Mit Spoilern! (Unvermeidlich…)
Prinzipiell mag ich ja diese Zwischenreich-Filme, aber inzwischen hat man die Twilight Zone mit dem sixten Sense die Jacobs Ladder rauf und runter gejagt, dass selbst Ambrose Bierce während eines „Incidents on Owl Creek Bridge“ nur noch abwinken würde.
Nach diesem ziemlich subtilen (hoho!) Spoiler will ich aber mal nicht zu grausam mit „Stay“ umspringen, Marc Fosters nächstem Film nach seinen mehrfach oscarnominierten Ergüssen „Finding Neverland“ und „Monster’s Ball“. Es ist einmal mehr ein hochgradig mysteriöses Mysterystück (die Tautologie ist durchaus berechtigt), in welchem ein Psychiater (dargestellt von Ewan McGregor) mit seinem jungen Patienten (Ryan Gosling) hadert, der nicht nur punktgenaue Voraussagen trifft, sondern sich auch in exakt drei Tagen selbst umbringen möchte.
Das setzt natürlich eine verzweifelte Rettungsmission in Gang, die von Realitätssprüngen, dimensionalen Verzerrungen und unheimlichen Erscheinungen behindert wird, da hat doch wieder mal die andere Seite die Hand im Spiel.
Der Haken an der Sache ist in diesem Fall die gnadenlose Vorhersehbarkeit, dieses Sujet schon bis zum Gehtnichtmehr ausgelutscht zu haben. Zu offensichtlich sind die visuellen Sprünge dieser seltsamen Realität, in der sich bisweilen in der Wahrnehmung McGregors verschiedene Vorgänge mehrfach wiederholen und selbst die Zeit rückwärts läuft.
Der unbedarfte Zuschauer darf trotzdem an diesem Geheimnisspielchen rumknabbern, bei dem auch noch Naomi Watts (als McGregors Künstlerfreundin), Bob Hoskins (als blinder Professorenfreund) und Janeane Garofalo (als Psychokollegin) Gastauftritte absolvieren.
Die Verwirrung des Zuschauers ist dabei Thema Nr.1 und es gelingt trefflich, die Andersweltlichkeit des Geschehens fühlbar zu machen, wenn das Publikum nicht schon die ganze Zeit am Plot-Twist herumknabbern würde, weil sie ihn kommen spürt.
Wenn er dann auf die letzten 5 Minuten kommt, so muß ich leider „Troja“-Skripter David Benioff wieder mal Einfallslosigkeit attestieren, denn es kommt bis auf diverse Unerklärlichkeiten genau das dabei heraus, was man schon die ganze Zeit erwartet hat.
Vor allem die Tatsache, dass das Geschehen aus der einen Perspektive geschildert wird, der Verursacher eben jener am Ende jedoch eine ganz andere ist, wirkt wenig überzeugend.
Zu viele Fragen bleiben offen, zu viele Dinge und vor allem der Sinn des Ganzen wenig überzeugend, um daran 90 Minuten zu verschwenden.
Dazu trägt auch Foster sehr, sehr spröde und wenig temporeiche Inszenierung bei, die immer wieder dann auf den farblosen McGregor blendet, wenn Steigerungen angebracht wären. Doch die Spannungsspirale läuft immer wieder leer und man kann sich allerhöchstens an den wirklich meisterhaften Bildern des Kameramanns Roberto Schaefers und der fasznierenden Setauswahl delektieren. Ungemein gewitzte und fließende Szenenübergänge brüskieren immer wieder die Erwartungshaltung des Zuschauers und provozieren kleine Überraschungen. Der Mensch, die Figuren, stehen immer wieder gegen unwirkliche Mauern, deren Mächtigkeit bzw. Facettenreichtum die Charaktere zu erschlagen trachten.
So ist McGregors Wohnung ein steriler (Alp-)Traum, seine Bücherwand eine bis ins letzte Loch vollgestopfte Monstrosität, die wie ein Versandlager im Düsterlicht ausschaut, steril und leblos.
Auch sonst beherrschen kleine und größere Muster die Hintergründe, seien es unmenschlich anonyme Wohnblocks, Wandverkleidungen, Fliesen oder die handelsübliche „downward spiral“ in Form einer langen Wendeltreppe, die Optik lässt nicht unversucht, die Story zu toppen und Unruhe zu verbreiten, was ihr letztendlich auch gelingt.
Dennoch wird es einigen Zuschauern nicht leicht fallen, dem zähen Fortgang des Geschehens ohne Gähnen zu folgen, weswegen der Film vor Ort (USA) auch relativ schnell in der Versenkung verschwand. Aber immerhin: bei aller fehlender Massenkompatibilität aber doch von einer leisen Originalität, der man Respekt zollen muß. (6/10)