlichen Fahrt in der U-Bahn nach Coney Island. Apropos: auch wenn der Film mehr durch Speed & wilde Gags in Erinnerung bleibt, ist gerade die romantische, komische & sogar etwas melancholische Szene auf Coney Island & seinen vielen Attraktionen, ein absolutes Highlight, das starke Bindung zu den zwei Liebenden aufbaut. Und ganz nebenbei köstliche Lacher bietet, die ganz beiläufig & genial ineinander laufen. Das konnte Lloyd wie kaum ein zweiter. Gerade wegen dieser Kirmes-Szenen als Double Feature mit Fejos' "Lonesome" ideal.

Neben den Verfolgungsjagden in den schon damals beeindruckenden Straßenschluchten New Yorks & dem genannten romantischen Tag im Freizeitpark, enthält der Film auch noch eine erfreulich negative Einstellung gegen große, mafiöse Firmen & einen Straßenkampf, den man fast episch nennen könnte. Hier kämpfen als actionreicher Höhepunkt die Halunken gegen die harten, schon in die Jahre gekommenen Arbeiter der Stadt - Bürger gegen Unternehmens-Gangster sozusagen. Voller lustiger Einfälle (ich sag nur Bügeleisen!), Arschtritte & Holz-auf-den-Kopf-Momente - da können sich so manche heutigen Massenfights noch etwas von abschauen. Insgesamt eine pfiffige Mischung & ein unterhaltsamer Mix, ganz klar ausgelegt auf Speed, Action & körperlicher Komik. 

Fazit: seinen Namen verdient tragend, einer der rasantesten Filme der 20er & ganz fest in Harold Lloyds Top 3 - der tollpatschige Speedy verliert zwar jeden Job, gewinnt dagegen jedes Herz, jedes Rennen, jeden Stuntwettbewerb!

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