Review

Abteilung: enttäuschte Erwartungen.
Noch so ein Film, dem man, weil er im deutschen TV selten bis nie läuft, ggf. länger hinterhersteigen muß (sofern man nicht unendlich Zeit zwischen all den anderen Filmen hat), allein aufgrund der Tatsache, daß die Tricks, die in der Zeit der Alieninvasionen und Rieseninsektenparanoiafilme meistens zwischen Weltmeister und Hausmeister schwankten, von Ray Harryhausen stammen.
Der hatte zu diesem Zeitpunkt erst seine Monsterklassiker "Panik in New York" und "It came from beneath the sea" veredelt und war auch dem kreativ aufsteigenden Ast - allerdings hätte mich die Info warnen sollen, daß es der vom Meister am wenigsten geliebte Arbeitsbeitrag gewesen sein soll.
Harryhausen ist hier nicht in Sachen visuelle Effekte unterwegs, sondern als Animationsexperte und so in erster Linie für die fliegenden Untertassen und ihre Drehbewegungen zuständig, neben den aufwändigen Crashs in zahlreiche berühmte Baudenkmäler Washingtons (u.a. das Capitol und das Washington Monument, was Tim Burton dann in "Mars Attacks" noch veräppelte).

Leider kann der Restfilm auf gar keiner Grundlage irgendwie gegen die Tricks bestehen - und ich will schon mal ankündigen, daß auch die nicht ohne Fehl und Tadel sind - die wohl nachlässigsten Harryhausens bis zu den schlimmen Matte Paintings in "Sindbad and the Eye of the Tiger".
In erster Linie ist "Earth vs. the Flying Saucers" jedoch ein munterer Invasionsfilm, bei dem uns schon vor Start der eigentlichen Handlung knüppelhart eingebläut wird, daß man dieser Bedrohung aus dem All nur mit ausgesprochen viel "Firepower" beizukommen gedenkt. Da die Aliens natürlich nur eine kaum verschleierte Metapher für die bösen Kommis und ihre moskowitische Aufrüstungsarie waren, ist das wohl die konkreteste Kampfansage, die in dieser Filmwelle neben "Invasion USA" zu haben war.

Der Regisseur dieser Plotte war Fred F. Sears, ein wenig talentierter, aber dafür ungeheuer produktiver Regisseur, der es schaffte, in gerade mal 10 Jahren als Regisseur (er starb bereits ein Jahr nach diesem Film, logischerweise an einer Herzattacke) mehr als 50 Regienennungen zu sammeln, von denen dieser Film auch gleich die Bekannteste darstellt. Wie so viele Paranoiafilmbeiträge, lebt auch dieser Film bei gerade mal 80 Minuten Lauflänge von so viel Archivmaterial, wie nur unterzubringen ist: Düsenjetflüge, Abstürze, Raketentests, Flugaufnahmen, Waldbrände, es scheint kein Ende zu nehmen und die Darsteller darin einigermaßen zufriedenstellend unterzubringen, ist kein leichtes Unterfangen.
Zumal das Drehbuch, das auf einer Originalstory von Curt Siodmak basieren soll und von zwei durchaus erfahrenen SF-Kritzlern (u.a. "Formicula") hergestellt wurde, ein wahres Flickwerk an unausgegorenen Ideen war.

Idealtypisch haben wir ein frisch verheiratetes Pärchen, er selbstverfreilich Raketenwissenschaftler, dessen Satellitenreihe unter ungeklärten Umständen zum Absturz gebracht wird. Ungeachtet der Tatsache, daß er auf dem Weg zum 11.Abschuß mit seiner Holden einem Ufo begegnet, das seltsame Geräusche macht, ignoriert man das Geschehene zunächst und macht erst mal weiter. Später ist man dann total aus dem Häuschen, daß man das Geräusch auf Band hat. Noch später, inzwischen ist der 11.Test mißlungen, die Raketenbasis von Aliens geentert (oder so) und anschließend gepflegt eingeäschert, überspricht er das sensationelle Band offenbar mit einem neuen Lagebericht zufällig genau bis zu der Stelle, an der das Geräusch zu hören ist. Weil aber die Batterien schwächer werden, läuft das Band langsamer und plötzlich ist das Surren eine Botschaft an ihn - welch netter Zufall...

...wie überhaupt die Physik hier nicht nur Bocksprünge, sondern Salti schlägt, gerade die Zeitgeschwindigkeitsproblematik kommt irre wirr rüber und warum die Aliens die überlichtschnelle Raumfahrt im Griff haben, aber für eine simple Botschaft so umständlich vorgehen, fragt man auch besser gar nicht.
Wenn wir dann schon mal bei den Motivationen sind, herrscht ebenfalls große Verwirrung: die Aliens suchen Kontakt, wollen aber die Erde besetzen, versuchen das aber argumentativ, weil sonst so viel Guerillakrieg herrschen würde. Echt praktisch gedacht, jedoch pulverisieren sie aber immer zwischendurch gern mal ein paar Einrichtungen, was nicht zu dieser Taktik paßt.
Auch prima: die oftmals komplett sinnfreien Landeoperationen, bei denen immer zwei bis drei der durch roboterähnliche Anzüge geschützten Aliens das Schiff verlassen, um sich zweckfrei außerhalb des Schutzschirms beschießen zu lassen.
Und eine gut organisierte Rundfahrt durch das Sonnensystem an Bord eines Ufos samt Gehirnsäuberungsmaschinchen hat auch keine logische Absicht, außer der, den Verteidigern der Erde ein bißchen Aufschub zu verschaffen.

Was sonst noch an Unfug zusammengeredet oder gehandelt wird, sprengt hier leider den Rahmen, besonders schöne Beispiele sind aber eine Sequenz auf dem Tower der Raketenbasis, wo ständig ein Ufo am Westtor gemeldet wird, aber niemand offenbar gewillt ist, daß durch einen kurzen Blick durch die Rundumfenster zu verifizieren (bis Harryhausen uns eins präsentiert). Sinnfrei auch die Annäherung eines der Wissenschaftler für die Ultraschallwaffe an einen ausgestiegenen Alien, um sich drehbuchgerecht zerstrahlen zu lassen oder das billige Auf-der-Stelle-Laufen gegen die Archivaufnahme eines Waldbrands - es gibt wirklich kaum durchgehend intelligente Filme aus dieser Zeit, aber der hier ist echt unter aller Kanone.

Womit wir wieder zu Harryhausens Tricks kommen, die leider nicht so oft zu sehen sind, wie uns lieb wäre.
Die vielfach verwendeten Untertassen sind allerdings deluxe, genauso wie die Sequenzen im Inneren der "Saucer", die Kombination mit dem Archivmaterial geht jedoch meistens in die Hose, was an der unterschiedlichen Qualität und Beschaffenheit liegt. Was die Zerstörung von Washington angeht (übrigens auf die letzten 10 Filmminuten beschränkt, bei der sich die Figuren wieder sehr...inkonsequent verhalten müssen), so sieht diese auf den Aushangfotos und Stills besser aus als im Film. Die Crashsequenzen brechen immer wieder sehr früh ab und enthüllen trotzdem die Modelle, die man statt der Originale verwendete sehr deutlich, Matte Paintings sind überdeutlich in die Filmsequenzen integriert und die Explosionen sind oftmals mehr als schwach über die Bilder gelegt, was bei dreifacher Wiederholung gleicher Szenen natürlich noch unangenehmer auffällt.
Wer also in einem alten Filmbuch über die schönen Fotos stolpert: bitte ausgiebig genießen, der Film gibt das Feeling auf keinen Fall so wieder und bringt die Szenen eher gedrängt hinter sich, anstatt sie auszubreiten - die Zerstörungsorgie wird dann auch als endlose Wiederholung des immer gleichen Schemas präsentiert.

Und wer von naivem Charme spricht, der diese alten Filme umweht: ja, den gibt es wirklich, nur wirken sich die vielen Patzer, Schnitzer und Nachlässigkeiten in der Summe hier so nachteilig aus, daß der Film nicht wie eine Prestige-, sondern wie eine plumpe Billigproduktion wirkt, die zufällig einen talentierten, aber wohl unterbezahlten Effektmann engagieren konnte.
Aus Kuriositätengründen sollte man den Film natürlich kennen, zu den Top 10 der goldenen 50er gehört er auf keinen Fall. (4/10)

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