So gegen Ende der 80er Jahre hatte Sylvester Stallone es langsam satt, immer nur auf seine beiden Paraderollen Rocky und Rambo reduziert zu werden und strebte einen Imagewechsel an, der auf ein breiteres Spektrum an unterschiedlichen Charakteren ausgelegt war. Doch die ersten Versuche, seine Schatten loszuwerden, welche ihn zu dem Actionstar der 80er Jahre schlechthin gemacht hatten, scheiterten finanziell an den weltweiten Kinomärkten, auch wenn die Filme für sich gesehen nicht unbedingt schlecht waren. Das familienfreundliche Armwrestling Spektakel Over the Top (1987) spielte in Amerika lausige 16 Millionen Dollar ein und sein Knast Drama Lock Up - Überleben ist alles (1989) ging mit einem Umsatz von 22 Millionen Dollar baden. Mit dem Buddy Actioner Tango & Cash (1989) wagte sich Stallone zum ersten Mal ins Buddy-Movie Actiongenre und mit einem gleichberechtigten Partner sowie einem völlig neuen Dresscode sollten die Kassen auch abseits von boxenden Italienern und unbesiegbaren Einzelkämpfern klingeln. Die Rechnung ging nur bedingt auf: Der unterhaltsame Tango & Cash spielte weltweit 120 Millionen Dollar ein, kostete aber auf Grund gravierender Produktionsschwierigkeiten stolze 55 Millionen Dollar, so dass der Reingewinn dementsprechend niedrig ausfiel.
Wussten Sie, dass Tango & Cash insgesamt 3 verschiedene Regisseure verschlang? Der offiziell genannte Andrey Konchalovskiy wurde nach 3 Monaten von Produzent John Peters entlassen, weil er das geplante Budget sprengte und zusammen mit Stallone einen ernsteren Reißer drehen wollte mit weniger Humor. Danach übernahm Peter McDonald das Zepter, während kurze Zeit später Albert Maglioli beauftragt wurde, den Film fertig zu stellen, doch auch er verursachte unnötige Mehrkosten durch Zweitdrehs und verhunzte das Finale, so dass letzten Endes Warner Bros eingreifen musste. Stuart Baird überarbeitete den Rohschnitt nochmal, bis Warner den Streifen endlich für die Veröffentlichung freigab. Bei all den Streitereien ist es fast schon ein Wunder, dass Tango & Cash den Umständen entsprechend als gelungen bezeichnet werden kann, zu den Buddy-Klassikern wie Lethal Weapon oder Nur 48 Stunden hat es zwar auf Grund einiger Defizite nicht ganz gereicht, trotzdem ist der temporeiche Streifen für kurzweilige Samstag-Abend-Unterhaltung nicht ungeeignet. Die Story ist relativ banal: Die beiden Cops Ray Tango (Sylvester Stallone) und Gabrial Cash (Kurt Russell) werden vom Drogenboss Yves Perret (Jack Palance) verladen, so dass sie für einen Mord, welchen sie nicht begangen haben, in den Knast müssen. Gemeinsam brechen sie aus dem Gefängnis aus um ihre Unschuld zu beweisen und Perret und seinen Gefolgsleuten das Handwerk zu legen...
Das Zusammenspiel des dynamischen Duos Stallone / Russell liefert den hauptbestimmenden Unterhaltungswert von Tango & Cash mit den Buddy-Movie typischen gegensätzlichen Charakterisierungen. Auf der einen Seite der stets mit Anzug und Krawatte gekleidete Ray Tango (Sylvester Stallone), welcher um eine gewählte Ausdrucksweise bemüht ist und neben zu an der Börse spekuliert, auf der anderen Seite der coole Macho von der Straße mit jede Menge lockerer Sprüche, Gabrial Cash (Kurt Russell). Die Chemie der beiden sich ergänzenden Cops funktioniert prächtig und das Spruchfeuerwerk, die Selbstironie sowie ihre unterschiedlichen Lebenseinstellungen sorgen nicht nur einmal für Erheiterung. Wenn Sie mich jedoch nach meinem persönlichen Favoriten fragen, gewinnt das Rennen ganz klar Kurt Russell, denn Stallones teilweise erzwungen wirkender Aufbau eines neuen Images konnte mich nur bedingt überzeugen. Das Banker Outfit passt einfach nicht zu ihm und auch in Punkto Schlagfertigkeit kann seine Rollendefinition ungeahndet des kultigen "Rambo is a pussy" Satzes nicht mit Russells Charakter mithalten, der ihn teilweise auch noch an die Wand spielt. Das soll jetzt nicht heißen, dass Stallone schlecht performed, nein er ist mit viel Herzblut und Leidenschaft bei der Sache, die gewöhnungsbedürftige Figurenzeichnung von Ray Tango ist hier eher das Problem. Um in der obersten Liga der Buddy-Movies mitzuspielen, bedarf es meiner Meinung nach eben um zwei gleich starke Hauptprotagonisten.
Die Actionsequenzen sind rasant, druckvoll sowie mit ein paar etwas härteren Gewaltspitzen realisiert und der energiegeladene Tango & Cash Score des Harold Faltermeyers unterstreicht die bildgewaltige Inszenierung von Andrey Konchalovskiy vorzüglich. Die Freunde von klassischer 80er Jahre Action Berieselung kommen mit einigen bleihaltigen Shoot-Outs, mit handgemachten Explosionen, mit temporeichen Verfolgungsjagden und knallharten Zweikämpfen abwechslungsreich und qualitativ hochwertig zufriedengestellt auf ihre Kosten. Leider muss sich Tango & Cash in Punkto Häufigkeit den Vorwurf gefallen lassen, zu selten bzw. unglücklich verteilt auf die Pauke zu hauen. Für eine 55 Millionen Dollar teure Produktion war mir das streckenweise einfach ein bisschen zu wenig, was wahrscheinlich mit den zahlreichen Umschnitten und Korrekturen in der Produktionsphase zu tun hat. Auch das materialverschlingende Finale mit einigen spektakulären Detonationen und atemberaubenden Stunts wirkt an manchen Stellen wie zusammengeschustert, wenn die beiden glorreichen Helden das Gebäude stürmen und Perret mit seiner zwielichtigen Gefolgschaft den Garaus machen wollen.
Mindestens 1 wenn nicht sogar 2 Pluspunkte ist mir das Mitwirken von Jack Palance als charismatischer Gangsterboss Perret wert, der mit seiner unter die Haut gehenden Performance einen gnadenlosen, aber gleichzeitig auch raffinierten Widersacher beeindruckend verkörpert. Auch seine Handlanger werden von genrebekannten Schurkengesichtern wie Brion James (Blade Runner; Und wieder 48 Stunden), Robert Z'Dar (Maniac Cop 1 + 2) oder Philip Tan (Martial Law; Bloodsport 2) gefällig vertreten, so dass zusammengefasst von einer stark aufspielenden Antagonistenseite gesprochen werden kann. Für die Herren der Schöpfung sollte nicht unerwähnt bleiben, dass mit Teri Hatcher (James Bond - Der Morgen stirb nie; Superman - Die Abenteuer von Lois & Clark; Desperate Housewives) eine rassige Schönheit mit an Bord ist, die als Tangos verführerische Schwester Katherine 'Kiki' Cash mächtig einheizt und damit einige lustige Running Gags zwischen ihrem Verehrer und dem großen eifernden Bruder initiiert. Der Rest der Darstellerriege agiert auf einem soliden Niveau und bestätigt damit den gesamtheitlich durch die Bank professionell anmutenden Eindruck aller Akteure.
Im September 2019 befeuerte Sylvester Stallone erste Pläne, er würde an eine späte Fortsetzung mit Kurt Russell denken, doch die ehemalige Klapperschlange zeigte sich eher skeptisch, bis die Gerüchte im Sande verliefen, was wahrscheinlich auch besser ist nach so einer langen Zeit. Tango & Cash ist ein unterhaltsames Relikt seiner Zeit, mit einem gut harmonierenden Buddy Gespann, markigen One-Linern, wuchtiger Action und einem herrlich fiesen Bösewicht. Leider wirken Teile des Films, insbesondere der explosive Showdown, streckenweise wie ein Flickenteppich, was auf die offensichtlich stattgefundenen Nachbesserungen zurückzuführen ist und auch die Anzahl an ausufernden Actionsequenzen gestaltet sich salopp formuliert als überschaubar. Stallones Vorhaben, auf Teufel komm raus seinen Rambo Ruf loswerden zu wollen, würde ich indessen als etwas arg konstruiert bezeichnen, während die Typisierung der Persönlichkeit des Ray Tangos auch nicht immer unbedingt zu Stallone passt. "Was glauben Sie eigentlich wer Sie sind?" "Er denkt, er ist Rambo!" "Rambo, ist ein Waschlappen!" MovieStar Wertung: 7 von 10 Punkte.