Review

Henry's Ladder

Es gibt immer wieder sehenswerte Filme die durch's Raster rasseln - mal durch das der Kritiker, mal durch das der Zuschauer. Wenn ein richtig guter Film jedoch bei beiden Parteien untergeht, dann ist das tragisch. So im Falle von "Stay", den jeder Freund von guten Mystery-Thrillern schleunigst nachholen sollte. Erstmal dickes Danke an Chris Stuckman, der den Film auf seinem YouTube-Kanal erwähnt & analysiert hatte. Und da ich bei anderen Filmen, wie "Enemy" oder "Under the Skin", die er im Laufe der Jahre abhandelte, auf seiner Wellenlänge lag (schon weit vor seinen Analysen), zögerte ich nicht lange. Und "Stay" wäre sogar ohne seine fundierte Analyse als Nachgang, ein klasse Film.  Es geht um einen Psychologen, der verhindern will, dass ein junger Patient & Künstler Selbstmord begeht. Viel mehr will ich über diesen poetischen Traum gar nicht verraten, denn man muss "Stay" einfach erleben, aufsaugen & sich zuerst mal, vor jedweder Recherche, seine eigenen Gedanken zum traumgleichen Rätsel machen. David Lynch mag den Film sicher & man sollte höchste Konzentration aufwenden -  dann kommt die Faszination & positive Überraschung von ganz alleine. Wer sich an das psychedelisch-sperrige Werk allerdings nur halb aufmerksam, nicht hartnäckig genug oder gar müde heranwagt, könnte enttäuscht werden oder selbst in Traumwelten wegdösen.

Viele werden, wie Chris, wahrscheinlich durch den Cast oder per Zufall auf "Stay" aufmerksam - denn weder die Story noch die Kritiken lassen wirklich Spannendes erahnen. Doch wie ein Film mit Ryan Gosling, Naomi Watts oder Ewan McGregor so untergehen konnte, selbst wenn nicht alle drei 2005 schon ihren Starstatus hatten, ist fast so ein Rätsel wie der Film selbst. Alle drei machen ihre Sache gut, vor allem Gosling zeigt hier schon in jungem Alter Starpotenzial & eine Performance zwischen Selbstzerstörung, Reue & Coolness. Doch der eigentliche Star des Films ist der Regisseur (+ sein Drehbuchschreiber) Marc Forster. Wie er den Film wie ein Mosaik zerfallen lässt, falsch zusammensetzt & immer wieder verwirrt, ist sagenhaft. Egal wie sehr "Stay" floppte - pures Unverständnis warum man von diesem klasse, gruseligen Stil in seinen späteren, größeren Werken kaum noch eine Spur finden kann. Der Stil des Films, seien es die Farben, die Ideen oder die wahnsinnigen Cuts, ist nur noch mit Kultgrössen ala "Eraserhead", "Enter the Void" oder "Donnie Darko" zu vergleichen. Ich bin noch immer durchgeschüttelt & beeindruckt von dem visuellen Overkill. Durch diesen übermächtigen Style & die Grundidee der Story, fehlt zwar manchmal etwas der emotionale Bezug & der Film lässt einen oft genug sehr allein auf weiter Flur, doch mehrmaliges Sehen & Nachforschen hilft bei der Erleuchtung. Besser spät als nie bei diesem Brainbender?!

Fazit: ein Geheimtipp wie ein Trip, ein Traum, ein Tod. "Jacobs Ladder" trifft auf "Donnie Darko" & ist jede Wiederentdeckung wert! 

Details
Ähnliche Filme